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Russischen Schiffen von hier in See ging ist so eben unter 9 Mann starker Englischer Besatzung hier wieder in den Hafen gebracht. Dieses Schiff ist gestern von der Englischen Corvette „Conflict" in See angehalten und die ganze Russische Besatzung an Bord der Corvette genommen worden. Gegenwärtig, Mittags 1 Uhr 30 Minuten, steuern vier Russische Schiffe unter Englischer Flagge nach Memel zu, die Corvette „Conflict" ist in See sichtbar. (Einschließlich der bereits nach der Kjöng- Bucht abgeführten Schiffe sind also im Ganzen 10 Russische Schiffe von den Engländern genommen.)
DV P arisch ah?
Zur Stellung der Türkei läßt sich mit Rücksicht auf den zwischen Frankreich, England und der Pforte abgeschlossenen Vertrag die Triester Zeitung aus Konstantinopel vom 16. März Folgendes schreiben: „Vergangenen Montag hat der Sultan abgecankt — zwar nicht formell, sondern vielmehr ohne alle Formalitäten, indem er das unterscheidende Merkmal eines Souveräns, das Recht Krieg zu führen, so lange er es für gut findet, und Frieden zu schließen, sobald er es dem Wohl seines Reiches angemessen erachtet, aus der Hand gegeben und mit dem Abschluß des sogenannten Allianzvertrags an England überliefert hat. Der Sultan ist von jetzt an wirklich nicht mehr als ein Mahrat- tenfürst, wie man es ihm vom Beginn der Wirren prophezerht hat, und der eigentliche Padischah des osmani- schen Reichs ist jetzt ein simpler, von einer Englischen Partei getragener Lord. Die Türkei muß von nun an nicht bloß mit ihren Landeskindern Englands Krieg führen, sondern sie muß auch die Truppen, die aus dem Westen hierhergeschickt werden, aus ihren Mitteln ernähren. Da aber die Türkei kein Geld hat, so wird ihr England solches leihen und sich hiermit, sowie mit der Hochauflaufenden Rechnung für geleistete Dienste, das osmanischc Reich für immer zinsbar machen. Als Garantie wird fich England wohl in der Nähe von Kon- stontinopel ein neues „Gibraltar" errichten. Mit den Stipulationen der Convention, welche die Reformen der innern Staateversassung betreffen, ist England zum permanenten Censor des Divans bestallt und sein jeweiliger Gesandter zum „Lord Protector" der Levantinischen Christenheit ernannt worden. ---Gewiß kann es Niemand mehr rächselhaft finden, warum die Wiener Con- ferenznote, welche doch England mit unterzeichnet hatte, von der Pforte ganz Europa gegenüber verworfen wurde. Sie scheiterte in Konstammovel nicht obgleich Englands Einfluß überwiegend war, sondern weil England das entscheidende Wort zu sprechen hatte. Der damals vorgeschützte Respect vor der Souveränetät der Pforte hat niemals bestanden, wenn es England darum zu thun war, das Serail einzuschüchtern, und hat in dem Vertrage dieser Woche mit der vollen Wegnahme
des Rechts zur Selbstbestimmung sich als nichtig docu- mentirt.--Bemerkenswerth ist die Haltung des Englischen Gesandten in Konstaniinopel. So lange die Unterhandlung über die identische Note, welche jetzt so einseitig von England ausgebeutet wurde, als ein Friedenswerk in Schwebe war, gab man sich den Anschein daß der Befehl zum Auslaufen der' Flotten nicht ausgeführt werden solle. Kaum hatte aber die Pforte am letzten Tag des Jahres unterzeichnet, als die Flotten nicht bloß in Bewegung gesetzt, sondern auch jene Depe- sche eiligst nach Sebastopol gesendet wurde, welche den Russischen Schiffen die Fahrt nach dem Schwarzen Meer untersagte. Die Depesche mußte natürlich in Petersbura gleichzeitig mit der Note der Pforte eintreffen, und alle Friedenshoffnungen, die man an die Note geknüpft niederschlagen. Während man solcherweise in Bezug auf Petersburg manövrirte, beobachtete man das entaeaenqe- setzte Verfahren in Bezug auf die Deutschen Mächte die man durch die Note der Pforte eiligst zu dem am 13. Januar wirklich zu Stande gekommenen Protocoll bewegen wollte. Zu dem Behuf verweigerten die Gesandten der Westmächte den Vertretern Oesterreichs und Preußens alle Auskunft über die Bedeutung und Ausdehnung der Flotten-Erpedition; Lord Stratfort ging in seinem System selbst so weit, in einer Publication an die Englischen Unterthanen die Expedition als eine durchaus nicht feindselige barzustellen k.«
Vermischtes.
Wien, 19. April. Wir geben hier nach der amt» lichen Wiener Zeitung den Teil der prämitrten, von I. G. Seidl verfaßten Neuen Oesterreichischen Volks Hymne, welcher durch Allerhöchstes Handbillet Sr. Maj. des Kaisers vom 27. März 1854 als authentisch erklärt wurde. Er lautet:
Gott erhalte, Gott beschütze Unsern Kaiser, unser Land!
Mächtig durch des Glaubens Stütze Führ' Er uns mit weiser Hand! Laßt uns Seiner Väter Krone
Schirmen wider jeden Feind: Innig bleibt mit Habsburgs Throne Oesterreichs Geschick vereint.
Fromm und bieder, wahr und offen
Laßt für Recht und Pflicht uns steh'n, Laßt, wenn's gilt, mit frohem Hoffen, Muihvoll in den Kampf uns geh'n! Eingedenk der Lorbeerreiser,
Die das Heer so oft sich wand, —
Gut und Blut für unsern Kaiser, Gut und Blut für's Vaterland!