Hersfelder Anzeiger.
Np. 47. Heröfeld, den 14. Juni. 1854.
SS" Die Bestellungen auf den „Hersfelder Anzeiger" für das mit dem 1. Juli beginnende dritte Quartal können jetzt schon bei allen Poststellen gemacht werden. — Neu hinzutretende Abonnenten erhalten die Nummern des laufenden Monats vom Tage der Bestellung an umsonst.
WM° Beiträge «n- Mittheilungen, welche -er Ten-enz unseres Blattes ent' sprechen, wer-en mit Dank angenommen. Die Red
«SSgSLLUBW'J^ ■——--ELL1!!1^--?" ■»■■■■■■ff^ ■.■'■«■■""."■■■■M^ . !!!■■■ 1 1 ■.■ja.J.V. f.JJJLB*
Die Stellung -er Europäischen Türkei
wurde ernstlich gefährdet, als Frankreich seine Forderungen durchrührte unv so den Brano der Vernichtung in das unglückliche Reich schleuderte, das sich sei leiten ließ, seine Verträge mit Rußland zu vergessen unv zu verletzen. Oesterreichs Senvung wegen Montenegro zeigte die Türkei in ihren Grunevcsten erschüttert.
Als der Kaiser von Rußland seine Forverungen erhob und erheben mußte, wollte er nicht den Griechischen Christen die mit schweren Opfern errungenen Rechte unv Rußland seinen Einfluß vergeben, da erkannte der Kaiser, daß der Moment gekommen sei, in dem die Herrschaft der Osmanli in Europa aufhören werde. Denn der Satz, auf welchen die Theorie die Möglichkeit der Erhaltung der Europäischen Türkei stützte:'„Im Fall eines Angriffs auf die Türkei gewährt derselben hauptsächlich Oesterreich Schutz und Hülfe gegen Rußland", war damals vernichtet. Die Behandlung der Flüchtlingsfrage und der Widerstand, den die Türkei Oesterreichs'Forderungen in Bezug auf Montenegro entgegenstellte, hatte die Bande der Freundschaft zerrissen und bedingte die Abneigung Oesterreichs, während der Kaiser von Rußland durch seine Beihülse in Ungarn die Abneigung Oesterreichs beseitigte und durch sein späteres Verfahren das Herz des Kailers gewann.
Um möglichst die Krise zu mindern, welche der Sturz der Europäischen Türkei herbeiführen mußte, trat der Kaiser von Rußland in Unterhandlungen mit Eng- land über die Neugestaltung, nicht, wie man hämisch behauptete, hinter dem Rücken von Oesterreich und Preußen, sondern rnvem er beißen von den schwebenden Verhandlungen _ und wohl nicht blos das — Kenntniß gab, wie spater überzeugend erwiesen wurde.
Ist aber der Untergang jenes Reiches unvermeidlich, und zetzt erkennen die Nothwendigkeit bereits die mitlel- maßigen Kopse, dann bedarf die Frage der Neugestaltung der Losung, und man darf sich der Erörterung derselben nicht entziehen.
Durch eine Verständigung zwischen England, Rußland, Oesterreich und Preußen ist eine befriedigende Lösung herbeizuführen, ebenso wie durch eine Verständigung zwischen Frankreich, Rußland, Oesterreich und Preußen.
Stets aber wird jede vernünftige Combination England oder Frankreich ausschließen, ' weil die Interessen dieser besten Reiche im Mittel-Meere und im Oriente Collisionen herbeiführen müssen, welche die Neugestaltung, wenn nicht unmöglich machen, doch sicher äußerst erschweren.
Jnvem man von den Verhandlungen zunächst Frankreich ausschloß, würdigte man richtig einen Grundsatz, auf dem die Sicherheit und der Friede der civilisirten Staaten beruht, ven, daß man stets möglichst verhinvern müsse, daß ein Staat Vortheil aus einer Verwickelung ziehe, welche er selbst herbeigeführt hat.
Besäßen Englands jetzige Staatsmänner die Fähigkeiten und die Bedeutung ihrer Vorgänger, dann würden sie nicht verkannt und nicht in Abrede gestellt haben, daß der Untergang der Türkei nahe sei, — unv würden gewiß vermieden haben, durch das indiskrete Vorlegen ver geheimen Verhandlungen in Bezug auf die Neugestaltung der Türkei auf lange Zeit hinaus, und sicher für die Dauer ver gegenwärtigen Krise, die Unmöglichkeit zu schaffen, zu wichtigen vertraulichen Verhandlungen überhaupt zugezogen zu werden.
Dem ruhigen Beobachter kann es nickt entgehen, daß Frankreichs Kaiser Englands Fehler zu meiden und zu nutzen versteht, und daß die Möglichkeit einer Verständigung mit Frankreich Boden gewinnt. *t
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
dem Obergerichts-Asseffor Carl v. Specht bei dem Oberge« richte zu Caffel zugleich die Nebenstelle eines Ober-AuditeurS bei dem Gencral-Auditorate zu übertragen,
zu der vom Erblandpostmeister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis beantragten Ruhestands-Versetzung des Postverwalters Scheffer zu Felsberg die allerhöchstlandeöherrliche Genehmigung zu ertheilen,