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am Brustknochen hinab bis zu den kurzen Rippen der rechten Seite gehl. Der Sitch ist zwar nicht tÖDtlid), Da der Verwundete aber am Boden liegt, wird er mit Füßen getreten und es fängt ihm an die Besinnung zu tchwinren. Er hört nun, wie Der Bruder, der unlerdeß in Der Kajüte wieder eine Flinte geladen, aus's Deck kommt, losschießt, dabei aber aufschreil:Meine Hand ist fort!" Die in der Eile zu stark geladene Büchse war gesprengt und hatte dem Steuermann den Daumen weg- gerissen. Dieser Schmerzensruf des Bruders giebt dem Capilain alle Kräfie des Körpers und der Seele wieder. Er ruft Jenem zu:Hol Den Säbel herauf!" Während dies geschieht, rafft er sich auf, erfaßt im Dunkeln den Feind, Der nach ihm mit dem Dolche gestoßen, reißt ihm das Messer auS der Hand und bringt" Damit dem Räu­ber mehrere Stiche in Die Brust mit solcher Gewalt bet, daß die Klinge im Leibe abbricht unv er nur das Heft in Der Hand behält. Der Pirat sinkt sterbend zu Brandts Füßen. Diese letzte Blutarbeit hat aber auch seine Kräfte erschöpft. Er lehnt sich kraftlos an die Kajüte und ist nun unthäliger Zeuge des letzten Kampfes seines Bruders mit dem Piralen-Anführer. Dieser, eine Handspaacke in der rechten Hand, einen Dolch in der linken, wehrt sich gegen den Steuermann, der ihm mit seinem Säbel erst zwei Finger Der rechten Hand abhaut und ihm dann den Kopf spaltet.

Zwei Feinde waren noch übrig. Diese, am Siege verzweifelnd, fallen auf Die Kniee und bitten um Gnade. Sie müssen Die Waffen wegwerfen, dann einer nach dem andern dem Steuermann vor die Füße kriechen, die Arme aus Den Rücken legen, und werden Dann mit ----Stricken, die der eine Knabe, der aus Angst in den Mastkorb geklettert war, herbeibringt, gebunden und in Die Kajüte gebracht. Dem Capilain Brandt verging, erschöpft von Blutverlust, unterdessen völlig das Bewußi- sein. Das letzte, was er sich noch deutlich nachher erin- nertc, war, daß derjenige seiner Feinde, der ihn gestochen und den er nachher selbst mit dem Dolche nicdcrgestoßen hatte, sterbend zu ihm herankroch und um Verzeihung bittend ihm die Hand küßte!

Es mochte 7 Uhr Avencs sein, als der Steuermann Brand! alle Feuive besiegt, sich und das Schiff völlig befreit sah. Aber seine Lage war noch immer mißlich, er und der Bruder, beide gefährlich verwundet, kraftlos sich selbst überlassen, da Die beiden Knaben wenig nützen konnten. Wie sollte das andere Schiff, auf dem Die Don ihnen getrennte Mannschaft sich befand, in Der Dun- fel^eit gefunden werden? Es wurde eine Laterne an den Mast gehängt, am Hinterdeck ließ man das sogenannte blaue Feuer lcuchien, die Segel wurden vor Den Wind gelegt. Als Steuermann Brandt mit alle dem besebäf- kigt war, sah er, wie einer der gefallenen Feinde sich aufrichtete. Er sprang bit^u und spaltete ihm den Kopf. Endlich nach^vieler Mühe gelang es ihm 10 Uhr Abends, Dem andern Schiffe näher zu kommen. Er ruft hinüber. E Mannschaft glaubt aber, Die Korsaren wären Sie­

ger geblieben und hätten den Steuermann gezwungen, auch'sie in die Falle zu locken; sie verlangten die Stimme des Capitainö zu hören^ Endlich wagten es die Matro­sen doch, auf das Schiff zu kommen. Als der Capilain auf dem Belle liegend, wieder einigermaßen zum Be­wußtsein gekommen, verfügte man über Die Tomen. Zwei wurden in die See geworfen. Man erinnerte sich des Verwundeten, der nach dem Roof gekrochen. Als man zu ihm ging, machte er, sich aufrichlend, noch einen neuen Angriff auf Den Steuermann; er wurde lebend über Bord geworfen. Ein vierter schwer Verwundeter starb Abends 11 Uhr, ein fünfter erst nach 2 Tagen. Die beiden noch übrigen Gefangenen wurden nach Gothen- burg mitgenommen und von dort nach England abge- führt. So endete Diese kleine, wenn auch sehr blutige und für die Sieger ehrenvolle Seeschlacht.

Wie Die Räuber auf jene Brigg gekommen, die­ses Räthsel löste der zwölfjährige Knabe. Den Die Kor­saren mit auf das Schiff brachten, und der im Dränge des Gefechts von Den Gebrüdern Brandt vergessen wor­den. Als alles vorüber, kroch Der Knabe aus seinem Versteck hervor unv machte folgende Aussage:

Die englische Brigg sei wirklich von einem Capilain Fell geführt worden, wie Die Papiere erwiesen. Sie habe Weizen von Königsberg nach London bringen sollen. Bei Doggerobank fei sie von einem französischen Kaper, Der anfangs Die englische Unionsflagge geführt, angesal-. len und genommen worden. Capuain Fell uno ein Theil der englischen Mannschaft wurden auf das fran­zösische Raubschiff gebracht, die Franzosen bestiegen zum Theil Die Brigantine und segelten voraus. Ein Sturm trennte Die beiden Schiffe unv brächte das geraubte, nachdem es lange umbertrieb, in Die Gefahr, in welcher es von derElfi lebe" angetroffen wurde. Gleich bei dem Erscheinen Derselben hatten die Seeräuber beschlos­sen, sich ihrer auf die wirklich aus,geführte Weise zu be­mächtigen. Der arme Junge, der auf Dem englischen Schiffe sich befand, ehe es gekapert wurde, unv nachher darauf bleiben, alles mit anhören und bei Verlust seines Lebens geloben mußte, nichts zu verrathen, war niemand anders als der Sohn des Capilain Fell selbst. Im Gefecht war Der arme Junge durch eine Kugel in den Arm verwundet wmcen.

Die Gebrüder Brandt erreichten auf derElfriede" ohne weiteren Unfall Golhenburg am 5. November 1813. Hier ließen beide sich selbst und auch den kleinen Fell von den Wunden heilen» Den letzteren nahmen sie dann mit sich nach Swinemünde und Memel, wo er im Hause deö_ Kaufmanns Becker freundliche Aufnahme fand, bis er seinem Vater zugeschickl werden konnte.

_ Das heldenmüthige Benehmen Der beiden wackern Brüder Brandt kam zur Kenntniß des Höchstseligen Kö­nigs von Preußen, der beiden das eiserne Kreuz zweiter Klasse am schwarzen Bande, wie eS nur mit Den Waffen in Der Hano damals verdient werden konnte, verlieb. In großer Versammlung aller Behörden uns Notabi-