Sersfelder Anzeiger.
Nr. 16*
Hersfeld, den 25. Februar.
1854»
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EagesvegeSenheiten»
Wien, 22. Febr. Die so eben erschienene officiöse „Oesterreichische Corresp." meloet, daß sich bei den fortdauernden Kriegöereignissen toe. Majestät der Kaiser veranlaßt gesehen habe, »n Banale nebst den früheren noch weitere 25,000 Mann aufzustellen, um solche dahin zu verwenden, wo die Umstände es erheischem könnten, um allen Bewegungen längs der Grenze euisprechenv zu begegnen. Schließlich spricht die „Oesterreichische Corr." die Hoffnung auö, daß die Vermittelung immerhin noch obsiegen werde-
Stuttgart. — In den letzten Tagen hielt der Kriegs-Minister in Begleitung eines Sachverständigen über den Vorrath an Fuhrwerk und Geschirren für Militärbedürfnisse, Die zu Luvwigsburg aufstewahrt werden, Jnspection, die sich nach und nach'auch auf verschiedene andere Zweigs des militärischen Bedarfs ausdehnen dürfte. — In der Stadt Reutlingen wurde auf Befehl der Regierung die dortige Turngemeinve aufgelöst und ihre Papiere mit Beschlag belegt. Man ist begierig, ob besondere Gründe obwalten.
Kehl. — Das Leben und Treiben bei uns sieht gegenwärtig einer förmlichen Völkerwanderung gleich. Am 12. und 13. d. M. hasten wir 1600 Personen beherbergt, meistens aus unserm Nachbarlande Württemberg, die jenseits des Oceans eine neueHennath suchen!'.
Paris. — Man weiß noch immer nicht, wer an die Spitze des nach der Türkei bestimmten Erpeditions- CorpS gestellt werden wird. Mit Bestimmtheit wird nur mitgetheilt, daß der Prinz Napoleon bis jetzt noch nicht gewillt war, den Wünschen des Kaisers in dieser Beziehung zu entsprechen. LouiS Napoleon wünscht nämlich sehr, daß sein Vetter das Commando übernehme.
— Auf den Eintrag des Präfecten von Montpellier hat der Kaiser 101 politische Verurtheilte des Herault- Departements begnadigt. — Eine officiöse Corresponvenz aus Madrid stellt es' in Abrede, daß die Französische Regierung die spanische angegangen haste, ob sie im Falle eines Krieges Rom mit Spanischen Truppen besetzen wolle, damit Frankreich alle seine Soldaten für den orientalischen Krieg benutzen könne. An Picmont hat die Französische Regierung eine ähnliche Frage gestellt.
Bom russisch-türkischen «Kriegsschauplatz.
Wien, 21. Febr. Nach hier eingetroffenen Nachrichten aus Bukarest wurde ein großer Theil der Türkischen Donau-Flotille in der Gegend von Giurgevo nach einer zwölfstüuvigen Kanonade durch die Russen zerstört. Giurgevo fegt keruM Schaden erlitten.
— Nach Handels-Nachrichten, die über London aus New-Iork hier eingegangen, sind von dort 6 Amerikanische Linienschiffe zur Unterstützung der Türkei abge- gangen. —
— Von Widdin aus wird berichtet, daß die Russen in der Nähe von Kalafat bedeutende Streitkräfte concen- trirt und alle Vorbereitungen zu einem Angriff auf die- ' sen Punkt getroffen haben.
— Der Kriegsschauplatz erweitert sich; offenbar ist die ganze christliche Bevölkerung der Türkei im Begriff, sich gegen die unerträgliche Herrschaft der Muha- meoancr zu erheben.
— Am 14. v. M. ist im Russischen „Invaliden" ein Allerhöchstes Manifest erschienen, durch welches eine neue Rekruten-Aushebung, 9 Mann von 1000 (das Europäische Rußland hat 64 Millionen Einwohner), für den 1. März bis 15. April ungeordnet wird. Das Manifest sagt, die „eingetretenen KriegSumstänve" machten die Maaßregel zur Vervollständigung der Land- und Seemacht nöthig. Der Bildung von Reserven, um das active Heer stets completiren zu können, wird gedacht.
Paris, 20. Febr. Der heutige „Moniteur" erklärt die Antwort des Ezaren auf den Brief des Kaisers der Franzofen lasse keine Aussichten mehr zu einer friedlichen Lö,ung. Frankreich werde die Türkei nachdrücklich unterstützen, der Kaiser rechne auf den Französischen Patriotismus, auf die Englische Allianz und auf die Sympathie Deutschlands, das die Integrität der Türkei'erhalten wissen will. Die Aufmerksamkeit richte sich besonders auf Oesterreich, daS berufen sei, eine eingreifende wichtige Rolle zu spielen. Wir hegen, sagt der „Moniteur" Vertrauen zu dem Kaiser von Oesterreich, und finden Garantiern dafür in den Interessen seiner Völker.
Lo nd v n. — Nach dem zwischen England und Frankreich getroffenen Uebereinkommen wird die vereinigte Flotte im Schwarzen Meere aus 95, die in der Ostsee auS 94 Schiffen bestehen. Wie es scheint, liegt es in der Absicht der Englischen Regierung, zuvörderst alle im