Hers seid er Anzeiger.
NP. LL. Htr-fel-, den 12 Juli. L8S4.
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Mythe aus -er Gegenwart.
Am 22. Juni, dem Jahrestage der zweiten Abdankung Bonaparte's, huschte gegcn^ Mitternacht ein seltsam gespenstisches Wesen durch die Straßen der Französischen Hauptstadt, vom Jnvalidenyause zu den Tuilerieen. Kleine Gestalt in grauem Oberrock, mit kleinem Hut und Degen, kurz genau so angethan wie Louis Napoleon bei seinem Straßburger Schiffbruche. Bald erschien d'as Wesen vor dem Lager eines Äewohners der Tuilerieen, und es entspann sich folgendes Gespräch:
Hm, fürwahr viel' Glück! Zwanzig Schlachten gewonnen, als ich zum. ersten Male hier schlief.
Die Stimme des Volks, sieben Millionen —
Eigentlich die Furcht vor dem Schlimmeren; darauf aber nicht verlassen, nichts so wandelbar als Meinungen der Masse.
Allerdings, und deshalb sind mit großer Vorsicht Maaßregeln getroffen worden.
Wohlgefällig bemerkt, tüchtige Polizei, viel Truppen, Rebellen verbannt oder eingesperrt, Schwätzer stumm gemacht, Alles recht gut, aber es sind Rothröcke irr Paris, Kriegsgefangene?
Verbünvete! und zwar gegen den ungemessenen Ehrgeiz Rußlands.
Keine Phrasen. Diese Verbindung ist eine große Dummheit, Französische Soldaten aufopfern, damit das Krämervolk seiner Angst wegen Ostindien ledig wird.
Das bilden sich die Englischen Minister'ein, sowie alle Narren des rechten Rheinufers die Allianz das segensreichste Ereigniß des Jahrhunderts nennen. Meine Gedanken gehen aber anderswohin, wenn auch ihr Ziel nicht morgen oder übermorgen erreicht wird.
Hm?
Gemeinschaftlich mit Deutschland und Schweden wird der nordische Koloß gedemüthigt, Polen hergestellt. Dieses natürlich als Frankreichs Vasall, und Bernadotte's Dynastie, auf ewig mit dem Czar verfeindet, gleichfalls.
Zügel anziehen! Das Demüthigen geht nicht so kurzweg. Deutschlands ganz sicher? Müßten ja noch blinder sein als zu meiner Zeit. Ueberdies treuherzige Oesterreicher, schlaue Cameraven, haben mich schön betrogen.
Bisweilen kommen mir selbst allerlei schwarze Ge
danken darüber. Doch die Sache ist einmal angefangen, und wenn die Deutschen nicht so anbeißen, wie ich wünschte, ist doch jeder bei ihnen erschossene Soldat ein Gewinn sür uns. Also, wenn die Karte von Europa dahin berichtigt ist, daß wir zwei Zangen gegen Deutsch- lanv besitzen, kommt dieses an die Reihe. Entweder ein neuer Rheinbund, wozu die Keime bereits ausgestreut sind, oder offener Krieg, und sollte der Kirchenstreit in Baden den Vorwand dazu liefern. '
Kirchenstreit, Baden? '
Daß der sich noch lange hinzieht, bafür birgt das Naturell des Deutschen und mein Einfluß in Italien. Kurz, drei Jahre nach b^m Frieden mit Rußland besitzen wir das linke Rheinuser, vielleicht mit Ausnahme Belgiens, weit vorläufig noch Rücksichten auf England zu nehmen sind. Aber auch die Stunde' der Abrechnung mit den übermüthigen Geldsäcken wird einst schlagen; ich kann warten.
Nicht übel ersonnen, nur stockt die ganze Maschine, wenn ein einziges Rad bricht. Unglücklicher Feldzug vollends/ schwer zu. verwinden, kenne das. Allianz mit Rußland wäre kürzer, erfolgreicher.
Die hat mich lange und oft beschäftigt. Europck Wäre unser, allein würde denn der Kaiser mit mir — Freilich, freilich.
' Damit verschwand das graue Männchen kopfschüttelnd. - . 18tg.
Eagesvegevenheiten.
Kassel, 9. Juli. In der Ngcht vom 5. auf den - - 6. d. M., Nacht zwischen 1 und 2 Uhr wurde zu Halbers- dorf der Tagelöhner Hofmeister aus Wickersrove von dem Schäfer Allmeroth auS Dankerobe erschlagen. Die Umstände sind folgende:. rc- Hofmeister hatte bei dem Konduktor Hoffmann auf dem sogenannten Halbesdorfer Hof gemährt und diesem bei einem aufzuführenden Neubau bis späts Abends geholfen, wonach, wie auf dem Lande gewöhnlich, den Arbeitern ein Essen gegeben wird. Nach demselben nahm Hofmeister seine Senfe', um nach Hause zu gehen; bei dem Pferch des ohnweitHalbersvorf weidenden Schäfers Allmeroth angelangt, wurde rc. Hofmeister von demselben angegriffen und mit Schlägen der- Qeßalt mißhandelt, daß er in Folge dessen in derselben