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Grenze, vielleicht um zu imponiren, vielleicht auch um beim Eintreten jener Eventualität das Unvermeidliche mit Anstand und Ruhe thun zu können. Sieben die Russen aber erst hinter Dem Pruth, so hat Oesterreich Alles geleistet, wozu es verpflichtet war, und erreicht, was dem eignen Interesse entspricht. Seine Aufgabe kann für vollständig gelöst gelten, unv ohne Verwickelungen besonverer Art lürfle Der frühere contemplative Zustand wieder eintreten. Wenigstens giebt eS keinen stichhaltigen Grund, weshalb das Cabinet Opfer an Menschen und Geld bringen sollte, um die hochfligenden wie eigensüchtigen Plane der Westmächte realtsiren zu helfen. Bestehen sie" hartnäckig auf denselben, so ist's ihre Lacke, zu versuchen, quid valeant humeri, quid ferre recu- sent. *) ZebenfallS können die dabei Unbeteiligten ruhig abwarien, bis zu welchem Grade sich Russen, Franzolen, Engländer und Türken zerfleischen.
Allein wir glauben, daß die christlichen Kreuzfahrer nicht allzu spröde sein werden, weil sie begreifen, daß nunmehr Die Last des Krieges erst mit voller Wucht drücken müsse. Den christlichen Verehrern des Halbmondes zu gründlichem Aergerniß, den Türken selbst zum größten Schaden, — den konnte man ihnen freilich vom ersten Augenblicke an mit einiger Zuversicht vorhersagen.
*) — zu versuchen, war sie können und was sie nicht können.
Lagesvegebenheiten.
Wien, 18. Mai. Man schreibt der Spener'schen Zrg.: Die neue Aushebung von 95,1)00 Mann andici- pirl die jährliche Rekruiirung, die hier jedesmal im Beginne des Früjahreö stattsinret, nur beiläufig um zehn Monate; sie beträgt nicht mehr als | pEl. der Gesammt- Bevölkerung.
Berlin. Am 18. d. Mts. (Donnerstag) ist der Staats-Minister a. D. Präsident der Regierung zu Arnsberg, Ernst Freiherr v- Bodelschwingh-Velmede, entschlafen.
— Die nächste Conferenz von Abgeordneten Deutscher evangelischer Kirchcnregierungen wird nicht, wie ursprünglich beabsichtigt war, in diesem Jahre, sondern erst im Jahre 1855, und zwar wiederum in Eisenach, stattsinden. Der Eintrag aus Vertagung ist von tem Preußischen Ober-Kirchenrathe ausgegangen, und die Mehrzahl der verbündeten Kirchenbehörden hat demselben beizustimmen sich bewogen gefunden. Zu den Motiven, welche diesen Beilritt bedingt haben, gehört nach der „P. C." namentlich auch die Rücksicht auf die mannichfach bewegten politischen Verhältnisse der Gegenwart. Von allen Seiten aber, von der antragstellenven vaterländischen Behörde wie von den übrigen Kirchen- regicrungen, ist der entschiedene Wille ausgesprochen worden, die geschlossene Verbindung und das Institut der Conferenzen aufrecht zu erhalten und zu pflegen, ein
Entschluß, den alle Freunde der evangelischen Kirche gern vernehmen werden. — Das im Aufträge der evangelischen Kirchen-Conserenz ausgearbettete „Kirchen- Gesangbuch in 150 Kernliedern" befindet sich unter der Presse und wird in kurzer Frist erscheinen.
Turin, 15. Mai. (Der Mazzinistenputsch in SarzanaZ Wie ich zu meiner Ueberralcbung hone, hat vor ein paar Tagen eine Landung bewaffneter Personen bei Sarzana, nahe Der Toscanischen Grenze stattgefunten. Die wenigen Bersaglieri, welche die B faßung von Sarzana bilven, verhafleten ungefähr ein Dutzend dieser Leute und nahmen eine Anzahl Kisten weg, die Waffen enthielten. Die Polizei hatte einen solchen Putsch im Voraus y geargwöhnt und war mithin auf ihrer Hut. Der nähere Hergang ist bis jetzt nur sehr unvollkommen besannt. Es scheint jevoch. daß die erwähnte Bande aus Mazzi- nisten bestanv und die Absicht halle, über die Grenze zu gehen, um in Mittel-Italien cie eine unv umbeilbare Republik zu proclamilen. Die Regierung hat in Eile einige Soldaten zur Verftäikung nach Sarzana geschickt und ist zur Verhaftung mehrerer Resugiös geschritten^ welche Der eraltirtesten Richtung angehören.
Genua, 13. Mai. In Genua trafen die aus den Zeiten der Römischen RepubUck wohlbekannten Hrn. N. Tommaseo und A- Manzoni ein; zu welchen Zwecken ist unbekannt.
Konstan tinopel, 8. Mai- „SUmbulda janghin war!“ (in Slambul ist Feuer) tönte am 5. AbendS 11 Uhr Der Türkische Wächterruf in den engen Gassen, von den Thürmen und Minarets. In Der Ferne ervröhn« ten vom Thurme von Bujukvere die üblichen Kanonen- siguale und schon leuchtete der Dem goloenen Horn'zuge- kehrte Sladttheil von Pera 'unv Galata im grellen Widerschein Deß Feuers und prägte seine weißen Minarets und Gebänve in scharfen Umrissen auf dem dunkeln Hintergründe des umzogenen Himmels ab. Das Feuer wüthete in den dicht gedrängten meist hölzernen Häusern und Baracken Slambulö, zwischen tem Seraskirat und der am Büßgänge der oberen Schiffsbrücke gelegenen Moschee, alsbald mit reißender Schnelligkeit unv währte bis gegen Morgen. An 400 Häuser und Baracken sind ntebergcbrannt, Darunter vorzugsweise viele Waarenlager Fränkischer Kaufleute. Der Schaden dürfte deshalb sehr groß fein. Nächst dem Fatalismus der Türken und der wahrhaft unverantwortlichen Weise mit der Jeder mit dem Feuer umgeht — so sieht man Hunderte von Feueröfen offen auf Der Straße stehen, auf denen gekocht und Handwerkögegenstände zubereitet werden — dürfte in dem Umstand, daß Die Löschmannschaft eine Innung ist, die ihre Hülfe auf Der Brandstätte an den Meistbietenden verdingt, das größte Uebel liegen. So entzieht nicht selten ein Reicher oder hoher Würdenträger, um fein Eigenthum zeitig zu schützen, dem ärmeren und bereits in höchster Gefahr Schwebenden in tem Augenblick die Hülfe, wo er sie am nöthigsten hat. Es ist daher nichts Seltenes, daß bei Feuersbrünsten von den Gefährdeten