Hersfeldcr Anzeiger.
Nr. 48. Hersfeld/ den 17 Juni. 1854*
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Es wäre ein Meisterstück
der westlichen Politik, es wäre ein folgenreicher Sieg der Revolution, wenn es ihren vereinten Bestrebungen gelänge, Oesterreich aus den Kriegspfad gegen Rußland zu drängen, Oesterreich, dessen gegenwärtige Machtstellung allein die Politik Rußlands genügend verbürgte. Ein Meisterstück der Politik: Oesterreich Hand in Hand mit demselben England, das seit Jahrzehnten nicht müde geworden, aller Orten das Feuer zu schären, um die Kronen Oesterreichs in Englische Münzen umzuschmelzen, das den Piemontesischen Krieg angefacht und unter der Hand den Aufruhr in Ungarn, in der Lombardei und in ganz Italien aus Hoffnung begünstigt, unbekümmert darum, ob der Untergang des Oesterreichischen Kaiser- staates das heute so zärtlich gepflegte »Gleichgewicht Eu- ropa's" erschüttern würde; mit demselben England, das nach Bewältigung Rußlands augenblicklich ohne Nebenbuhler die Flüchtlingsfrage aus eine überraschende Weise lösen und Oesterreich den Beweis führen dürste, daß es sehr schnell gelernt, undankbar zu sein. Oesterreich Hand in Hand mit demselben Frankreich, das seit Jahrhunderten der Erbfeind des Deutschen Reiches und des Habs- burgischen Hauses, das seit Jahrhunderten in Deutschland wie in Italien das Wachsthum der Oesterreichischen -Nacht mit allen Mitteln bekämpft, das nicht aufgehört, mit Oesterreich um den Papst wie um die Kaiserkrone zu ringen, und das auch heute noch nicht davon zurück- gekommen, die Haustruppen des »Königs von Rom" in
«^Bereitschaft zu halten. Oesterreich Hand in Hand mit der Revolution, milden »berühmten Kriegern", die es daheim im Bilde an den Galgen geheftet, mit den Staatsmännern, die es hier geächtet und dort ver- vannt, mit den Vaterlandsfreunden, die es mit Stock uno Eisen belohnt, mit dem revolutionärem Auswurf Europa s, der damals kaum die Zeit erwarten konnte, den Kalserthron in Wien durch das aufständische Helden- volk zertrümmert zu sehen, und der durch Nichts als dMheit abgehalten wurde, sich selbst bei der gründlichsten Beseitigung der Dynastie Habsburg-Lothrin
gen zu betheiligen, gefeiert und besungen nicht allein von dem „gesattelten Esel" des liberalen Philisters sondern noch lauter und begeisterter von dem Theile der Deutschen Presse, der seiner Zeit den Mord des Grasen Latour mit Dithyramben verherrlichte und dieErccution des Rebellen Robert Blum als Hochverrath am Deutschen Bolke und als einen schwarzen Tag der Nation proelamirte. Und mit solchen Freunden sollte Oesterreich das bleiben können, was es war?
Doch nicht allein ein Meisterstück, auch ein folgenreicher Sieg, ein sieg, dessen Bedeutung nur diejenigen in seinem ganzen Umfange würdigen werden, deren Gedanken und Erwägungen tief genug gehen, um zu wissen, daß ein feindseliges Auftreten Oesterreichs in diesem Momente und in dieser Allianz von Rußland niemals verziehen werden könnte, und daß ein feindliches Oesterreich der Todfeind Rußlands sein und bleiben müßte. Dank der Weisheit der Deutschen Cabinete, befinden wir uns jedoch in der Lage, jene Eventualität als reine Hypothese behandeln zu können. Noch hat Oesterreich nur Forderungen ausgestellt, nicht aber Stellung genommen, und wir zweifeln nicht, daß die Stellung Preußens und das Einverständniß der Deutschen Großmächte dahin führen wird, Oesterreich die Erfüllung seiner berechtigten Forderungen auf dem rechten Wege suchen und finden zu lassen. (N. Pr. Ztg.)
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Polizcicommissar Gleim zu Fulda in gleicher Eigen- schaft zur Polizei-Direktion in Lasset zu versetzen.
EageSvegevenheiten.
Wien. — Die „Oesterreichische Correspondenz" enthält folgenden Artikel: „Die Zusammenkunft Sr. Mai. des Kaisers von Oesterreich mit Sr. Maj. dem Könige von Preußen zu Telschen ist ein augenfälliger Beweis für die Innigkeit der Freundschaft und der Allianz beider