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Hersselder A11 zeigcr.

^4 3«. Hersfeld/ den 6. Mai. 1854.

DerHers selber Anzeiger» erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Erve- dition (Ncumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnäkigst geruhet:

dem außerordentlichen Pfarrer Johannn Christoph Luck aus Kleinschmalkalden die erledigte lutherische Pfarrei zu Steinbach- Hallenberg zu übertragen,

dem Archivar des Finanz-Ministeriums, Kanzleirath W etz ell, den Kurfürstlichen Wilhelmsorben »ier/er Classe zu verleihen.

Wagesvegevenheite«.

Wom russisch-türkischen Kriegsschauplatz.

Von der Donau. Zwischen den irregulären Türkischen Truppen, von denen sich sein großer Theil zerstreute unv als Räuberbanden in Bulgarien umher- zieht, unv Dem regulären Türkischen «Ltreif-Commanvo, welches Omer Pascha gegen tiefe Räuberhorden entsen­dete, ist es in der Nähe von Varna zu einem Gefechte gekommen, das mit dem Rückzüge der Regulären endete. In Varna ist man dieser Räuber wegen sehr besorgt.

Die Aufregung unter allen gräco-slavischcn Släm- , men der Türkei hat einen sehr ernsthaften Charakter an­genommen. Die Montenegriner rüsten sich zum Kampfe gegen denErbfeind" auf Leben und Tod und gedenken mit 20,000 Mann in die Herzegowina und nach Ober- Albanien einzufallen, und zwar unier der persönlichen An- sührung des Fürsten Daniel unv des Präsidenten Georg Pclrowilfch. Der erste Schuß der in Nizic und Pina, oder ru Zabljak fällt, dürste das Signal zur allgemeinen Erhebung der Südslaven, zugleich aber auch zum Ein-

Oesterreichischen Trupven auf den Schauplatz des Ausstanves sein. Es wird dadurch die Entwickelung der kriegerischen Begebenheiten in der Türkei noch seltsa­mer werden. 11

telegraphische Depesche aus Konstantinopel, baß die Aegpptischen Truppen des Sultans den Bazar von Vola (Thessalien) geplündert habe^^ Iüdenviertel in L-alonichi in Brand gesteckt

Nachrichten aus Beirut bestätigen, daß die Per­sische Regierung nach langem Schwanken zwischen Ruß­land und der Türkei sich endlich für eine bewaffnete Neutralität entschieden und ein Beobachtungö-CorpS

von etwa 30,000 Mann in Adherbeidichan aufgestellt hat. Doch glaubt man nicht, daß diese Neutralität von langer Dauer sein werde.

Die neuesten Berichte aus Odessa, 27. April wissen von keiner seit dem 23. April stattgefundenen Erneuerung des Bombardements. Die Russen bereiten sich übrigens für alle Fälle vor, und unter diesen wird dtele Eventualität tiner abermaligen hartnäckigeren Be- schießung besonders ins Auge gefaßt. Die Bevienunqs- Manuichafl der Strandballerien wurde verdoppelt: auf allen Platzen sind Feuerlösch-Requisiten aufaestellt. Das Straßenpflaster wurde ausgerissen. Die Dächer sind ab- geliagen, die Besatzungstruppen auf verschiedenen Punk­ten »ertheilt und fortwährend in Bereitschaft. Die Ge- 1re,demasien welche sich auf 4 bis 5 Millionen Oester- reichäche Metzen belaufen, werden mit der größten Be­schleunigung in das Innere des Landes geschafft. Frische Truppen treffen täglich aus Bessarabien ein. Die Trup­pen sind theils in der Stadt bequariiert, theils haben

Master außer derselben bezogen. Handelsbriefe t ' .'"^^n, daß die Stadt Odessa seit zwei Tagen beinahe leer stehe. Die beschädigten Russi­schen Gel audesollm sämmtlich an der Esplaäave liegen, und die eigentliche Stadt sei von den Folgen des Bom­bardements gänzlich verschont geblieben.' Die fremden Consuln hielten noch immer ihre Flaggen entfaltet. Drei E-chiffe der Engllsch-Franzvsiichen Flotte waren stark be- schavigt worden. In Odessa kommandirt der Russische General Sacken, Chef des dritten Armeecorps.

r^erman wegen der Gleichstellung der Eyristen mit den Muhamedanern ist zwar in allen Prövinzialstädten in Türkischer Sprache verlesen worden, ist unv bleibt ober, wie der Hattischeriff von Gülhane, ein Blatt Pa­pier. Am -vage bei Kundmachung dieses Fermans schmach­teten über 100 Christen in einem Kerker in Mostar, wo kaum Raum für 30 Menschen ist. Sie wurden von den Kawaffen zum Beweise der Gleichberechtigung mehr oder weniger durchgeprügelt, und 2 Todte, worunter ein Oester­reichs) eher Dalmatier, wurden 5 Tage unter den Lebenden im Kerker gelassen. Einige Tage nach der Kundmachung kamen 4 Bosnische christliche Gefangene in's Verhör, natürlich nur vor die Türkischen Richter und Beisitzer, und als sie leugneten, wurde gegen sie sofort die Tortur angewendet, mit Werkzeugen, welche nicht einmal die Spa-