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Hcrsfeldcr Anzeiger.

Srv> s«. Hersfeld, den 24. Zum. L8S4.

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Die Red.

«Kriegs- und Friedens-Mantasieen.

ii.

Nothwendig muß das Gefühl der Erschöpfung zuerst ^ci Preußen unv Oesterreich eintreten, auf deren Schultern die hauptsächlichste Last des Krieges fal­len wird, unv der erste Anstoß zur Auflösung der unna­türlichen Coalition dürfte von ihnen ausgehen. Beide Staaten werven schmerzlichen Menschenverlust zu beklagen haben und ihre Finanzen übler als je bestellt sein. Oesterreich kann allenfalls den Vortheil erlangen, hinsichtlich der Donau-Fürstenthümer etwas gesichert zu sein, für Preußen steht durchaus nichts in Aussicht als empfindlicher «Lchaven. Frankreichs Interessen sind bei der ganzen Angelegenheit wenig berührt, desto mehr die seines dermaligen Beherrschers, welcher durch Befriedigung des kriegslustigen Heeres den neuen Thron befestigt. Sogar ein mattherziges Ende des Kampfes würde wenig ändern, denn wir sehen schon im Geiste die hochtrabenden Artikel amtlicher und inspirirter Blät­ter, wodurch das unwillkommene Ereigniß lediglich der pusillanimite einiger Verbündeten beigemessen wird. Der Menschenverlust den ersten Napoleon kümmerte er nur wenig, und bei mehreren aus Afrika gekommenen Abtheilungen kann er sogar für einen wohlthätigen Ader­laß gelten. Zwar werden die Kosten ungeheuer sein, aber die unbegrenzte Willigkeit des sogenannten gesetz­gebenden Körpers, neue Anleihen zu genehmigen, unter­liegt nicht dem mindesten Zweifel. Großbritannien erlangt, daß während der nächsten Zukunft die schweren Sorgen für Ostindien wegfallen, worüber man die zu bringenden Opfer wohl vergessen kann. Und da die Soldaten lediglich als eine Waare gelten, die man um geringeren oder höheren Preis immer erlangt, so kommt lediglich der Kostenpunkt in Betracht. Möglich, daß der­selbe Verwickelungen herbeiführt, die den ehrcnwerlhcn Gladstone zum Fall bringen, aber auch weiter nichts.

Ein vollständiger Sieg der Coalition möchte vor­zugsweise Frankreich begünstigen. Unzweifelhaft dann der mächtigste Staat des Europäischen Festlandes, wird

es wahrlich nicht versäumen, dieses Verhältniß sorgsam und nachhaltig auszubeuten. Zuerst beim Regeln der neuen Territorial-Verhällnisse, wo die Wiederherstellung Polens seinen Interessen ganz entspricht, und, noth Britischen Gabinet gleichfalls lebhaft befürwortet, sicherlich gegen den Widerspruch der zwei Deutschen Mächte durck- gesetzt wird. Unmittelbaren Vortheil zu erlangen, hin­dert freilich die bekannte Festsetzung des Allianz-Vertrags, allein eine Gestalt der Europäischen Verhältnisse, welche den Zukunftsplanen kräftig verarbeitet, ist auch nichts Geringes. Wenige Jahre nach dem Friedensschluß dürf­ten an der Seine ganz eigenthümliche Gedanken und Prätensionen auftauchen, unter ihnen höchst wahrschein­lich auch dienatürlichen Grenzen", Englands Ge­winn wird meist negativer Art, jedoch bedeutsam genug für eine Staatsweisheit sein, welche an die Sclavenkette des Jndustrialismus geschmiedet ist. Ob für Oester­reich das Erlangen größerer Freiheit nach Osten hin die Opfer des Kampfes und überdies die schweren Un- zuträglichkeiten einer von Paris aus gegängelten Polni­schen Monarchie aufwiegt, geben wir dem Ermessen des Lesers anheim. Preußen könnte den Sieg nur be­weinen. Abgesehen von der Beseitigung jener nebelhaf­ten Schrcckbilver Russischen Herrschgelüstes, deren Reali­tät wir sehr bezweifeln, würden ihm die Folgen des Kampfes lediglich zum Unheil gereichen. In seiner Er­schöpfung langer Ruhezeit bedürftig, möchte eS doch nach wenig Jahren entweder jedes selbststanvigen Entschlusses beraubt sein, oder gleichzeitig in den östlichen und west­lichen Lanvestheilen Anfälle abwehren müssen, die den Bestand der Monarchie bedrohen.

Leiden die VerbündetenSchiffbruch", so wird der Ueberrest des Britisch-Französischen Heeres balv in sichernden Stellungen, vielleicht sogar auf den Schiffen sein. Wenigstens kann man sich darauf verlassen, daß Lord Raglan einen KriegSrath versammelt, und dieser die Englischen Truppen für vorläufig zum Felddienst nicht geeignet erklärt. Russischer SetlS möchte der Abzug schwerlich sehr beunruhigt werden, weil es dann Wichti­geres zu thun giebt. Während vermuthlich mit dem ein-