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Verschwörung die Entdeckung eines orleanistischen Com- plotts, in Folge welcher Entdeckung gestern und heute mehrfache Verhaftungen, z. B. in der Rue d'Amsterdam verkamen. Die Protestanten hierselbst haben unter dem Vorsitze Delcssert's eine Gesellschaft zur Einführung einer christlichen Sonntagsfeier gestiftet. Am 27. sind, officiellen Angaben zufolge, neunundvierzig Cholerakranke in die Hospitäler von Paris ausgenommen worden.

Kopenhagen. Nach Dänischen Blättern belauft sich-die Zahl der Mormonen in Dänemark gegenwär­tig auf 1500, in Schweden aus 171, in Norwegen auf 186. Sogar nach Island hat sich der MormoniSmus verbreitet und auf den isolirten Westmann- Inseln giebt es eine aus 7 Personen bestehende Mormonengemeinve. Im letzten halben Jahre waren in Dänemark 500 Per­sonen zur Mormonensecte übergelreten, dagegen 384 nach dem großen Salzsee ausgewanvert.

Spanien. EinePrivat-Depescheaus Madrid vom 30. Juni enthält was folgt: »Am 27. insurgirte sich eine ziemlich bedeutende Truppenmasse, aus Cavalle- rie von der -Garnison der Hauptstadt bestehend, unter dem Ruf: Es lebe die Königin! Tod den Ministern! Die Generale Duke, O'Donnel und Merino stellten sich an die Spitze der Bewegung nebst dem Brigadier Schagne, der den Insurgenten folgte.' Die Bevölkerung nahm keinen Antheil an dem Aufstand. Die Insurgenten ver­ließen Madrid und schlugen den Weg nach Saragossa ein. Tags darauf kehrten die Königin und die Minister nach Madrid zurück und empfingen auf ihrer Fahrt Acela- mationen. Die Madrider Ztg. hat ein Decret veröffent­licht, das den General Duke seiner Titel und Würden entsetzt, und ein zweites, das den Belagerungszustand erklärt und eine Militair-Commission ernennt. Eine Truppen-Colonne verläßt die Hauptstadt, um die Rebellen zu delogiren, die bei Alcala Stellung genommen haben. Die treugebliebenen Truppen zeigen den lebhaftesten En­thusiasmus. Die Nachrichten aus den Provinzen sind gut und der Sieg der Regierung gesichert."

Türkei. Wir haben eine Menge von Briefen aus Konstantinopel gelesen, welche Schilderungen von den Schwierigkeiten enthalten, womit die Division des Prinzen Napoleon auf ihrem Marsche von Gallipoli nach Konstantinopel zu kämpfen hatte. Ein Offizier schreibt, daß bloß von seinem Bataillon 159 Mann im Spital von Rovosto bleiben mußten. Von Wegen keine Spur, sie mußten erst von den Pionieren gebahnt werden. Da­bei unerträgliche Hitze und Mangel an Lebensmitteln. Hieraus kann man aus die Strapazen zber zweiten Di­vision und der Cavallerie schließen, welche durch die Gebirge nach Adrianopel marschiren soll. Daß eine Truppenschau über die Division stattgefunden, ist schon berichtet, aber wir wissen nicht, ob der öultan diesmal pünktlicher war.' Die Engländer hatte er drei Stunden auf sich warten lassen. In einem Privatschreibcu wird erzählt, wie veröSultan vor Kurzem abermals von einem fanatischen Türken insultirt wurde. Er gab zur Feier

der Mitte des Ramazan eine Audienz im alten Serail. Plötzlich drang ein alter Türke durch die Menge und rief dem Sultan zu:Sohn des Gyiaur! Du hast die Hunde von Ungläubigen in das Reich des Islam geru­fen, Du bist nur ein Ghiaur wie Dein Vater! Der Prophet verfluche Dich!" Aehnliche Artigkeiten erfährt der Padischah jetzt öfter.1

Vom russisch-türkischen «Kriegsschauplatz. Rekapitulation.

I.

Gegen Ende des ersten Halbjahres ist offenbar die orientalische Confusion bei einem entscheidenden Wende­punkte angelängt. Entweder der Europäische Krieg be­ginnt, oder das Russisch-Türkisch-Englisch-Französische Zerwürfniß wird auf den engsten Raum beschränkt. Da­her ifts hoffentlich manchem Leser willkommen, wenn wir, rückwärts auf die durchlaufene Bahn blickend, einige Hauptpunkte gleichsam als Schrittsteine hervorheben.

1) In seinem gedankenlosen Verfahren Hinsichts der heiligen Stätten ließ das türkische Ministerium dem Kai­ser Wifolaua nur die Wahl zwischen Krieg oder dem Versuch, was eine Demonstration ernster Art bewirke. Letztere fand statt, indem höchstens vierzigtausend Mann in die Donau-Fürstenthümer rückten, mit denen man kei­nen Krieg gegen die Pforte führen kann. Ausgiebige Verstärkungen langten erst hieb später an, ein deutlicher Beweis mangelnder Kampfbereitschaft, woraus wieder mit Nothwendigkeit folgt, daß der Russische Monarch den Krieg nicht gewollt. Vermuthlich hätte er auch auf dem eingeschlageucn Wege ein gütliches Ab­kommen erreicht, wenn nicht geheime Einwirkungen der fremden Diplomatie die Pforte bestimmten, das Schicksal der Waffen zu versuchen.

2) Hatte, das Petersburger Cabinet geirrt, so be­gegnete dies denen von St. James und den Tuilerien in noch stärkerem Maaße. Ihrer wohlwollenden Absicht nach solllen Preußen und Oesterreich vorzugsweise die Last und Gefahr des Kamptes übernehmen, Vortheil - hast in jeder Hinsicht, zumal weil beide Mächte dadurch erschöpft, beim endlichen Friedensschluß schwerlich das große Wort führen dürften. Diese Erwartung wurde grausam getauscht, und dadurch erklärt sich die anfäng­liche Dürftigkeit, mit ibelcher die Westmächte auftraten. Mitte Juni sollen sie endlich achtzigtausend Mann in der Türkei haben; vielleicht sind es sechszigtausend, deren Thätigkeit nach langer ErholungS - Pause nun beginnen wird. Genauer kennt man die überaus bedeutende Stärke der beiden Flotten.' Europa hat dergleichen seit Langem nicht gesehen, und desto empfindlicher muß es sein, daß ihre Thaten so weit hinter den bescheidensten Erwartun­gen zurückbleiben. In der Ostsee ein ignobjer Krieg ge­gen wehrlose Talgschiffe, unvertheidigte Theertonnen, u. s. w., im Schwarzen Meere das rühmlose Unternehmen auf Odessa! Dazu die mehr als 'zweifelhafte Aussicht, vor Sweaborg, Kronstadt oder Sebastopol frischere Lor-