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Schwarzen Meere zu erringenden Vortheile zu verfolgen, die Russischen Schiffe zu nehmen, die Werfte zu zerstö­ren, die Städte zu bombardiren. Wenn dieser Zweck erreicht ist, dann soll Der größte Theil dieser Flotte sich zu der inzwischen in der Ostsee befindlichen Flotte bege- ben. Das sind so vorläugg die Pläne.

Southampton. Am 22. Febr. wurden Gre­nadiere und Garden nach Malta eingeschifft.

Zwei preußische Seeheideu im Jahre 1813.

Der Schiffskapitain Carl Heinrich Brandt, im Jahre 1813 ein 33jähriger Mann, Bürger in Memel, verließ am 30. Oktober 1813 aus dem von ihm geführ­ten, dem Kaufmann Becker zu Memel gehörenden Schiffe Elfriede" den Hafen Sherneß vor London, um mit einer Ladung von Rum und Reis, für die preußische Regierung bestimmt, nach Swinemünve zu segelt» Außer ihm befanden sich noch an Bord sein Bruder Johann He-inrich Brand, 4 Mairosen und 2 Knaben von 15 Jahren. Um unvorhergesehenen Unfällen mit einiger Sicherheit begegnen zu können, führte das Schiff zwei Kanonen, und in der Kajüte befanden sich 5 sogenannte Donnerbüchsen, eine Pistole und 1 Säbel.

Das Schiff war unter englischer Convoi, die zum Schutze gegen französische Kaper dienen sollte, ausgesegelt, wurde aber schon am ersten Abende von dieser durch einen Sturm getrennt und segelte allein. Am I. Novem­ber war es nicht weit von der Doggerbank entfernt, als Mittags 1 Uhr eine englische Brigantine in Sicht kam, die dem Anschein nach in Gefahr war, da sie die Noth­flagge aufgchißt und beinahe alle Segel verloren Halle. Capitain Brand ließ, um den Bedrängten Hülfe zu leisten, die Segel gegen den Wind legen, damit die Bri­gantine sich nähern könne. Von dieser tönt durch das Sprachrohr in englischer Sprache der Hülferus:Rettet uns, das Schiff will sinken!" Brandt ruft zurück: Die Mannschaft zu uns an Bord!"Wir können nicht; unsere Böte sind zerschlagen!" lautet die Ewiedc- rung. Und wirklich ist kein Boot zu sehen, wohl aber, wie auf Der Brigantine an den Pumpen gearbeitet wird, um das Schiff vor dem Sinken zu bewahren.

Nun war schnelle Hülfe nöthig. Brand läßt eins seiner Böte aussetzen, besteigt es selbst mit 4 seiner Ma­trosen und rudert zur Brigantine. Mit zwei von seinen Leuten an Bord steigend, findet er die Mannschaft in TodeSkampf und Verzweiflung. Das Schiff war im traurigen Zustand. Brandt untersuchte die Pumpe und fand 15 Zoll Wasser im Raume. Mit dem Wasser strömte der Weizen, die Ladung des Schiffes, aus den Pumpen.Wo ist der Capitain?" fragt Brandt das Schiffsvolk.Tori!" lautet die Antwort.Er stürzte gestern mit einem Matrosen vom Segelbaum in die See." Wo ist der Steuermann?" Es stellt sich als solcher Einer aus der Mannschaft dem Capitain Brandt vor,

erklärt aber gleich, er sei ohne Kenntniß dieser Gewässer. Aus den Schifföpapieren erficht Brandt, daß das Schiff wirklich ein englisches sei,Favorite" heiße und von Kö­nigsberg mit Weizen komme; der Capuain sei Daniel Fell gewesen. Die Mannschaft wirst sich ihm zu Fü­ßen und fleht, er möge sie auf sein Schiff hinüber neh­men. Brandt gewährt die Bitte, nimmt zwei Mann und einen kleinen Jungen von 12 Jahren sofort in seinem Boot mit hinüber auf dieElfriede", und läßt dann die 5 Mann aus 7 Männern und dem Knaben bestand die Besatzung nachholen. Kaum befanden sich die Fremdlinge am Bord derElfriede", als der angebliche Steuermann sich zum Schiffscapitain Brandt wendete und äußerte:Es sei noch ein bedeutender Verrath von Lebensrnitteln auf der verlassenen Brigantine vorhanden, und wäre es gut, denselben noch herrüber zu holen, was der vermehrten Manschaft des Schiffes zu stuften kommen werde." Die Bemerkung hatte viel Uebcrzcugcndcs, und da Die Fremden ihre Mattigkeit vorschützen, läßt Brandt seine vier Matrosen und den Koch ins Boot steigen und ermähnt sie zur schnellen Rückkehr. Brandt steht nun mit seinem Bruder, dem Steuermann, und den beiden Knaben unter den Fremdlingen. Es beschleicht ihn kein Argwohn, sie scheinen unbewaffnet, sprechen englisch, und Engländer und Preußen sind eben verbunden für die große Sache der Freiheit, was sollte er fürchten?

Die Fremden haben Essen gefordert, eS ist ihnen gebracht, sie verzehren es mit Heißhunger auf dem Vor- dcrverveck. Brandt und sein Bruder stehen auf dem Hinterdeck unv schauen hinüber nach dem verlassenen Schiffe, aus welchem ihre Leute im Begriff sind, Lebens- mittel ins Boot zu schaffen. Die beiden Knaben stehen neben Brandt. Plötzlich erhebt sich ein Lärm auf Dem Vorderdeck. Die sieben geretteten Fremdlinge stürzen, jeder mit einer Pistole bewaffnet, auf ihre Retter zu, und diese umgehend, die Waffe gegen sie richtend, rufen sie ihnen zu: «Wir sind keine Engländer, wir sind franzö­sische Kaper, euer Schiff ist unsre Prise, ihr seid des Todes, wenn ihr euch widersetzt!" Dabei ergreift man die beiden Brüder Brandt, stößt sie in Die Kajüte hinab und wirft Die Thür hinter ihnen in Schloß.

Nun geht ihnen das Entsetzliche ihrer Lage auf. Keine Hülfe auf dem weiten Meere. Ueber sich auf Dem Verdeck hören sie Die Leeräuber in halb französischer, halb holländischer Mundart über ihren wohlgelungenen Verrath jubeln. Sie erwogen, was nun zu thun. Auf einer Seite stilles Dulden, Verlust des Schiffes, Abfüh­rung nach Frankreich, Gefangenschaft, aber doch Rettung des'Lebcns und Hoffnung auf künftige Erlösung; auf der anderen: Gegenwehr, Erhaltung anvertrauler Güter, heldenmülbig erkämpfte Freiheit, Ebre, und im schlimm­sten Falle ein rühmlicher Tod. Sie waren Preußen und wählten das Letztere. Zwei gegen sieben, aber das Be­wußtsein Der guten Sache stärkt sie. Die Feinde waren gut bewaffnet, sie aber auch, Denn Die fünf Donnerbüch­sen die Pistole und der Säbel waren in der Kajüte ver-