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Herrscher und Reiche. In einem Augenblick, wo die allgemeine Aufmerksamkeit auf Oesterreich unv Preußen gerichtet ist, kann eS nicht fehlen, daß der persönlichen Besprechung der Monarchen und ihrer Minister eine hohe polnische Bedeutung beigelegt wird. Ohne näher belehrt zu sein, darf man doch als zuverlässig annehmen, daß der persönliche Austausch der Gedanken und der Auffas- sungsweise zwischen den eng befreundeten Souverainen die Wahrung der allgemein Europäischen unv besonders der Deutschen Interessen in dem Kriege Rußlands gegen die Türkei, die feste Luichführung des Schuß-und Trutz- bündnisses vom 20. Aplit o. 3 unter allen Eventualitä­ten unv die Regulirung des Hürdulch gegebenen unv feststehenden Verhältnisses mit den übrigen Deutschen Bunocsstaaten zum Gegenstanve halte. Geeinigt mit der ausgesprochenen Rechlsansichl Euiop/s über den gegen­wärtigen Conflict im Orient, sino Oesierreich unv Preu­ßen vorzugsweise berufen, ihr mäch.igeS Wort zur rech­ten Zeit entscheivcnv auszusprechen. Wenn die Stimme alter Freunde gerechte Beachtung findet, so ist es noch erlaubt, an eine friedliche Ausgleichung zu glauben. Je­denfalls aber wird den Unterthanen Oesterreichs und Preußens, so wie dem Deulichen Bunde in seiner Ge­sammtheit eine hohe Beruhigung dadurch gewährt, daß sie die innigen Bande der persönlichen Freundschaft, wie der politischen Allianz unter den erhabenen Herrschern der beiden Deutschen Großstaaten in allen Wechselfällen der Zukunft gesichert wissen."

Preußen. Braunsberg, 10. Juni. Heule Vormittag revollirten die hiesigen Gefangenen des Stadt- gefangnisses. Nachdem sie ihre Zellen erbrochen, suchten sie sich gewaltsam zu befreien, demolirien lheilweise daS Dach, warfen mit Ziegelsteinen aus die durch General- marsch versammelten Jäger, wovurch sich ver hiesige Magistrat veranlaßt sah, iune nicht ausreichende PolizZ- gewalt in die Hände eines Comgagnie-Chefs der hiesigen Jägerabtherlung zu geben. Weniger scharfer Schüsse bedurfte eS, um sich der Aufrührer zu bemächtigen und sie dingfest zu machen. Einer der Gefangenen sprang durch die entstandene Oeffnung des Daches und fanv bei diesem gewagten Sprunge den Tov.

Dresden. Das osficielleDresdner Journ." schreibt:Es ist von uns seiner Zeit des erfreulichen Resultats der vor Kurzem in Bamberg stattgcfunvenen Cvnfercvzen von Mmisterial-Vorständen einer Anzahl Deutscher Bunces-Regierungen durch die Bemerkung ge­dacht worden, daß die erwähnte Zusammenkunft eine vollständige Einigung zwischen sämmtlichen dabei Bethei- liuien heibKgeführt habe. Wir sind nunmehr in den Stand geseßi, diese Mittheilung dahin zu vervollständi­gen, vag die Beschlüsse, welche in Bamberg gefaßt wur­den, auch die Raiificalion sämmtlicher belheiliglen Re­gierungen erlangt haben. In Folge dessen ist als Er- wiercrung auf die von den Regierungen Oesterreichs und Preußens an die übrigen Deutschen Bundes-Regierungen ergangene Einladung zum Beitritte zu dem von Vcn erst­

genannten beiden Staaten abgeschlossenen Schutz- und Trutzbündnisse eine zu Bamberg vereinbarte, auch in ihrer Fassung allseits genehmigte, gleichlautende Note der Regierungen von Balern, Sachsen, Hannover, Wür- Icmberg, Baden, Kurfürstenchum Hessen, Großherzvgihum Hessen und Nassau schon seit mehreren Tagen abgegangen."

Echternach, 7. 3unu Die Procession vcS hl. Willibrodus, die so einzig in ihrer Art dastehl, wurde auch in diesem Jahre mit großer Feierlichkeit unv unter Zuströmen einer außerordentlichen Menschenmasse gehalten. Man schätzt vie Zahl der Springenden auf 8000; minve- stens eben so viele mochten teilt Zuge folgen. (Die Procession geschieht bekanntlich in der eigenthümlichen Weise, daß man nur springt, statt zu gehen, unv zwar immer zwei Schrille vorwärts und^ dann wieder einen zurück rc.)

Ruvolstadt, 12. Juni. In vergangener Nacht ist Ihre Hochfürstliche Durchlaucht, die regierende Frau Fürstin Amalie Auguste von Schwarzbuig-Ruoolstadt, nach einer Krankheit von wenigen Tagen ganz unerwartet mit Tode abgegangen.

P ariö, 11. Juni. Man spricht seit gestern viel von den Berichten des Marschalls Saint Arnauv, und ich habe Gelegenheit gehabt, aus denselben Einiges zu erfahren, was' ich verbürgen möchle. Die Haupt- nachricht ist, Laß der Marschall cs für unmöglich hält, mit den bis jetzt vorhandenen Türkischen, Französischen unv Englischen Streitkräften die Russen anzugreifen, er verlangt" demnach dringend noch ein ganzes Corps von wenigstenö zwei Divisionen zur Unterstützung. Von Si- listna kein Wort es scheint aufgegeben;, über den Prinzen 'Napoleon bittere Klagen, und ganz laut der Wunsch, derselbe möge abberufen werden. Ueber die Engländer nicht wenig, aber über die Türken die aller- gröpeste Unzufriecenheil. Das klingt allerdings ziemlich anders, als der Jubel der Zeitungsberichte. . ,

London. Dr. Wolfs, früher Judenmissionär (auS Bapreuth gebürtig und zur Zeit anglikanischer Pfarrer, bekannt durch seine zweimalige Reise nach BocharaD hält jetzt in Ereter-Hall Vorlesungen über die Zustände im Orient. Am 6. Juni besprach er die Einflüsse des Christenthums auf die Civilisation des Morgenlandes. Auch die Gliechische Kirche, sagt er, steht hoch über dem Islam. Unter den Tonischen Ko­saken gebe es vorlrcffnche Christen, und die Deutschen Protestanten in Tiflio würden von der Russischen Regie­rung in jeder Weile unterstützt u. s. w.

Aus der Ostsee. Der Englische Admiral Napicr liegt seit dem 4. Juni vor Sweaborg in einer Entfernung von dritiehalb teilen. Die Untersuchung des Fahrwassers zwischen den zahllosen kleinen Felsen­inseln verzögerte bis jetzt das weitere Verrücken seines dort stalionirten Geschwaders, dessen Bestand auf 9 Li­nienschiffe angegeben wird, unterstützt durch mehrere Dampf-Fregatten, welche in größerer und geringerer Ent­fernung von der Hafeneinfahrt Sweaborgs kreuzen. Die