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Da nun dem Landrathsamte eine nicht unbeveutende Quantität Kartoffeln zu mäßigen Preisen zur Verfügung gestellt worden ist, so würde hierdurch wenigstens in Etwas dem Mangel vorgebeugt werden können.
Es ergeht deßhalb an sämmtliche Ortsvorstände des Kreises die Aufforderung, für ihre armen Mitbrüder bet den Wohlhabenden ihrer Gemeinde eine Sammlung zu verunstalten, den Ertrag derselben aber binnen 14 Tagen mit einem speciellen Verzeichnisse der gespendeten Gaben anher einzureichen, um das Landrathsamt zum Ankäufe jener Kartoffeln in den Stand zu sehen, über deren Verwendung demnächst Rechnung abgelegt werden wird.
Hersfeld, am 22. Februar 1854.
Der Lanorath Alu^farth.
Die Kaiserlich Russische Gesandtschaft zu Frankfurt a. M. ist zur Visirung von Paffen für Arbeiter, Handwerker und andere Individuen dieses Standes, welche nach Rußland oder Polen, aus welchem Grunde es auch sei, zu reisen beabsichtigen, nicht mehr ermächtigt, was die Ortsvorstände des Kreises in ihren Gemeinden auf die übliche Weise bekannt zu machen haben.
Hersfeld, am 20. Februar 1854.
Kurfürst!. Landrathsamt. Muffarth.
Die Herrn Bürgermeister des hiesigen Kreises, welche den Bericht über die seitdem vorgekömmenen Veränderungen in dem Verzeichnisse der zu dem Amte eines Geschworenen für das Jahr 1854 geeignet erachteten Personen noch nicht erstattet haben, erhalten hierdurch, unter Hinweisung auf das diesseiiige Ausschreiben vom 21. November v. I-, abgedruckt in Nr. 94 des Hers- felder Anzeigers vom verflossenen Jahre, die Auflage, diesen Bericht unfehlbar^ innerhalb 4 Tagen, bei Vermeidung von 15 Sgr. Strafe, anher zu erstatten.
Hersfeld, am 21. Februar 1854.
Kurfürst!. Landrathsamt. Muffarth.
Der nachstehend abgedruckte Bericht des Revistons- raths Wagner in Wiesbaden an Kurfürstliches Ministerium deS Innern die Einführung der Kunst der Stroh- flechterei in Kurbessen betreffend, wird hierdurch zur weiter» allgemeinen Kenntnißnahme veröffentlicht.
Hersfeld, am 20. Februar 1854.
Kurfürst!. Landrathsamt. Muffarth.
An das Kurf. Hessische Staatsministerium des Innern unterthäniger Bericht
des Revisionsrathes Wagner zu Wiesbaden die Einführung der Kunst der Strohflechterei in Kurhessen betr.
Durch die Flechtmeisterinnen aus der Centralflecht- schule meiner Filanda ist dieser Industriezweig in Kur- hessen bereits erngefübrt: zu Gelnhausen, Fulva, Marburg, Treysa, Carlshafen, Allendorf und Eschwege. — Flechtschülerinnen wurden in der Centralflechischule mei
ner Filanda zu Flechtmeisterinnen qualificirt. Aus dem Landrathsamt Hanau: Susanne Horn aus Nauheim; Elisabetha Pohl aus Fechenheim; Margaretha Bilz aus Großkrotzenburg. Aus dem Landrathsamt Schlüchtern: Catharina Lohmann aus Sterbfrih. Aus dem Land- rathsamt Fulva: Frau Theresia Schultheiß aus Fulda. Aus dem Landraihöaint Rotenburg: Elisabetha Braun aus Solz. Aus dem Landrathsamt Fritzlar: Catharina Steinmetz aus Großenenglis. Die Frau Schultheiß aus Fulva hat sich aus ihre eigene Kosten mit diesem Industriezweige bekannt gemacht und betreibt denselben nunmehr auch auf ihre eigne Rechnung. — Die übrigen Flechtschülerinnen erlernten die Kunst der Strohflechterei sowie die Fertigung von Fabrikaten aus Stroh auf Kosten ihrer Geincinve, und es wurden ihnen auch auf derer Kosten die erforderlichen Utensilien »»geschafft. — Die Wahl dieser Flechtschülerinnen war sehr günstig ausgefallen. Sie stanven in einem Alter von 17 bis 19 Jahren und waren mit hinlänglichem Talent, Begriffsvermögen und Strebelrieb viel erlernen zu wollen, versehen. Sie wetteiferten mit einander und keine wollte gegen die anbei e zurückbleiben und dadurch kam es, daß diese Mädchen aupeiordentlich viel gelernt haben. Wie aber dennoch die Fähigkeiten der Menschen in ihrer Wirksamkeit verschieben sind, so gab es hierbei auch Ausnahmen und es waren die Catharina Steinmetz von Großenenglis unv Susanna Horn von Nauheim diejenigen, welche das vorzüglichste Talent nachgewwsen haben. Dennoch hat die Sache zu Großenenglis nicht den ge- hofften Anklang gefunden, indem mir 'Catharina Steinmetz schrieb, cö hätten sich erst zwei Schülerinnen zur Erlernung der Kunst der strohflechterei gemelvet, während Begellunge» auf Fabriccuen aus Stroh aller Arten bei ihr gemacht mürben, so daß sie vollständig beschäftigt sei. Ich habe mich sogleich bei dem Kurfürstlichen Lanv- rathsaml zu Fritzlar verwendet, daß diese Stelle darauf gefällig einwirken möge, daß sich zu Großenenglis eine größere Anzahl Schülerinnen bei Erlernung der Kunst der Sirobflechterei beiheiligen möge, — oder daß diese Flechtmeisterin anderswo etwa zu Fritzlar zur Einführung einer Flechtschule verwendet werde. Das Kurfürstliche Landrathsamt ist auf meinen Antrag eingegangen und am 24. Januar wurde durch die Flechtmeisterin Kalha- na Steinmetz aus Großenenglis in der Stadt Fritzlar eine Flechtschule eröffnet. Zu Nauheim geht die Sache ganz gut. Ebenso macht dieselbe im Landrathsbezirk Schlüchtern durch die Flechtmeisterin Katharina Lohmann aus Sterbfritz ganz gute Fortschritte. DaS Lanvraths- amt zu Schlüchtern welches fortwährend mit mir cores- ponvirt hat die Sache selbst in die Hand genommen und überwacht solche. Welche Fortschritte die Margaretha Bilz zu Großkrotzenburg gemacht hat darüber bin ich noch ohne Nachricht. — Zu Fechenheim fand die Elisabetha Pohl bei ihrer Rückkunft aus der Filanda zur Eröffnung einer Flechtschule bei dem Gemeinverath keine Unterstützung. Derselbe wollte dazu kein Local einräu-