Nr. 54. J Hersfeld, den 8, Juli. 1854.
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Mit lebhafter Befriedigung
begrüßen wir den jetzt kundgewordenen Entschluß der detven Deutschen Großmächte, „den Beitritt des ganzen Deutschen-Bunves" zu dem von ihnen abgeschlos- fenen Bünvniß „durch eine an den Bundestag zu' richtende Einladung zu ermöglichen", um so mehr, wenn dieser Entschluß —wie jetzt geschehen — durch den Zusatz ^läutert wird, „daß der Rückzug aller Theile vom Kriegsschauplatz mit den Wünschen und Virebnissen der beiden Deutschen Mächte ganz im Einklang ist." Nicht daß wir den Hauptnachvruck darauf-legten, daß wir auf diese Weile unsere Wünsche und Ansichten dem einstimmigen Geschrei des höheren und niederen Unverstandes zum Trotze zur Anerkennung gelangt sehen: unsere Ansichten haben hier für uns selbst nur insofern Werth, als es sich dabei um das Wohl und Wehe des Vaterlandes handelt.
Um das Wohl und Wehe des Vaterlandes aber würde es sich handeln, wenn das Verhältniß in Deutschland sich dahin umkeyren sollte, daß die Großmächte ihreDirection in der auswärtigen Politik von den kleineren Staaten erhielten; dasselbe und nichts Geringeres würde auf dem Spiele stehen, wenn es nicht gelänge, die Form zu finden, in der Deutschland als ein Ganzes in die Mitte treten kann. ~
Man hat uns selbst von befreundeter Seite getadelt, daß wir hier das Auftreten der Bamberger Confe- renz .ohne Vorbehalt gutgeheißen, doch haben wir den Tadel als einen begründeten nicht anzuerkennen vermocht. War das Auftreten der dort vereinten Staaten in der Sache selbst gerechtfertigt, warum sollten sie ihr eigenes wohlverstandenes Interesse dem Irrthum eines Andern zu Gefallen daran geben, und welche andere Form war ihnen geboten als die einer besonderen Conferenz, so lange die Deutschen Großmächte sich nicht dazu herbei- lassen wollten, die Frage vor das Organ be£ Deutschen Einheit zu bringen? Sollten die kleineren Staaten ihr Auftreten dadurch selbst illusorisch machen, daß sie sich einzeln zerbrechen ließen?
Natürlich wollen wir hiermit nicht in Abrede stellen, daß bei dieser Gelegenheit in dem Kopse einzelner Staatsmänner der'Gedanke einer Deutschen Trias wieder aufgetaucht, so wie daß damit der nächste Anknüpfungs-
puykt für . einen sei es unter Französischer, sei es unter anderweiter auswärtiger Protektion stehenden Rheinbund geboten' war: doch haben wir die von dort her für Deutschland und Preußen drohenden Gefahren nicht dadurch beseitigen zu können gemeint, dag wir anstatt der Ursache die Folge verwürfen. Wohin aber sollen die .kleineren Deutschen Staaten sich wenden, wenn sie sich innerhalb Deutschlands vergeblich nach einem Anhalt Umsehen, und die Politik der Großmächte eine undurchsichtige bleibt? Wo sollen sie die Deutsche Einheit finden, wenn man sie nur in ihrer Vereinzelung sucht? Und was die Gefahren für Preußen betrifft, — nun ja, in jedem Irrthume liegt eine Gefahr und in jeder Wahrheit ein Gewinn, wie denn auch Baiern und Sach-, sen nicht immer auf ihr jetziges Macht-Verhältniß in Deutschland und Europa beschränkt gewesen, und schwer- ■ lich, daß irgend einem Staate die Garantie zu Theil werden wird, thun zu können, was er will, und doch zu bleiben, was er ist. Das Abnehmen der Macht und des Einflusses ist die natürliche Folge jeder falschen Politik, und hier, nicht bei denen, die es besser machen, muß man den Tadel beginnen.
, Um so erfreulicher aber ist es, wenn wir heut voraussetzen dürfen, daß Preußens Politik auf dem rechten Wege war, und daß derselben nichts mangelte, als die Publicität. (N. Pr. Ztg.)
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
dem vom Erblandpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zum Postverwalter in Neustadt in Vorschlag gebrach, ten Postfunclionair August Peter Hahn aus Kassel die allir- höstlaudesherrliche Bestätigung zu ertheilen.
Eagesvegebenheiten.
1 Montabaur, 26. Auni. Der aus der Nassauischen evangelischen Landeskirche ausgeschiedene, zu den Altluihe- ranern übergetretene evangelische Kaplan Hein von hier ist wegen Herabwürdigung der evangelischen Religion von dem Ober-Appellationsgericht zu Wiesbaden zu einer vierzehntägigen AmtSgesangnißstrafe verurtheilt worden.
Paris, 29. Juni. Gestern folgte der legitimistischen