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wenn dasselbe nicht durch die Thatsache alle Bedeutung verloren hätte, daß es sich in dem gegenwärtigen Kriege gar nicht mehr um die Frage handelt, auf welcher Seite in dem Streite zwischen Rußland und der Pforte das Recht oder das Unrecht sei, sondern darum, das angebliche Uebergewicht zu brechen, welches Rußland in Europa besitzen soll. Aber dieser Punkt ist wichtig genug, um eine besondere Erörterung zu verdienen.
(Neue Pr. Ztg.)
Lagesvegedenheiten.
Hannover. Der Magistrat hat sich entschlossen, 5000 Thir. für die Wiederbewaffnung der Bürger- wehr zu verwenden. Wohl ihm, ihr und ihnen.
Freiburg, 30. Mai. Die gegen den Erzbischof eingeleitete gerichtliche Untersuchung ist uunmehr geschlossen und wurde heute deshalb der persönliche Verhaft desselben wieder aufgehoben. Die Untersuchungsakten liegen bei großherzoglichem Hofgerichte hier vor und steht das Urtheil dort zu erwarten.
FürstentHum Lippe. —Durch den am 10. Mai erfolgten Tod des Pastors Wolff zu Pyrmont hat auch unser Lippesches Land einen herben Verlust erlitten. Vielen Hunderten, besonders unserer Landleute, die jährlich zu den dortigen Heilquellen ziehen, hat er das Wort deS Lebens zum Leben gepredigt. Das von ihm gestiftete Krankenhaus, in dessen Dienst er seine Todeskrank- heit, ein bösartiges Nervenficber, durch Ansteckung zuge- zogen, erfreut sich deshalb auch aus hiesigem Lande reichlicher Beiträge, und sein Andenken wird bei vielen Lip- pern in Segen sortleben.
Frankfurt a. M, 30. Mai. Der Senat hat, aus Bericht des evangelisch-lutherischen Consistoriums, den auf Widerruf gefaßten Raihsbeschluß vom 30. März 1847, „daß die unter dem Namen Deutsch-Katholiken dahier bestehende Religions-Gesellschaft den von ihr zu ihrem Prediger erwählten Friedrich Wilhelm Flos aus Taugermünde in dieser Eigenschaft verwende," unterm 23. Mai i. I. wieder aufgehoben. DasPres- bytcrium der deutsch-katholischen Gemeinde hat deshalb vorgestern den Gottesdienst auSgefetzt, will aber für Abhaltung desselben am Pfingstfeste'Vorsorge treffen. Flos soll t innen 14 Tagen die Stadt verlassen.
Brüssel, 27. Mai. Heule fand die feierliche Grundsteinlegung zu der Kirche in Lacken statt, welche aus den Beiträgen des ganzen Landes zum Gedächtniß der Königin Louise Marie (geborenen Prinzessin von Orleans, Tochter Louis Philippe's, Königs der Franzosen) errichtet werden wird. Die Kirche soll zugleich die Gruft für die Königliche Familie enthalten. Bei der Feierlichkeit hielten der Cardinal-Erzbisckof, der Justizminister und der Bürgermeister Reben an den König, der mit dem Hofe zugegen war.
Schweiz.— Der kürzlich übergetretene Canonikus
Doro ist an der im vergangenen Herbste gestifteten Italienisch-evangelischen Fremden-Gemeinde in Genf, zunächst aus 25 Hausvätern bestehend, Prediger geworden. Doro ist der vierte evangelisch gewordene Römische Priester, welcher seit 3 Jahren in Genf das Evangelium verkündigt. Die drei Andern sind: de Sanctis, Verona und Maragni.
Schweb em. — Nach Berichten Englischer Blätter grassirt in verschiedenen Gegenden Norwegens der Aussatz — die Legra, eine Asiatische Krankheit, welche seit dem Mütelaiter Europa nicht mehr berührt hat.
Trieft. — Der fällige Dampfer aus Konstan- tinopel ist eingetroffen und bringt Nachrichten bis zum 22. Mai. Nach den der Triester'Zeitung zugegangenen Berichten verlangte man von der Pforte für den Marsch der Hülfstruppen nach Gallipoli 30,000 Packpferde und 4000 Gespanne Ochsen.
— Ueber Wien wird Folgendes berichtet: Hier eingegangenen Nachrichten zufolge soll der Hafen von Kaffa (Feovosia) an der Ostscite der Krim von der Anglo- Französischen Flotte bombardirt worden und zwei Russische Kriegsschiffe dabei in Die Luft gesprengt sein.
Athen.— Der König Otto von Griechenland hat das Ultimatum angenommen und versprach die Wiedereinsetzung des Ministeriums Mavrocordato, wenn man der Occupation entsagen wollte, widrigenfalls er entschlossen sei, die Regierung ins Innere des Landes zu verlegen und dort seine Truppe» zusammenzuziehen.
— Nach den Berichten der Triester Zeitung aus Athen haben sich 8000 Franzosen im Piräus ausgcschiffl.
Amtliche- Bekanntmachungen.
Der Gottlieb Fabee dahier wird hierdurch als Gewohnheits - Söffer erklärt und dieser Beschluß unter Hinweisung auf die diesseitige allgemeine Anordnung vom 4. April v. I. in Nr. 28 des Hersfelder Anzeigers mit der Auflage an sämmtliche Ortövorstänve im Kreise vcörffenllichi:
1) denselben in ihren Gemeinden auf die übliche Weise weiter bekannt zu machen, namentlich aber den Wirthen einzuichärfen;
2) wegen strenger Ueberwachung des Verbots der Verabreichung von spirituösen Getränken an den gedachten Gewöhnheits-Söffer daS Nöthige zu verfügen und Uebertretüngen dahier anzuzei- gen, auch
3) eine Abschrift dieser Verfügung in allen Wirthshäusern anzuschlagen. *)
Verfügt HerSfelb, am 1. Juni 1854.
Kurfürst!. Lanvrathsamt. Muffarlb.
*) Gedruckte Exemplare, das Stück 4 Hllr., sind in der Expedition d. Bl. zu haben.