Hers selber Anzeiger.
Nr. 43. Hersfeld, den 31. Mai. 1854.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Major Kirsten von der Stelle eines Etappen-Kom- mandanten zu Oldendorf zu entbinden,
dem Lcgationsra'.he von Wintzing erode zu Schmalkal- ' den die nachgesuchte Dienstentlassung zu bewilligen,
dem außerordentlichen Pfarrer und Rektor der Stadtschule zu Wolshagen Werner Zülch die erledigte Pfarrei Martin» Hagen, in der Klasse Zicrenberg zu übertragen,
den Polizei-Commissar Schnabel von Cassel in gleicher Eigenschaft nach Marburg zu versetzen,
den Sekretär der stailfttschen Commission, Nechnungsrath d u Fai s zu Cassel, sowie
den AmtsphvsikuS Wetter zu Friedewald auf Nachsuchen, in den Ruhestand zu versetzen;
den Kanzlipen Georg Carl Reißing beim Qber-Hofmar- schallamtc zum Kanzlisten bei der Direktion der Haupl-Staalrkasse, den Wachtmeister Johann Heinrich Meister vom 2. Husa- reN'Regimente, und
den Feldwebel Joseph Hummel vom 2. Jnfanterie-Regimente zu Eisenbahn-Expeditions-Gchülfen zu Cassel, und
den Feldwebel Ludwig Croll vom Jäger-Bataillon zum Eisenbahn-Eipeditions-Gehülsen zu Marburg, die drei Letzteren aus Widerruf zu ernennen,
Rußland und Europa.
(Aus der „Neuen Preußischen Zeitung".)
III.
Warum Oesterreich, einmal in kriegerischer Ber wegung, Halt machen sollte, wenn Die D v nau-Für- stenthümer von Den Russen geräumt fino? — Diese Frage wird wegen unseres letzten Artikels an uns gerichtet. Unserer Ueberzeugung nach fino Die Gründe dafür so wohlfeil wie Brombeeren; sie mögen dennoch hier fol- ^n,_n’cl^ ^^ Besprechen Der Angelegenheit Dienen kann, die LitUation im Allgemeinen recht vielseitig zu beleuchten.
Oesterreich hat unverkennbar ein großes Interesse an der Räumung Der Für st enlhümer und hat sich nächstvem verpflichtet, darauf hinzuwirken. Dagegen besteht kein Bündniß zwischen ihm und Den Westmächten oder der Pforte, welches darüber hinausgehende Verpflichtungen auflegt. Vielmehr Widerstreite! eS seinen sämmtlichen Interessen, sich auf den unabsehbaren National- krieg — ein wahrhaft uferloses Meer — einzulassen,
welcher entbrennen würde, wenn mit dem Ueberschreiten der Russischen Grenze die Invasion beginnt.
Erstens ist dabei wenig oder nichts zu gewinnen, nicht einmal eine Schwächung Rußlands, die im richtigen Verhältnisse ju Den diesseits gebrachten Opfern stände. Zweitens macht Die finanzielle Lage des Staates sehr ernste Erwägungen rathsam, wenn von einem Unternehmen die Rede, welches voraussichtlich ungeheure Summen erfordern muß. Wer bereits Die Grenze der möglichen Emission von Papiergeld erreicht hat und heute ein fünfprocentiges Silberanlehen geringeren B-trages kaum zu 75 abschließen kann, dessen Aussichten sind bei länger dauerndem Kampfe wahrlich nicht neibenswerth. Als im Sommer 184« Gras Lalour sehr große Verstärkungen des Heeres forderte und der wegen des Kostenpunktes befragte Finanzminister zur Antwort gab: für Die Rettung der Monarchie Dürfe es keine pecuniären Schwierigkeiten geben, da waren das Worte, die sich ziemen; würde Die Antwort unter den Dermalsten Verhältnissen eben so lauten können?--
Drittens bildet die verwendbare Streit kraft — deren Gewicht und Tüchtigkeit wir ihrem vollen Werthe nach würdigen — einen höchst erwägenswertsten Gegenstand. Dreißigtausend Mann wie im Jahre 1812 dürfen nicht in Rußland einrücken, und wenn man einmal dazu (das heißt zu etwas mehr als einer ernsten Demonstration) entschlossen ist, wird so ziemlich das Achtfache dieser Zahl erforderlich sein. Denn auf ausgiebige unmittelbare Unterstützung der Westmächte bei dem entscheidenden Unternehmen zu rechnen, wäre ein Irrthum, dessen das Wiener Cabinet gewiß nicht fähig ist. Angenommen, daß wirklich sechszigtauscnv rühm- unv rhum- durflige Kreuzfahrer christlichen Glaubens in der Dardanellen- Straße und dem Bosporus gelandet sind, wie viele werden wohl das Ufer des Pruth erreichen? Krankheiten, durch Klima u. s. w. erzeugt, sowie die Nothwendigkeit, mehrere Depotpunfte gegen Freund und Feind, den Sultan selbst gegen seine getreuen Unterthanen zu schützen, dürften allenfalls die 'Hälfte jener Zahl an der Grenze Bestarabiens erscheinen lassen, wenn sie überhaupt dahin sammt. Aster mit PosaunenschaU angekündigte Nachschub aus Frankreich muß auf jenem Kriegsschauplatz erst eintreffen, und nach den bisherigen Erfahrungen wird dieses nur kurz vor Eintritt der un-