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nur auch sich noch erinnern, wem sie solche zu verdan­ken haben. Man denkt wohl noch an die glänzenden Reden in der Kammer der Abgeordneten vor 56 Jah­ren, die auf den Einwurf: was die Fruchlkästen im Falle einer Theuerung ersehen solle? gehalten wurden. Da wurde mit großer Zuversicht hervorgehoben, daß eine Theueiung bei uns absolut nicht mehr möglich sei, in Folge der Segnungen der trefflichen Communicationsmit- tel, deren Württemberg mittelst seiner Eisenbahnen un­mittelbar theilhaftig sei- Diese Communicalionsmittel sind in den letzten sechs Jahren wesentlich erweitert und verbeffert worden, dennoch aber haben wir Theuerung! Ob wohl die Redner von damals nicht errölhen, wenn sie auf ihr Werk zurückblicken uNd seine Folgen jetzt vor 2lugen sehen!

Tauberbischofsheim, 19. Juni. Der Erzbi­schof hat über den hiesigen Oberamtmastn Ruth und Bürgermeister Steinam die Ercommunication verhängt. Die deSfallsige Bulle ist vom 16. d. M. datirt und gestern in der hiesigen Stadtpfarrkirche durch den Stadtcaplan Benz verlesen. Als Grund der Ercommunication wurde bezeichnet:daß die Genannten auf Aergerniß erregende Weise Angriffe auf das Eigenthumörecht der katholischen Kirche sich erlaubt, daß sie durch thue vielen gewaltthä- tigen Handlungen gegen Priester und Gläubige unver­kennbares Aergerniß gegeben, und eine bedauerliche Er­regung der Gemüther verursacht haben.«

Schleiz, 19. Juni. Heute starb auf dem hiesigen Residenzschloß Luisenburg unser durchlauchtigster Fürst und Herr Heinrich LXII. Reuß Fürst zu Schleiz und des ganzen Stammes ältester Fürst Reuß. Der verewigte Fürst war am 31. Mai 1785 geboren.

Dessau, 19. Juni. Das Dessauer Consistorium, dem jüngsthin wieder die obere Leitung auch des Vocke- fchulwesens übertragen worden, hat ein Rundschreiben an alle Geistlichen und Schullehrer erlassen, in welchem es die Ersteren ermähnt,zurückzutreten auf den alten Felsengrunv des KirchenbekenntniffeS und sich der ihnen von Gott gegebenen Ueberordnung über die Lehrer nicht zu überheben," die Lehrer hingegen,sich verthuen gebüh­renden Unterordnung nicht zu weigern." Zugleich wird die Wiedereinführung der General-Visitationen in Aus­sicht gestellt.

Ruvolstadt, 21. Juni. Heute ist auf dem Resi- denzschloffe hierselbst Ihre Hechfürstliche Durchlaucht die Frau Fürstin Caroline von Schwarzburg eine geborene Prinzeß zu Hessen-Homburg unter allgemeiner Trauer mit Tode abgegangen.

Kiel, 21. Juni. Die neue Verfassung für Pas Hcrzoglhum Holstein unterscheidet sich nur in wenigen Punkten von dem fiühcr den Ständen vorgcleglcn Entwurf. Zu einem Paragraphen über das Recht der Regierung, ohne vorgangige Zuziehung der Stände provisorische Verfügungen erlassen zu können, ist der Schlußsatz zugc- fügt:Die Gesetzkraft solcher provisorischen Verfügungen hört aus, in so m-eit nicht rücksichtlich ihrer ein zustim- mender ständischer Beschluß Hinzutritt."

Paris, 24. Juni. Der heutigeMoniteur" ent­hält ein Kaiserliches Decret, durch welches Billault an Stelle Persigny's zum Minister des Innern ernannt wird. Ferner enthält derMoniteur« ein Schreiben an ' Herrn v. Perstgny, in welchem der Kaiser die aus Ge­sundheitsrücksichten genommene Demission, und die Weige­rung, Minister ohne Portefeuille zu verbleiben, bedauert, da hierdurch die Rathschläge eines Mannes entzogen würden, der so viele Beweise von Ergebenheit an den Tag gelegt. Persigny wird zum Großoffizier der Ehren­legion ernannt und die Hoffnung ausgesprochen, daß der spätere Gesundheitszustand dem Herrn v. Pei signy gestat­ten werde, fernere Dienste zu leisten.

Verona. Vor einiger Zeit wurde von der hiesi­gen Polizei aus Sanilälsrückslchten eine so bedeutende Quantität Maismehl in die Elsch geschüttet, daß die­ser Fluß lange in veränderter Physiognomie an uns vorrüberrauschte. Es war das eine Strafe für den durch seine Millionen nicht minder als durch seinen Geiz be­kannten Conle M., der auf überfüllten Speichern Mehl und Getreide lieber verderben, als um einige Centesimi billiger an die Armen verkaufen läßt.

Rom, 22. Juni. Der Cardinal Raffaele Fornar ist, 66 Jahre alt, plötzlich gestorben. «^--

Serbien. Der bekannte Serbische Heerführer Knitschanin ist, wie unS aus Belgrad geschrieben wird, vom Schlage getroffen worden. Man fürchtet für sein Leben; doch dürfte er jedenfalls, auch wenn die äußerste Gefahr abgewendet würde,. für den Dienst auf immer untauglich bleiben.

Konstantinopel. Einer Privatnachricht aus Konstantinope! zufolge ist der Sultan auf seinem letzten Ritt zu einer Truppenschau von dem Türkischen Pöbel wegen seiner Freundschaft für die GiaurS insul- tirt worden, und der General Aoussouf (ein Maure von Geburt) der zum Befehlshaber der B a I ch i-B o z o u ks ernannt wurde, hat seine liebe Noth um dieses fa­natische Gesinde! zu bändigen, das ihn mit Haß und Mißtrauen ansieht, weil er dem Islamismus untreu ge­worden ist,

Bom russisch-türkischen «Kriegsschauplatz.

Von der Donau- Ein Kronstädter Bericht vom 19. Juni bringt die, wenn sie sich bestä­tigen sollte, bedeutungsvolle Nachricht, daß alle bei Lespetz in der Nahe des Tömefcher Paffes an der Sie- benbürgcr Grenze ausgestellten Russischen Detachements Ordre erhalten haben, in die Rückzugslinie einzurücken und beim Eintreffen der Lipard'lchcn Truppen mit denselben den Manch fortzusetzen. Auch heute (24.) sind noch keine officiellen Nachrichten über die Vorgänge bei Silistria cingegätigen, überhaupt sind die heutigen Mittheilungen vom Kriegsschauplatz ungemein dürftig. Im Allgemeinen ist zu bemerken, daß auf allen Theilen des Kriegsschauplatzes selbst in Asien, die Russischen Truppen rückgängige Bewegungen machen, es liegt also offenbar ein combinirter Rückzugsplan vor, der