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Rp. 5V. Hersfeld, den 10. Mai. 1854.

Der5er 8 selb er Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe- ition «Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen «Her Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Haben wir Grund,

uns unserer eigenen Civilisation zu schämen, oder ist es eine nahe Gefahr, die Civilisation Deutschlands von Osten her ernstlich bedroht zu >chen, daß wir so ängstlich bemüht sein müßten, Französischem Wesen bei uns eine Ruhestätte zu bereiten, aus Deutschen Leibern eine Mauer gegen den Osten aufzuwerfen und mit der unter« gehenden Sonne Frankreichs gegen den Osten zu ziehen? Wir entsinnen uns wohl,' daß drei und viermal der Strom der Revolution, der Gottlosigkeit und des Materialismus aus Frankreich über Deutschlands Flu­ren daherbrach, und daß eS eben so oft Rußland war, welches die fchmutzigen Gewässer in ihr altes Bett zu- rückdrängen half; wir entsinnen uns wohl, daß es Frank­reich und dessen Civilisation war, welche Europa's Throne und Elitäre erschüttert, und daß man damals die »Bar­baren des Ostens" mit Freuden als Bundesgenossen be­grüßte, die Civilisation Deutschlands und deren unersetz­liche Fundamente vor den Segnungen des Westens be­wahren zu helfen. Jg jener unvergeßlichen Zeit haben wir den Osten als den Hort, und den Westen als den unversöhnlichen Feind Deutschen Wesens und Deutscher Bildung kennen gelernt, und wir sind nickn kurzsichtig, entartet und undankbar genug, plötzlich die Söhne derer, denen es beinahe gelungen war, uns von cer Karte Eu- Pa's zu streichen, als unsere größten Wohlthäter und besten Freunde zu begrüßen, von den Jahren 1830, 1848 und so weiter eine neue Aera zu datiren und Rußland um deswillen zu Haffen, daß 1812 dort ein so strenger Winter war.

. Mögen immerhin die Kosaken keine Akademiker und die National-Russen keine Voltairianer sein, mag immer­hin die Griechische Kirche noch nicht zu aller Lebendigkeit der abendländischen erwacht sein; wir finden dort noch reale sittliche Mächte, welche das Leben des Volkes vurch- dringen und demselben eine Zukunft verheißen,' Mächte, welche insbesondere der Mitte Europa's unentbehrlich sind, um den zerstörenden Principien und Elementen deS Westens das Gegengewicht zu halten. Dagegen in Frankreich, welches sind dort die Garantieen des Bestandes und die Bürgschaften der Civilisation? Dür­fen wir unS mit der Hoffnung schmeicheln, daß es einer menschlichen Hand gelingen werde, die finstern Mächte der Revolution dort für immer zu bemustern? «Nim­

mermehr ist der Krater der Revolution durch eine Regie­rung geschloffen, we'che selbst rühmend verkündet, daß sie auf dem Willen des Volkes ruhe. Zweimal haben die Lavaströme von dorther auch die Deutschen Throne zu verschütten gedroht, und zweimal war Rußland nicht das geringste Bollwerk, an welchem sie sich brachen. Sollen wir nun unsere Hütte an den Kretter bauen und mit eigenen Händen das schützende Bollwerk abtragen?" Nimmermehr werden wir so thöricht sein, zu glauben, daß die Revolution bei einem Kreuzzuge^der Civilisation eine andere als ihre Civilisation im Sinne hat, und nimmermehr werden wir einen Zweifel daran aufkommen lassen, daß »die Leidenschaft, mit welcher man jetzt den Krieg gegen Rußland fordert, keinen anderen Beweg­grund hat, als die Sympathie nicht mit dem gegen­wärtigen Napoleonischen Regimente sondern mit der Französischen Revolution"- die man dadurch wieder zu entfesseln hofft.

Hoffen wir, daß die Fürsten Deutschlands hier keiner gefährlichen Täuschung unterliegen, und geben wir selbst die Hoffnung nicht auf, daß ver zeitige Herrscher Frank­reichs ernstlich mit sich zu Rathe gehen wird, bevor er in eine Situation und Allianz tritt, die stark genug ist, ihn aus einem Herrn zu einem Diener der Revolu­tion zu machen. ' (N. Pr. Ztg.)

Bagesvegebenheiten.

Wien, 6. Mai. Die Oesterreicher find in Montenegro ein gerückt. (Die Bestätigung dieser Depesche der Ostsee-Zeitung ist abzuwarten. Die Ostsee- Zeitung verbrannte Odessa auch schon 8 Tage zu früh.)

W i c n. Leider ist der Gesundheitszustand unter den Oesterreichischen Donau-Truppen trotz aller mögli­chen sorge, welche für die Erhaltung und Schonung derselben getroffen wurde, in Folge der verderblichen kli­matischen Einflüsse und der niederen, sumpfigen Lage der Gegenden, in welchen sie campiren, ein in jeder Bezieh­ung höchst unbefriedigender zu nennen. Beinahe ein Viertheil der Mannschaft ist, nach einem Berichte der Allgem. Ztg. fieberkrank. Seitens des Unterrichts- MnustcriumS ist vor Kurzem ein Rescript wegen der Verwendung von Lehr- und Hülfsbüchern'in den Schulen erlassen worden. Hiernach soll im 3ntere||c der