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verbürgten Nachrichten zufolge sind demnach die Russen in der Dobrudscha bereits im Besitze von den festen Plätzen Tullscha, Matschin, Jsaktscha und Hirsowa mit der Citadelle und haben auch Babavagh besetzt.
Triest. — Am 24. v. M. haben die Flotten der Westmächte Beykos verlassen und sind ins Schwarze Meer eingelaufen. Sie steuerten in der Richtung nach Varna zu.
— In Epirus und Thessalien wird fortwährend gekämpft Zwei Festungen, auch Suli, sollen genommen sein. Prevesa befindet sich in Blokavezustand.
— Abermals schreibt die D. A. Ztg.: Es bestätigt sich nicht bloß, daß eine Brücke über die Donau bei S e mli n geschlagen wurde, foncern es sind in der That Oesterreichische Truppen auf das entgegengesetzte Ufer nach Belgrad gegangen. Jenes Blatt noiirt das Gerücht, jene Truppen sollen verhinvern, daß eine Türkische Verstärkung von 20,000 M. in die Festung gelange.
Petersburg. — Nach kaufmännischen Berichten, welche auf der hiesigen Börse in Umlauf waren, ist man in Petersburg zunächst mit der Vorbereitung von Zcrstö- rungsmitteln beschäftigt, welche jeden Angriff auf das Bollwerk dieser Hauptstadt, Kronstadt, scheitern machen sollen. Man läßt als Zugang zu demselben nur eine möglichst schmale Straße offen, und verengt das Fahrwasser durch Einsenkung großer Felsblöcke. Es wird in diesen Berichten weiter versickert, daß vorher diese Felsblöcke mit großen Oeffnungen versehen werden, welche man mit Pulver anfüllt. Diese Oeffnungen werden hierauf hermetisch geschlossen, jedoch zugleich durch Drähte mit cleetrischen Batterieen am Ufer in Verbindung gesetzt, von welchem auS sie jeden Augenblick entzündet werden und so Explosionen hervorrufen können. Die russische Flotte wird Kronstadt und Lweaborg nicht verlassen, und man ist dort gewiß, daß der Stand des Eises vor Ende April keine Operationen in diesen Gewässern gestatten wird.
Lie- -er Griechen
aus dem Beginn ihres Freiheitskrieges von 1821. (Wir theilen das nachfolgende Lied, gemeinhin „Kolokotronis-Lied" genannt, weder als ein Vorbild von Poesie noch von Ethik mit, sondern als den furchtbaren Nothschrei eines bis auf den Tod geängsteten Volkes — und dieser Nothschrei gellt heute noch so'laut als damals. Möchte nur nicht von dem bittern Klagelaut über daS christliche Europa noch heute ein so großer Theil Wahrheit sein!)
1. Zaudert nicht mehr, Kinder der Hellenen!
Zu den Waffen greift, jetzt ist es Zeit.
Was noch säumet ihr in fremdem Lande?
Kommt, o eilt zum einigen Verbände, Unser Streit ist ja ein heil'ger Streit. Unser Heil und alle unsere Hoffnung
Ist ins Schwert, ist ins Gewehr gelegt, Nur mit ihnen kommt uns endlich Freiheit, Wird errichtet Ordnung uns und Recht.
2. Mit der Könge dieser Erde Ehrgeiz.
Ist ja unserm Kampfe nichts gemein, Die Natur gebeut ihn, Gott nicht minder, Wider die barbar'schen Hagarskinder Ruft das Evangelium uns hinein. Alles was Gesetz, was Sitt' uno Tugend, Ehre, Glauben, unser Leben ja, Das entreißen uns unsre Tyrannen, Die Blutbürst'gen, die verruchten da.
3. Edle Griechen warum, warum wendet Eure Blicke ihr nach Norden hin?
Bei dem Nachbar, dem euch Glaub' verbindet, Kein Mitleid für eure Pein ihr findet, Tiefer Schlaf hält auf dem Throne ihn. Jene herzlosen Ostindienherrscher, Deren Hand auf ganz Europa liegt*), Haben alle Fürsten so verzaubert, Daß sie eure Pein empfinden nicht.
4. Ob sie alle, die auf Thronen sitzen, Wie von Türkenliebe trunken sein,
Dem verruchten Halbmond beizuspringen: Lasset es euch nicht erschrecken; nein: Liegt der Sieg doch nur in unserm Willen, Auf! das Joch zerbrechen wer gewiß, Wenn wir alle unsre Kraft einsetzen, Und die Eintracht unsre Leitrin ist.
5. Griechen, auf! die Türkenhorden würgen Brüllen, toben, schnauben Tov und Wuth, Fesseln und verkaufen uns, zerfleischen, Brennen, sengen, schänden, plündern, heischen , Sich zu wälzen rings in unserm Blut. Brüder! wem im Herzen noch ein Tropfen Rinnet von hellenischem Geblüt, Komm', o eile, eile mit den Waffen, In Oömanenblut zu tränken sie.
6. Ja der Christenfeinde, dieser Würger, Dieser schnaubenden Tvrannen Blut, Der Tovtseinde, treulos jedem Bunde, Gott- und rechtlosen, der tollen Hunde, Wilden Thiere, ja der Türken Blut Laßt es strömen, Brüder! Zur Vergeltung, Zur Vergeltung auf! jetzt ist die Zeit, Schließt aus theure Vaterland euch alle, Unser Streit ist ja ein Heilger Streit.
(Volksbl. f. St. u. L.)
•) Eine merkwürdige Stelle - Lom Jahre 18211
•*) Hier fehlt offenbar eine Strophe in dem Originale, dar wir vor uns haben.