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gesprochen; man erwartete die Vernichtung der Russischen Flotte als revancbe pour Sinope! Unb was thut man statt dessen: man legt sich in einer Entfernung von eini­gen LieuS vor Odessa und schießt Französische und Englische Kauffahrer in Brand! Jedenfalls haben die Herren Admirale mit dem leichtesten Stuck angefangen, aber vielglorie wird dabei nicht herauskvmmen.^ Und zu Lande lst's nicht anders statt sich den Russen an der Donau entgegenzustellen, besetzt man Gallipoli, ja man ist nicht einmal im Stande, von dort aus vorzugc- yen, weil man weder Cavallerie noch Artillerie zur Hand hat, und dabei unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß die Hungersnoth immer drohender sich in jenen Theilen des Türkischen Reiches zeigt.

London, 1. Mai. Das stürmische Wetter der vergangenen Woche hat im Canal ein furchtbar ausge­dehntes Opfer Deutscher Menschenleben zur Folge ge­habt, indem das AuswanverungSschrffFavo­rit e" von Bremen in der Nacht von einem Amerika­nischen Schiffe übersegelt worden, wobei nur der Capitam und vier von der Mannschaft sich an Boro des Ameri­kaners, ein anderer Theil der Mannschaft auf eins der Boote zu retten vermochten. Das Schiff selbst, mit 160 Auswanderern an Bord ist augenblicklich nach dem Zu­sammenstoß gesunken. (Auch an der Noroamerikani- schen Küste ist ein großes Schiff mit Deutschen Auswan­derern untergegangen!)

Die muthige Sängerin.

Zu Ende des vorigen und am Anfänge des jetzigen Jahrhunderts wurde durch Frankreichs Einfluß der gött­liche Ursprung der Bibel auch in den deutschen Ländern in Frage gestellt, ja geradezu verneint. Seit der Zeit hat der Hausgottesdienst, der Kirchenbesuch, die Saera- mente, das Gesangbuchöwesen, überhaupt das kirchliche Leben die traurigen Wirkungen des rationalistischen Gei­stes zu erfahien gehabt. Der Hausgottesdienst ist jetzt eine Seltenheit, denn man kann in dieser Zeit ganze Gemeinden durchwandern, ohne eine Spur davon zu finden. Welch großen und äußerst wohlthätigen Einfluß aber die häusliche Andacht auf das innere und äußere Leben der Familie hat, läßt sich weder mit den Augen sehen, noch mit dem Cirkel abmessen. Darum ist es zu beklagen, daß diese fromme Sitte gänzlich unbekannt ge­worden ist.

Nachstehende Geschichte über Hausandacht wird uns lehren, wie in Folge derselben auch ein leibliches Unglück von einer Familie abgewenbel ist.

In dem Dorfe Königsmark in der Altmark liegt in einiger Entfernung von dem Dorfe auf einer Anhöhe die Kirche nebst der Pfarrwohnung. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts, wo noch mehr als jetzt in den Pfarrhäusern gesungen und gebetet wurde, saß eines Winterabends, wo es dunkel und stürmisch draußen war, die Pfarrfamilie traulich bei einander. Der alte Vater

hatte ein Kapitel vorgelesen und den Abendsegen gebetet, und nun sang die Familie noch einige geistliche Lieder mit einander. Während deS Gesanges geht die erwach­sene Tochter mit dem Lichte aus der Stube, um zum Nachttrunk für den alten Vater noch eine Flasche Bier aus dem Keller zu holen. Sobald sie in die Hausflur tritt, sieht sie einen Kerl hinter dem Schranke stehen; aber singend ist sie aus der Stube getreten, singend gehl sie an dem Keil vorüber in den Keller, und singend tritt sie wieder in die Stube. Ohne daß die singende Famillie es beachtet, geht sie in das Nebenzimmers springt aus dem Fenster, eilt nach dem Dorfe und bringt einige mu­thige Leute mit. Dieselben besetzen das Haus, worin die Familie ihie Abencandachl fortgesetzt hat, und neh­men Den versteckten Sieb gefangen. Sie finden bei ihm eine Pfeife; mit dieser geben sie in der Nacht ein Zei­chen, welches seine Gesellen heranlockt und sie in dieselbe Falle führt. Der Sieb hat nachher ausgesagt, wenn die Psarrcrölochler auch nur durch das leiseste Zittern ihrer Stimme, auch nur mit der kleinsten Miene verra­then hätte, daß sie ihn bemerkt habe, so wäre sie verlo­ren gewesen. Aber die beispiellose Ruhe dieser Sänge» rin hätte ihn völlig sicher gemacht.

Das Unterlassen der häuslichen Andacht durch Be­ten, Singen und Lesen des göttlichen Wortes kann man ohne Bedenken als eine Haupiquelle des Verfalles im Christenthum ansehen. Dr. Ahlfeld sagt deshalb mit Recht:Ehe das Haus nicht erneuert wird zu einer Hütte Gottes, sind alle Vorschläge zur Besserung unse­rer zerrütteten Zustände leidige Lufischiffereien." Ja, von dem Hause aus baut sich cer Staat, wie die christ­liche Gemeinde. Wir wollen deshalb, lieber Leser, dies bei uns zur Thal werden lassen.

Daß ivrtan ein jeder Morgen,

Jedes ^Abends Ruhezeit,

Eine Stunde f>ci von Sorgen

Sei vor allem Gott geweiht.

Bete stets, bet* mit den Deinen,

Gott höri's und erfreut die Seinen;

Achtsam lies die heilige Schrift,

Sie lehrt, was Sein Heil betrifft.

Amtliche- Bekanntmachungen.

Unter Hinweisung auf die Bestimmungen in den §. §. 7 des Gesetzes vom 26. Juni 1840 und 2 des Ministerial-Auslchreibcnö vom 1. August ejusdem anni> werden die perrn Bürgermeister im Kreile daran erin­nert, daß die Verzeichnung aller in ihren Gemeinden vorhandenen Hunde innerhalb der ersten 8 Tage des Monats Juni o. I. zu geschehen hat, und die dicserhalb ausgenommenen Verzeichnisse, nach dem vorgeschriebenen Formulare, längstens bis zum 9. des gedachten MonatS, in doppelter Ausfertigung basier eingegangen sein müssen.

Hersfeld, am 11. Mai 1854.

Kurfürst!. Landralhöamt. Muffarth.