Hcrsselder Anzeiger.
sre. SS.
HerSfeld, den- 18. März.
1854.
KK" Die Bestellungen auf den „Hersfelder Anzeiger« für das mit dem 1. April beginnende zweite Quartal können jetzt schon bei allen Poststellen gemacht werden. — Neu hinzutretende Abonnenten erhalten die Nummern deS laufenden MonatS vom Tage der Bestellung an umsonst. Die Expedition des Hersf. Anz.
DeS «Kreuzes Wächter.
Drei finstre, bleiche Krieger, die reiten mit ihrem Troß, Es hielt sie nicht mehr im Grabe, sie saßen hoch zu Roß.
Am Grabe des Erlösers, da hielt der Geisterzug, Und schweigend steigen sie nieder, von ihrer Hengste Bug. Doch sieh, des Tempels Pforten, die thun sich leise auf, Nicht hallt der Tritt der Helden, nicht klirrt der Schwerter Knauf;
Am Grabe knien sie nieder, sie beten schmerzerfüllt, Eine heiße bitl’re Thräne des Einen Aug' entquillt:
„Wohin bist Du verrathen, Du mein Erlöser, sprich, „Daß für den Halbmond streitet mein Volk, unv wider Dich!"
Der And're knirscht mit den Zähnen: „O straf', Herr, dies Geschlecht!
„Wo ist Alt-Englands Blüthe, das so den König rächt?"
Doch finster schaut der Dritte, ihn drückt der schwerste Harm:
„Mein eigen Blut erleuchte, lenk' seinen tapfren Arm! „Denn wider Deine Feinde, und nur zu Deiner Ehr', „Hat'S immerdar gestritten, dem Kreuz die stärkste Wehr!»
„Weil sie Dich nun verlassen unv halten'S nicht mit Dir, „Woll'n wir es fürder schirmen, das theuere Panier."
— Und wieder still warv's am Grabe, es halten die Könige Wacht,
Sie trauern um ihre Söhne unv ob der Zeilen Nacht.
Lagesbegebenheiten.
Stuttgart. — Sonntag den 5. März wurde in allen Würltembergischen evangelischen Kirchen allgemeiner Landes Buß- und Betrag gehalten. Um dem Tage auch äußerlich durch Vermeidung lauter und rauschender Vergnügungen möglichst das einem Lanveö-Bußlage zu- kbmmende würdige Gepräge zu geben, wurven überall 2
Tage vor und 2 Tage nach dem Bußtage, sowie am letzteren selbst, alle Musiken, Tänze, Bälle'Und derartige Lustbarkeiten untersagt. Nur Theater-Vorstellung fand dort statt. In welcher Weise aber das Verbot in der That dort wirkte, ist kaum zu beschreiben. Es war dieser Bußtag, zur Schande möge es gesagt sein, auch ohne Musiken 2C. einer der am labendsten und lärmendsten gefeierten Sonntage im ganzen bisherigen Jahre 1854. (Welch ein trauriges Zeichen der Zeit!)
Bom russisch türkischen «Kriegsschauplatz.
Die „Preußische Corresponvenz" meloet: Den neuesten Nachrichten vom K r iegs sch aup la tze zufolge sind am 4. d. M. 2000 Araber in der Nähe von Likoreschti (Kalovasch) über die Donau gegangen, in der Absicht, die zur Beschießung der bei L-ilisir'ia gelegenen Türkischen Donau-Floiillc errichten Russischen Baiterieen zu zerstören. Es entlpann sich ein mehrstündiges Gefecht zwischen den Angreifern unv den aus 4 Bataillonen, zwei Schwadronen regelmäßiger Reiterei, einem Regimente Kolaken und einer Batterie bestehenden Russischen De- tachement, welches General Baguschewski ihnen emqeaen- führte. Die Araber wurden mit Verlust von 50 Todten und 36 Gefangenen zurückgeworfen. Der Russische Verlust wird nur auf 1 Todten unv 15 Verwundete angegeben. — Am 28. Februar hat General Poposs von Turnu aus 2b Türkische Schiffe bei Nikopolis in Brand geschossen.
A t h e n, 3. März. Der Aufstand in Epirus ist noch im steten Anwachsen, obschon dort Truppen auS Konstantinopel erwartet und mehrere Englische und Französische Dampfer nach Volo und Prevesa von Corfu abgegangen sind, um gegen die Insurgenten ju; sümpfen. Die Jniurgcntcn zählen bereits über 5000 Mann. Bis jetzt beschränkten sich die Gefechte auf kleine Scharmützel aber seit geiurn erhielten wir Nachrichten von viel ernsterem Charakter. Der General Grivaö erfuhr, daß am 20. Februar 300 Türken einen Ausfall von ver Festung Atla machen winden, um sich nach Salaora zu be- geben unv dort Munitionen zu holen, welche von Janina dorhin geschickt worden waren. Aus diese Nachricht be* gab sichGrivas in einen Engpaß, erwartete dort die Türken, unv 200 blieben auf dem Platze, Nachdem er die übrigen zerstreut hatte, bemächtigte er sich vor Munitionen, marschirle sann gegen Luros, griff300 Aibanescu