Hersfelder Anzeiger.
Nr. 42.
Hersfeld, den 27. Mai.
1854. ..
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet: \
den Rentcreigehülfen Gustav Schirm er zu Stift Kaufun« gen provisorisch zum Kanzlisten bei dem Oberhosmarschallamte zu ernennen.
Rußland und Europa.
(Aus der „Neuen Preußischen Zeitung".)
II.
Zwischen den zwei Deutschen und den Westmächten, besteh! hinsichtlich Der orientalischen Frage ein Unterschied, welchen Die Türkenfreunde gern unerwähnt bei Seite liegen lassen. Mittelst des neuesten Wiener Protokolls haben alle vier Regierungen sich geeinigt, dahin zu wirken, daß der Bestand des Türkischen Reiches unverletzt bleibe und die Donau-Fürstenthümer von den Russen geräumt werden. Später schlössen Gioß- britannien und Frankreich ihr Schutz- und Trutzbünoniß, worin die viel weiter greifende Avsicht ausgesprochen ward, Rußland unschädlich, d. h. seine „ehrsüchtigen Entwürfe" ein für allemal unausführbar zu machen. Daß dieser Zweck nur durch einen großen Krieg erreicht werden könne, liegt auf der flachen Hand, und die Rüstungen beider Cabinete zeigen, wie sie dessen sich wohl bewußt sind. Eben so gewiß erscheint, daß die Deutschen Mächte in letzterer Hinsicht keine Verpflichtung übernommen haben und zu übernehmen auch durchaus nicht geneigt sind. Dafür spricht ihr Scparat-Bündniß, das anderen Falles keinen rechten Sinn hätte, indem sie sonst, einfach Dem Englisch-Französischen Bunde beitreten sonnten. Offenbar ist ihre Absicht, nicht aus dem viel« gerühmten Europäischen concert zu treten, jedoch die Ausschreitungen der andern Genossen zu vermeiden.
Betrachten wir nun kürzlich die hiebei in Betracht kommenden Interessen der zwei Teutschen Mächte.
. Hinsichtlich Preußens ist wenig zu sagen, weil dasselbe von der ganzen Frage nur sehr entfernt berührt wird, und keineswegs in solchem Grade, um deshalb die Wagnisse eines großen Krieges zu bestehen. Welche Verpflichtungen es Oesterreich gegenüber übernommen, ist dem Schreiber dieses Artikels unbekannt. Zweifler daran Än,.W überzeugt halten, daß er in Wahrheit keine Miltheuungen der politisch-diplomatischen Welt erhält,
weder aus den Salons, noch aus der Antichambre. — Möglich, daß eintretende Verhältnisse das Entwickeln einer verhältnißmäßigen Streitmacht gebieten; je später es geschieht, desto besser sür das Land, welches allen Grund hat, dem Cabinet für seine Haltung dankbar zu sein. Das wüste Schimpfen in Englischen Blättern und das unmuthige Knurren der Deutschen Verehrer des Halb- mondes könnten fast, wäre dies überhaupt zulässig, als titre de gloire gelten.
Oesterreichs Interesse ist unendlich bedeutender, was wir wiederholt anerkannt haben. Niemals kann eö die Eroberung der Europäischen Türkei zulassen, sogar wenn ihm anständige Beutestücke oargevolcn würden; indeß bei der jetzigen Lage ist schon dafür gesorgt, daß die Baume nicht in den Himmel wachsen. Auch die längere Besetzung der Donau-Fürstenthümer durch Russische Truppen kann eS keineswegs mit Gleichgültigkeit betrachten, und es diente daher durch das früher erwähnte Protokoll zunächst^ sich selber. Angesichts der Regungen in der Italienischen Halbinsel und den Polnischen Provinzen kann es aber aus tausend Gründen noch viel weniger seine «rast durch einen Entscheidungskampf gegen Rußland verbrauchen.
So lange das Oesterreichische Heer in seiner derma- ilgen Aufstellung bleibt, gehl die Absicht des Wiener EabinetS unzweifelhaft nur dahin, etwaigen Bewegungen der Südslav^n mit Nachdruck entgegen zu treten. Höchst wahrscheinlich versucht man inzwischen auf diplomatischem Wege durch die freiwillige Räumung der Füistenlhümer eine Grundlage für Friedens-Unterhandlungen zu gewin- nen. Ihres hochtrabenden Wesens ungeachtet gingen die W e st m ä ch fe doch wohl darauf ein, während von der anderen Seite weniger Bereitwilligkeit zu erwarten sein dürfte. .—■ Da sich die Gerüchte von neuen Mobilmachungen in Oesterreich und Truppenmärschen nach Siebenbürgen bestätigt haben, so geht daraus sie Richtigkeit letzterer Annahme und der Entschluß des Wiener Cabi- nets hervor, handelnd einzugreifen, tobald eine ansehnliche Armee bei Schumla vereinigt ist.
Hunderttausend Oesterreicher, aus Siebenbürgen gegen den Pruth vvrrückend, machen (zumal unter'der eben bnühnen Voraussetzung) Den schleunigen Rückzug des Fürsten von Warschau nach Bessarabien beinahe zur Nothwendigkeit. Angeblich versammelt er nicht unbeträchtliche Streitki äste an der Moldau -Sicbcnbürgischen