Her * selber Anzeiger.
Nr. 41> Hersfeld, den 24. Mai. L8S4.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Rittmeister Gran, aggregirt dem 2. Husaren-Regiment mit Pension ausscheiden zu lassen.
Rußland und Europa.
(Aus der „Neuen Preußischen Zeitung".)
I.
Möge Jeder über das Recht Rußlands oder der Westmächle in der gegenwärtigen Krisis urtheilen, wie seiner Geistesrichtung entspricht. Möge er sich die angeblich näher kommende Gefahr einer kosakischen Univer- sal-Monarchie mit den düstersten Deckfarben ausmalen und deshalb ein allgemein Europäisches Hurrah dagegen wünschen. Immer bleibt die ohne Vorgunst ober' Abneigung zu erörternde Frage übrig: ob auf diesem Wege der Zweck mit einiger Wahrscheinlichkeit erreichbar sei. Denn kein Halbweg vernünftiger Mensch unternimmt Dinge, bei denen schwere Opfer unvermeidlich, große Gefahren unzweifelhaft und die Erfolge nichts weniger als gewiß sind.
Unsere Vollblut Türken waren in ihrer Unwissenheit nahe daran, den Europäischen Kreuzzug gegen Rußland als UneArl milila irisch er Promenade zu betrachten, die ohne Schwierigkeiten erheblicher Art an's Ziel gelangen werde. Diesen Traum zci störte der nicht weg zu leugnende Einwurf, daß die Begebenheiten von 1812 den einzig zulässigen Maaßstab für den Erfolg des so eifrig gepredigten Krieges abgeben können und, Alles erwogen, das Verhältniß für Rußland jetzt günstiger als damals sei. Etwas verblüfft schwiegen die Posau- ncnbläler des Kreuzzuges kurze Zeit, bis einer derselben irgendwo^den Gedanken auffand, Napoleon habe den großen Schiffbruch erlitten, weil er die Sache in einem Feldzuge beenden wollte. Nachdem der erste — über diesen vorgehaltenen Stock gesprungen war, hüpften die klebrigen fröhlich nach, und nunmehr steht bei ihnen fest, daß die Unternehmung in zwei Theile zerlegt, hätte gelingen müssen.
Vermuthlich meinen die unberufenen Kritiker des großen Heerführers, es wäre damals angemessen gewesen, bei Smolensk Halt zu machen. Abgesehen von der
durchschlagenden Bemerkung Bonaparte'S über die Lächerlichkeit des Gedankens, im'Monat August Winter-Quartiere zu beziehen, läßt sich noch Anderes sagen. Als die ihm verbliebenen zweimal hunderttausend Mann am 18. August in Smolensk einrückten, hatte er die größere Hälfte deS Weges von Kauen nach Moskau zurückgelegt. Desselben Tages schlug Gouvion Sa in t Cyr den Grafen Wittgenstein bei Polotzk, und während der Gefechte vor Smolensk war die Nachricht von Schwarzenbergs Sieg über Tormassov bei Go- rodeczna eingegangen. Letzterer wich ohne Aufenthalt bis hinter den Slyr, Wittgenstein hinter die Drissa; Riga war entfernt eingeschlossen. Welcher Militair konnte unter solchen Verhältnissen auf den Einfall kommen, stehen zu bleiben?
Aber es - war auch nicht möglich. Damals zählte daS Gouvernement Smolensk nicht voll 960, das von Mohilcv kaum 940 Einwohner auf der geographischen Quadraimeile. Wie wollte man eine Armee von der angegebenen Stärke bis zum Monat Mai ernähren? wie während des langen Russischen Winters, gegen Klima und Feinde gesichert, unterbringen? Bündige Antwort giebt das Schicksal des im (allerdings noch dünner bevölkerten) Gouvernement WitebSk verwendeten Heer- theils. Bereits gegen Ende Oktobers von Polotzk zu- rückgchend, war derselbe in unglaublicher Weise zusam- mengeschmolzen, und zwar, wie zweifellos feststeht, viel weniger durch Gefechte, als durch Krankheiten, einer unausbleiblichen Folge des erduldeten Mangels. Uebri- gens unterschätzte Napoleon die Schwierigkeiten seines Unternehmens gewiß nicht und mochte darauf gefaßt sein, daß Schlachten, Hunger und Strapazen das von Smolensk verrückende Heer ziemlich auf die Hälfte herabgebracht haben würden, wenn es bei Moskau anlange.
In Anbetracht dieser Umstände werden die Kritiker des Feldherrn vielleicht geneigt sein, ihn etwas milder zu beurtheilen. — Geirrt hat er allerdings, doch nicht auf militärischem Gebiete, sondern psychologisch. Genau mit AI er anders Wesen und Naturell vertraut, rechnete er darauf, denselben zum Frieden geneigt zu finden, sobald hunderttausend Franzosen in Moskau stünden, — eine Ansicht, die ganz unverkennbar all seine Maaßregeln leitete. Welche Ursachen diese an sich ziemlich begründete Voraussetzung zum folgenschweren Irr-