Hers selber Anzeiger.
sr*. 34. HerSfeld, den 29. April. 1854.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
die erledigte Stelle des ersten Pfarrers an der altstädter Gemeinde zu Kassel dem bisherigen zweiten Pfarrer an derselben Georg HüpeLen zu übertragen, - zur Versetzung des katholischen Pfarrers Adam Ncy von Michelsrombach an die Pfarrei des Heiligengeist - Hospitals zu Fulda, — sowie zur Bestellung des katholischen Caplans Vitus L h i l I in RückcrS zum Pfarrer in Michelsrombach die allcrhöchstlandesherrlichc Genehmigung zu ertheilen, — den Privatdoeenten Dr. Luthard zu Erlangen zum außerordentlichen Professor in der theologischen Facultät zu Marburg zu ernennen, — den Pfarrer Adolph Grau zu Kirch- Heim zum Vorstand und ersten Lehrer der Realschule zu Marburg, sowie zum Oberschul-Jnspector für die städtischen Schulen daselbst, — den Geheime NegierungSrath Un ge Witter und den Odcr- medicinalrath Dr. Lambert zu Kassel zu Mitgliedern der Direktion des LandkrankenhauseS für die Provinz Aicdcrhessen, — den Professor am Königlich Würtembergischen landwirthschaftlichcn Lehrinstitut zu Hohenheim Eduard Wendelstadt aus Hersfeld zum Occonomiecommissar und Mitglied der Commission für land- wirthschaftliche Angelegenheiten, mit dem Prädicat «LandcS-Oeco- nomierath», — den Ncgieruiigs - Assessor ». GoeddacuS zu Kassel zum Mitglied der genannten Commission, den Occonomie- rath W c nd c r o t h zu Kassel zum Seerelar der gedachten Commission mit Beilegung des PrädicatS »Canzleirath« zu bestellen, — dem Medicinalreferenien der Regicrungscommisston zu Schmal- kalden Dr. Fuchs das Prädicat „Medicinalrath« zu verleihen, — den Oberappellationsgerichtsrath Ludwig Wilhelm Ext er in Kassel zum Direclor des CriminalgcriwtS in Rinteln zu dcstrllcn, — den Criminalgerichts-Director Philipp Heinrich Becker von Marburg in gleicher Eigenschaft zum Criminalgericht in Hanau — und den Criminalgcrichls-Dircctor Friedrich Carl Zincke von Hanau in gleicher Eigenschaft zum Criminalgericht in Marburg zu versetzen, — den Untcr-StaaiSprocurator George Carl WiS- emann in Eschwege zum ordentlichen Assessor bei dem Stadtgerichte in Kassel zu bestellen, — die aggregirten Secondlteule- liants Linker, Schmedes und Wi linier vom Artillerie- Regiment zu wirklichen Artillerie-Officicren zu ernennen und in den Etat des Regiments einrücken zu lassen, — sowie den Se- kondlieutenant Schmedes vom Artillerie-Regiment zur Pionir- Compagnie zu versetzen.
Rußland und Europa.
(Aus der Neuen Preußischen Zeitung.)
Nothgedrungen gestehen die Priester des modernen Kreuzzuges ein, daß die Begebenheiten von 1812 den tinzigen Maaßstab für das abgeben können, was im
Schooße der nahen Zukunft ruht. Allein sie halten sich eine Hinterthür durch Die Behauptung offen: damals sei doch Manches anders und zwar günstiger für Rußland gewesen als jetzt. Niemals werden zwei Lagen-Verhält- nisse in militärischer und politischer Hinsicht einander vollkommen gleichen. Deshalb kann man füglich die erste Hälfte jener Behauptung zugeben, und doch daran fest- halten, daß die Situation des Russischen Reichs heut ungleich besser sei als im Jahre 1812«
Zuerst wird eingewenbet, damals habe die Neutralität Schwedens gestaltet, das in Finnland stehende Corps gegen Napoleon zu verwenden, was ein ungeheurer Bortheil gewesen. Dieses Anführen bat nur einigen Sinn, wenn man voraussetzt, Schweden werde bei dem gegenwärtigen Kriege nicht neutral bleiben, was willkürlich und zugleich höchst gewagt scheint. — Auch ist das Thatsächliche nicht einmal richlig aufgefaßt. General Steinheil, Befehlshaber der Russischen Tiuppcn in Finnland, brächte nur zehntausend Mann nach Riga,' wo sie alsbald von Wrk tüchtig zurechtgewiesen wurden; dann gegen Polozk gezogen, erhielt er bei Bononia durch Wrcoe eine fast noch herbere Lection. Wer über Dinge solcher Art öffentlich sprechen will, sollte sie doch wenigstens historisch kennen, wenn ihm auch richtiges Verständniß derselben mangelt.
Zweitens die damalige Neutralität der Pforte, over, was richtiger, der sehr willkommne Abschluß des Friedens zu Bukarest, am 28. Mai. Allerdings war dieser Vertrag (übrigens lediglich durch die Russischen Unterhändler um Monaie verzögert) ein sehr erwünschtes Ereigniß für Kai,er Alexander, dessen Tragweite man jedoch nicht überschätzen darf. Die Russische Armee in der Moldau betrug in jener Zeit etwa sunfzigtausend Streitbare, von denen drei Viertheile, nach dem Kriegsschauplätze abrük- kend, während der zweiten Hälfte des September am Styr eintrafen.
Drittens wird darauf hingewiesen, daß dermalen die Hälfte der aktiven Russischen Armee an der Donau unentbehrlich sei. Zugegeben, wenn man die Bezeichnung »active Armee" streng in ihrem technischen Sinne nimmt, welcher keineswcges die sofort verwendbaren Streilkräfte bezeichnet, und noch weniger die jetzt bereits unter dem Gewehr stehenden Reserven. Diese Einrichtung des Kaisers Nikolaus liefert ungefähr 200,000 vollständig aüs- gebilvete Soldaten. Ohne auf Einzelheiten einzugehen,