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Hersfelder Anzeiger.

9tr> 2S. Hersfeld, den 12. April. 1854.

Der5er<$ selber Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe- ion (Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen Her Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

zu Secondlieutenants zu ernennen die Portepee- Fähnriche :

Neu ho f vom 3. Infanterie-Regiment in demselben,

Pr o pp i ng vom Artillerie-Regiment und demselben zu aggregiren,

Busch vom Leibgarde-Regiment im Füsilier-Bataillon, und

Deichmann vom 3. Jnfanterie-Regiment in demselben.

BagesvegebenheiLen»

Berlin, 8. April. Das neue Wiener Proto­koll ist nun auch von Preußen unterzeichnet, toein wesentlicher Inhalt ist folgender: »Die vier Mächte bleiben zu einem doppelten Zwecke vereinigt. 1) Zur Aufrechterhaltung der territorialen Unabhängigkeit der Türkei, für welche die Räumung der Donaufürstenthümer eine wesentliche Bedingung bleibt und bleiben wird. 2) Die Mächte vereinigen sich zur Befestigung der religiösen und bürgerlichen Rechte der christlichen Unterthanen der Pforte', in dem Sinne der vom Sultan selbst gehegten cdelmüthigen Absicht." Die Unterzeichnung dieses höchst denkwürdigen Protokolls ist vorgestern erfolgt, nachdem unser Gesandter in Wien, Graf Arnim, den Bctehl dazu von hier aus auf telegraphischem Wege erhalten

Die zweite Nachricht von größter Wichtigkeit ist, daß auch der Vertrag mit Oesterreich durch Ieldzeugmeister Heb und unsern Minister- praslventen zum Abschluß gebracht worden ist. ^ie Unterzeichnung ist gestern vollzogen und der Vertrag vereitS nach Wien zur Schlußzeichnung abgesandt wor- ven. A)er wesentliche Inhalt des österreichisch-preußischen

Trutz-Bündnisses ist folgender: Beide Slaa- ^"^"chstlchten sich zur gegenseitigen Wahrung ihres gc- genwamgen Besitzstandes und zum Schutz ihrer Jnteres- sen. Namentlich wird Preußen für den Fall, daß Oe- Ilerrerch zur Wahrung seiner wie der deutschen Interessen ^Lculch vorzuschreiten sich genöthigt sehen sollte, seine ^"eilkrastx zu dessen Deckung aufzustellen bereit sein.

München, 5. April. Da die politischen Verhält- sse leicht zur Mobilisirung des Heeres führen könnten, 1 laßt auch unsere Staats-Regierung einen Gesetz-Ent- urs zu einer eventuellen Crevitöbewilligung vorbereiten,

um denselben bei der bevorstehenden Wiederberufung des Landtages sogleich vorzulegen.

Karlsruhe, 2. April. Auf künftigen 19. April ist an die evangelischen Geistlichen des Landes die Ein­ladung zur 11. evangelischen Pfarrkonferenz, auf Grund der reformatorischen Bekenntnisse, gerichtet.

Weimar. Wie man jetzt erfährt, hat die Regie­rung in der letzten geheimen Sitzung unseres Landtags einen Credit von 300,000 Thlr. für den Kriegsfall be­gehrt. Dieser ist ihr einstimmig verwilligt worden.

Paris, 6. April. Die Regierung machte heute der Legislativen eine Gesetzesvorlage, betreffend die Ver­größerung der Armee um 60,000 Mann aus der Altersklasse des Jahres 1853.

Man will wissen, die Polizei sei einer demago­gischen Verschwörung auf die Spur gekommen, die von den Flüchtlingen in London angezeltelt sei.

Posen, 5. April. Nachdem das Königreich Polen, namentlich dessen westlicher Theil, bereits gänzlich von russischem Milttair entblößt war, hat sich dort plötzlich die Lage der Dinge wieder geändert, und es werden die umfastendsten Anstalten zur Unterbringung einer großen Armee getroffen.

Wom russisch türkischen «Kriegsschauplatz.

Von der Donau. DerOesterr. Soldalen- freund" meldet: Die Russen ziehen mit vier starken In­fanterie- uno zwei Cavallerie-Divisionen an den Tra- zanSwall und dürften sofort an die Zerstörung von Karassu, Tschernawova und Kosten dscha'Hanv legen und Omer Pascha in dem schon in den früheren Türkenkriegen historisch gewordenen Viereck angreifen, waS übrigens bei der außerordentlich starken Stellung der Türken eine^schwere Aufgabe sein dürfte. Der Ge­neral-Adjutant Schilder erhielt den Befehl, den Ueber- gang bei Kalarasch zu leiten und Silistria einzuschließen.

Von der Donau. In Bukarest wurde nach Briefen aus Giurgewo erzählt: Omer Pascha habe sich von Rustschuk am 26. nach Rafsowa (dicht an der Do- brudscha) begeben, um die bei Silistria und am Trajans- walle bevorstehenden Operationen persönlich zu leiten. Mustafa Pascha hatte sein Hauptquartier in Karassu. Czernawoda und Kostendschi waren am 26. noch in den Händen der Türken. Mustafa Pascha hat etwa 20,000 Mann Hülfstruppen erhalten, und steht somit mit circa 50,000 Mann am Trajanswalle. (Der vielgenannte