Hersiel-er Anzeiger.
9tr* 49* HerSfeld, den 21. Juni. 1854«
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Kriegs- und Friedens«Mhantasleen.
i.
Sollten die Russen Silistriä in naher Zukunft erobern, so wird dieser an sich hochwichtige Umstanv ihren , Feldzug in Bulgarien doch schwerlich lebendiger machen.
Der Natur des Kriegsschauplatzes gemäß ist ohne Die Beherrschung des Schwarzen MeereS feint entscheidende Offensiv-Opcration denkbar, während ein tüchtiger Seesieg den Russen allervings die Straße nach Schumla öffnen würde. Anverer Scits zeigen sich die Verbündeten des Halbmonds dergestalt lau und flügellahm, wie sogar wir nach ihren pomphaften Worten nicht erwartet haben. Immer noch verharren Die Lairdtrup- pen in beschaulicher Ruhe. Vielleicht weil die Schwierigkeiten der Verpflegung, u. s. w. beim Marsche nach dem Kriegsschauplatz — die man indeß hätte voraussehen können — noch nicht beseitigt sinv, vielleicht weil die verhältnißmäßige Schwäche der Streitmacht Bedenken erregt. Kläglich erscheint auch die Thätigkeit zweier Flotten von solcherL-tärte, wie unserErd'theil sie kaum jemals gesehen. Jene angeblich glänzende Waffenthat- vor Odessa schrumpft bei genauer Prüfung enisetzlich zusammen, und bringt in Wahrheit dem Fähnrich Sche- golew mehr Ehre als den Admiralen Dundas und Hamelin. Dennoch haben ihre Lorheern den Admiral Napier nicht schlafen lassen; die allzufrüh geschliffenen Entermesser kamen zwar nicht in Thäiigkeiss aber das ruhmreiche Unternehmen gegen den unbefestigten und unbesetzten Hafen von Libau fand statt! — Möglicher Weise dauert die Stagnation zu Land und zu Wasser noch längere Zeit uno gewährt, da die Gegenwart nichts Nennenswerthes bringt, Muße einen Blick in die Zukunft zu werfen. Dieselbe ist hauptsächlich von der Politik bedingt und deshalb sehr verschiedener Gestaltun- gen fähig.
A. Nehmen wir an, es gelingt den westlichen Mächten nicht, Verbündete auf dem Festland zu gewinnen. Solchenfalls kann man mit großer Bestimmtheit voraussagen, daß sie am Schlüsse des Feldzugs sehr viele
Mannschaft eingebüßt und nichts den ausgesprochenen Kriegszweck Förderndes erlangt haben werden. Dann folgen die Schwierigkeiten der Unterbringung uno des Unterhaltes während der Winter-Monate; ein Britisches Corps in Bulgarischen Erdhütten würde sich nicht übel ausnehmen! Indeß gewinnt es den Anschein, daß ' man Die Englischen Truppen ausschließlich in Asien zu verwenden gedenkt, wo selbe sich in einigen für den Han- del wichtigen Städten einnisten dürften. Sie von dort wieder wegzubringen, ist nicht Sache des Russischen Heeres, sondern Sorge der Sultans. .
B. Es findet — so wollen wir nun einmal anneh- men — eine theilweise Cooperation des Festlandes statt, namentlich wenn das Cabinet von Stockholm sich verleiten läßt, Dem Trutzbündniß beizutreten. Dieser Entschluß würde zwar an das bekannte Wort Orenstjerna'S erin». nern, doch trauen wir den Schwedischen Staatsmännern so viel sapientia zu, daß sie keinen Mann eher mar. sch'ren lassen, bis eine starke Streitmacht Frankreichs die Finnische Küste erreicht, Dazu wäre das, bis heute freilich nur auf dem Papier stehende, Lager von Saint Omer brauchbar, und wenn 40-bis 50,000 Mann desselben an der Südwestküste Finnlands landen, so kann das einen ernsthaften Feldzug geben — im Sommer 1855. Denn daß diese Truppenzahl noch während der guten Monate des laufenden Jahres dort austritt, glauben wir erst, , wenn glaubwürdige Männer sie wirklich gesehen haben.
Hierher gehört der öfter erwähnte Fall, daß Oesterreich die Räumung der Donau? Fürstenthümer bewirkt, dann aber in der Moldau Halt macht, um- das Gehaben der Verbündeten recht nahe zu beobachten. Diese können dann ohne große Anstrengung erreichen, was ihrer eigenen Kraft unerreichbar: das Vorgehen bis zum Pruth. Allein da die Oesterreichische Armee Siebenbürgen gewiß nicht eher verläßt, als bis wenigstens 50,000 Engländer und Franzosen vorwärts Schumla eingetroffen sind, so erscheint käum zweifelhaft, daß alsbald nach der Ankunft am Pruth der Winter hereinbrechen werde. Ist vielleicht jetzt schon guter Rath im Britisch-Französischen Haupt- quariter theuer, so dürste er dann noch ungleich höher