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vom 23. April bringt in einer Ertra-Beilage ein neues Manifest des Kaisers von Rußlanv an sein Volk. Wir geben nachstehenv den Schluß dieses Kaiserlichen Mani­festes:Jetzt endlich werfen England und Frankreich die Maske ab, betrachten unsern Zwist mit der Türkei als eine untergeordnete Frage unv verhehlen nicht länger, daß ihr gemeinsamer Zweck darauf hinausgeht, Rußland zu schwächen, ihm einen Theil seiner Besitzungen zu ent­reißen und unser Vaterland aus der mächtigen Stellung herabzuziehen, zu welcher es die Hand des Allerhöchsten cmporgchobcn hatte. Ziemt es dem rechtgläubigen Ruß­land, vor solchen Drohungen zurückzubeben? Im Begrif­fe, den Uebermuth der Feinde zu Schanden zu machen, wird eS von dem heiligen Ziele ablaffen, welches ihm von der göttlichen Vorsehung vorgezeichnet ist? Nein!! Rußland hat Gott nicht vergessen! Nicht für weltliche Zwecke hat es die Waffen ergriffen; es kämpft für den christlichen Glauben, für die Vertheidigung seiner durch unversöhnliche Feinde bedrückten Glaubensgenossen. Mö­ge es daher die ganze Christenheit wissen, daß der Ge­danke des Beherrschers von Rußland auch die ganze Fa­milie des Russischen Volkes durchdringt und belebt, die­ses rechtgläubigen Volkes, welches Gott und seinem ein# gebornen Söhne unserm Heiland Jesus Christus treu ist. Wir kämpfen für den Glauben unv für das Christenthum! Nobiscum Deus quis contra nos? (Ist Gott für uns, wer mag wieder uns sein?)

Die Norddeutsche Zeitung schreibt: Interessant ist die Beschreibung einer Maschine, welche der Amerikaner Mr. Westley Smith erfunden ^undLan die Russische Re­gierung zur Abwehr und Zerstörung der Englischen und Französischen Schiffe verkauft haben soll. Diese Maschine führt den NamenKatapult" und ist ein Fahrzeug mit doppelten Bugen, welche mit langen scharfen Eisen- zähnen besetzt sind, um durch Anrennen die Wände feind­licher Schiffe zu zerstören. Das Fahrzeug wird durch Dampf bewegt unv die Maschine treibt zugleich im In­nern des Schiffes ein großes Rad, vermittelst dessen vie Enternden mit einem Sturzbade heißen Wassers übergos« sen werden sollen.

Aus Konstantinopel am 1. Mai wird gemeldet: Omer Pascha drängt die Alliirlen zum eiligen Marsch nach Schumla. Aus Gallipoli vom 2. Mai: Prinz Na­poleon ward «n 29. April feierlich empfangen. Am 30. hielt er Truppenschau; demnächst wollte er nach Konstan­tinopel abgehen. Aus Varna, 25: Viele Baschi-Bozuk wurden enthauptet, viele andere verwiesen. Aus Aler­andria, 4. Mai: Die Amerikanische Intervention für die Griechischen Unterthanen war fruchtlos. Aus Tra- pezunt, 22 April: In Kars kommen häufige Truppen- Desertionen vor.

Yktt Freun- Michel.

Der Franzmann meint wir wären dumm! Wir sind ihm nur zu grade.

Denn Grades zu verdrehn in Krumm Das ist ihm ganz Pomade.

Jüngst hat er es sogar probirt DaS grade Kreuz zu biegen; Zum Halbmonv hat er es dressirt, Die Christen zu bekriegen.

Er holt zum Compangnon sich her Den ält'stcn seiner Feinde, Den Erzfeinv oben von dem Meer, , Unv biegt ihn krumm zum Freunde.

Sie wählen beide sich ein Weib

An Tante Sorctale!*) Sie pflegen lustig ihren Leib Beim schäumenven Pokale.

Da wird geschehet vom Koloß

Mit seinen irbnen Füßen;

Schon träumt der wonnetrunkne Troß Den Siegertraum, den süßen!

Wir, Michel, schweigen, warten zu

Und putzen vie Muskete, Doch lassen sie uns nicht in Ruh Dann blasen wir Trompete!

Wenn unsrer Fürsten Ruf ertönt: Auf, auf mein Volk zur Rache! Dann nehmen wir, was jetzt uns höhnt, Mit Kolben in die Mache!

Sie sollen sehn was fluschen heißt, Verwundern sich nicht wenig, Wie ihren Plan ein Volk zerreißt Mit Gott und seinem König!

(Volksbl. f. St. u. L.)

*) entente cordiale.

Zeichen der 3 e11.

Es verlohne sich doch der Mühe, die neue Union zwischen Christus (?) und Beelzebub in ihren fortschreitenden Zeichen zu verfolgen. Von Boulogne fährt (es war Ende März d. I.) ein Dampfschiff voll patriotischer (oder neugieriger?) Franzosenmit der. eng­lischen, französischen u. türkischen Flagge geschmückt" auf Besuch an die englische Flotte, und vas alte Groß­maul Napicr bringt dieser saubern Flagge höchsteigenmün« dig ein dreimaliges Hurrah. In Algier versammeln sich die Muftis, Ulemas u. s. w. in einer Moschee und be­schließen, deneingebornen Tirailleurs" eine seidene Fahne mit der Farbe des Propheten zu schenken unv mit der Inschrift:Diese Fahne ist den zu Algier unter französischer Herrschaft lebenden Muselmännern, dem Ti- railleurregimente geschenkt, das für die Sache des