Hersfelder Anzeiger.
Nr. 39> HerSfeld^ den 17. Mai. 1854.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
dem Obersten von Loßberg interimistischen Commandeur der zweiten Infanterie-Brigade, das Commandeurkreuz zweiter Classe des Kurfürstlichen WilhelmsorbenS zu verleihen,
dem Königlich Preußischen Geheime Regierungsrathe Henz zu Paderborn das Ritterkreuz des Kurfürstlichen Wilhelmsordens zu verleihen.
EageSvegsbenheiten.
Berlin, 13. Mai. Ueber die plötzliche Abreise Sr. Königl. Hoheit des Prinzen von Preußen meldet die AUg. Ztg.: Unser Horizont bezieht sich düster. Der Prinz von Preußen ist, wie man hört, in politischem Zerwürfniß von Berlin geschieden. Seine Abreise er- solgte ohne Verabschiedung bei Sr. Maj. Dem Vernehmen nach hat Se. königl. Hoheit nur brieflich seine Ab- reise angezeigt. Der Inhalt des Schreibens >vU fein, feine Ueberzeugung ihm nicht erlaube, sich mit der Politik, welche man jetzt einschlage, einverstanden zu er- tlaren, und zu deren Ausführung mitzuwirken. Er er- luche demnach Seine Majestät, ihm zu gestalten, seine mi itanfche Stellung niederzulegen, und bitte um einen unbestimmten Urlaub, der ihm nach Baven-Baden nach- zuscnden wäre. Der Prinz beabsichtigt, sich, wie man lagt, nach dem Auslande zu begeben.
^“n^cn, 11- Mai. Der Königl. Flügel-Abju- m c- Tann ist gestern, wie man vermuthet
p ^uerhochftcn Austrage, nach Wien abgereist. Der Lwea dieser Sendung wird mit den Griechischen An- geiegenhelten in Verbindung gebracht. Da die Griechen
Jahren von England und Frankreich als vegeigerte Helden, heute aber als Revolutionäre angesehen werden und diese Machte deshalb die Selbstständigkeit Oilkchenlands bedrohen, so ist eö zunächst an Putern, zu ^u wirken, da es sowohl vertragsmäßig als durch die Banve der nahen Verwandtschaft mit dem Throne hierzu verpflichtet ist.
, läutern, 7. Mai. Gestern standen vor
den Schranken deS hiesigen Königl. ZuchipolizeigerichtS vier Bauern Namens I. Mann IL, Fr. Catoir, G. I.
von LaulerSheim und I. Schiffer von Ebertsheim, angefchuldigt, durch Absingen roher Spottlieber König Ludwig, ,owle den regierenden König Mar beleidigt zu
haben. Das Gericht verurtheilte dem Anträge der Königl. Staatsbehörde gemäß, die Beschuldigten in eine Gefängnißstrafe von je 6 Monaten und solidarisch in die Kosten.
Mannheim, 9. Mai. In Folge unseresKirchen- streites hat sich die ganze katholische Gemeinde Kirlach, Amlö Philippsburg, ihren Geistlichen an der Spitze, gegen die Regierung dahin erklärt: daß sie zwar katholisch bleiben wolle, sich aber feierlichst von Papst und Erz- bischof lossage und nur den Regenten als ihr kirchliches Oberhaupt anerfenne. So schreibt das Franks. Journ.
Mainz, 9. Mai. Dr. MüIler-M elchiors) welcher vor einigen Wochen von seiner Reise nach New- Jork zurückkehrte, ist gestern verhaftn worden; man hört bis jetzt noch nichts über die Veranlassung. (Er ist heute wieder aus der Haft entlassen.)
Paris. — Der Consistorial-Präsident der Lutheraner hat jetzt, nach dem Vorgänge der katholischen Prälaten und des Großrabbiners, ebenfalls öffentliche Gebete für den Erfolg unserer Waffen angeordnet. In dem betreffenden Erlasse an seine Geistlichen äußert er: „In dieser Vereinigung des katholischen Frankreichs und des protestantischen Englands gegenüber einer erelusiven und unduldsamen Macht sehen wir gern das Symbol und Pfand gegenseitiger Verträglichkeit, hoher intelligenter Duldsamkeit, die fortan in den Gesetzbüchern aller civilisirien Völker eingetragen bleiben wird."
— Der „Moniteur" bringt die lange erwartete Wiederherstellung der Kaiser-Garde mittelst Decrets vom 1. Mai. Sie wird eine „gemischte Division", d. h. wie man in Deutschland sagen würde: ein vollständiges Armeecorps von allen Waffengattungen, nahezu 20,000 Mann stark, bilden.
Paris. Der „Moniteur" kündigt an, daß zwei Uebungölager gebildet werden, eins von 100,000 Mann zwischen Montreuit uno Saint-Qmer, ein anderes von 50,000 Mann bei Marseille. Diese beiden Lager sind eine Drohung gegen Preußen und Oesterreich.
— 11. Mai. Der heutige „Moniteur" meldet, daß der bisherige Gesanvte in Konstantinopel General Bara- guay d'Hilliers nach Frankreich berufen worden ist, um unter dem Oberbefehl des Kaisers beim UebungsLager in St. Omer das Commando zu übernehmen. (Also abbeiufen.)
Rußland. — Das „Journal de St. Petersbourg"