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Hersfel-cr Anzeiger.

Nv. 5t» ' - Hersfeld, den 19, Juli. 1854.

Der »Hersfelder Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe- dition (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr.- 6 Hlst.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen' aller Art werden, ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Der Mte von Vthen.

Es wehte kühl vom Meer, der Tag war längst gesunken, DaS Feuer am Jliß versprühte rothe Funken, Im Kreise lag die Schaar, das Banner ausgcpflanzt, ' Die Pfeifen glommen hell, der Becher ging im Kreise, Und zu der Trommel Schlag und der Hoboen Weise, Ward die Rvmaika getanzt.

Wie klirrten da im Takt die Säbel der Geleiten,

Wie flatterten im Wind die weißen Fustanellen, _ Der Flamme Strahl beschien manch bärtig Angesicht Gefurcht unv sonnverbrannt, und plötzlich dann dazwischen Ein lockig Knabenhaupt; so schaut aus dunklen Büschen Im Lenz der Rost junges Licht.

Da trat ein alter Mann ins tosende Gedränge, Wohl ragt' er aus der Schaar um eines HaupteS Länge, Hinab zum Gürtel floß der Bart ihm silberweiß, Kühn war die Stirn, darum die Locken flatternd wehten, In seinem Auge glomm das Feuer des Propheten, Und also rief der hohe Greis:

Hinweg, Verblendete, mit Trinkgelag und Reigen! Setzt ab den Weinpokal, laßt die Hoboen schweigen, Den lust'gen Schall der Trommel dämpft!

Vergeht ihr, daß, indeß ihr schweigt in müß'gcr Feier, Auf Kreta's blul'gem -Strand der Adler mit Dem Geier Um eurer Brüder Seichen käMpft?

O wär' ich noch ein Knab', ich könnte Thränen weinen! Doch Muth! Wie unheilvoll für uns die Sterne scheinen, Noch ward die Hoffnung nicht zum Trug; LeonidaS erlag einst an den Thermopylpu, In Flammen stand Athen und seine Tempel fielen, Eh Salamis die Perser schlug.

A Drum auf! Nicht länger hört, was euch die Frem­den, rathen;

Im Schwerte nur ist Heil, und mit des Schwertes Thaten Rächt Kreta's Schmach und Griechenland's; Die Zeit ist reif, den Grund, drin unsre Heil'gcn modern, Den frechgergubten Grund im Kampf zurückzufvvern; Gen Norden geht es nach Byzanz!

' Es ist ein heil'ger Krieg der Krieg, den wir beginnen;

, Was will der halbe Mond noch auf Europa's Zinnen? Des eitlen Zauderns ward genug;

Den gifl'gen Krebs, der uns so lang geklagt am Herzen, Ihn gielts mit scharfem Stahl, mit Feuer auszumerzen, Hinweg mit ihm! die Stunde schlug.

'So steigt denn vom Gebirg, ihr braunen Klephlen, nieder, Ergreift das lange Rohr, den krummen Säbel wieder, Erwacht ihr Männer von Athen!

Ihr Adler Suli's auf, unv zeigt den Weg den Andern, Kanaris, fülle du den Hellespont mit Brandern, Laß, Hydra, deine Wimpel wehn!

Und du, o junger Fürst von blondem Heldenstamme, Das Wittelsbacher Schwert war sonst der Schlachten Flamme,

Vertrau, ein Schwimmer, dich Der Zeit gcwalt'gem Strom; So schön der Oelzweig ziert, er weicht dem Lorbeerkranze, Wir harren deines Winks;-wirf dich auf's Roß, und Pflanze

Das Kreuz auf Sankt Sophiens Dom!

Hört ihr's in hoher Lust wie zieh'nde Schwäne singen? Der Engel Schaaren sind's, die Flammenschwerter schwingen,

Vor ihnen wird der Feind zum Spott;

Wem sie zuHiupten zieh'n, mag Noth und Tod verachten, Darum frisch auf, mein Volk! Es rufen dich die ' Schlachten'

Vorwärts! Vorwärts! Mit uns ist Gott."

So sprach der hohe Greis und schwand im Volks- gcdränge,

Hoch schlug das Feuer auf erschüttert stand die Menge, Sie beblcn; jeder Mund sprach murmelnd ein Gebet. Wohl forscht' ich, aber wo der Alte hergekommen, Ob er ein Schwärmer war, ich hab? es nicht vernommen; Doch, traun, mir dünkt' er ein Prophet.

(Aus E. Geibel'sZeitstimmkN".)