Hersfelder Anzeiger.
Nr». 15. Hersfeld/ den 22. Februar. 1854.
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Eagesbegebenheiten»
Wien, 14. Febr. Gestern ist von hier die Sa- nitäts-Compagnie, 280 M. stark, und eine sechs- pfündige Batterie mittelst SeparalzugeS an die Türkische Grenze abgegangen. Im Ganzen gehen von Wien zu dem Ovservalion^Corps zwei Brigaden der Division Paar.
Stuttgart. — Man scheint auch bei uns an das mögliche Eintreten gewisser Eventualitäten zu denken, dahin scheint wenigstens das Ausschreiben zur Lieferung mehrerer Tausend Mehlfässer von Seiten der Provianti- rungs - Commission einer süddeutschen Bundesfestung (Rastatt) zu zielen.
G o i h a. — Unsere Staats-Regierung hat, wie man vernimmt, auf Veranlassung der BunbeS-Versamm- lung dem hiesigen Contingents-Commandeur, demKöurgl. Preußischen Major v. Witzleben, den Befehl zur schleunigen Mobilmachung des Regimentes gegeben. Ein gleicher Befehl soll auch in den übrigen Thüringischen Staaten an die resp. Conlingenle ergangen sein.
Alten bürg. — In neuester Zeit ist von unserer Landes-Regierung die allere Verordnung erneuert worden, ^wonach bei allen Tanzvergnügungen die Zulassung der Schuljugend bei Strafe untersagt wird.
Schleswig. — Unter den für die Herstellung der Deutschen Kirchen- und Schul spräche auö un-. gefähr 46 oder 47 Kirchspielen des mittleren Schleswig an die Ständeversammlung gerichteten Petitionen, deren Unterschriften zwischen 20 bis 25 Tausend betragen sollen ist noch eine mit mehr als tausend Namen aus dem Kirchspiele Trcye an der Treene eingegangen. In derselben sagen die Bittenden unter Anderm: „Wir wis- sen, daß es in fast allen christlichen Ländern Vereine giebt, um das Evangelium in fernen Welilheilen zu verkündigen, daß^Boben dahin entsendet werben die vorher in der Sprache ver Heiden, die sie bekehren sollen, unterrichtet werden, gerade das Umgekehrte wie im Herzogthum Schleswig, indem hier das Volk genöthigt werden soll, erst die Sprache der Sendboten, die man ihnen in Kopenhagen bestimmt hat, zu erlernen. Wir wlsien aus dem Pfingst-Evangelium, daß der heilige Gesst die im Tempel' versammelten Jünger, von den verschiedensten Volköstämmen und Sprachen,' jeden in der
Sprache seines Volkes reden ließ. Wir können nicht glauben, daß Gott, der Wahrhaftige, Gefallen haben könne an einer Sprache, die uns nicht aus dem Herzen kommt, daß es ihm lieber sein sollte, sich auf Dänisch von uns verehrt und angebetet zu wissen, als in der Sprache, worin jeder seine Gefühle und Gedanken am besten und leichtesten auszudrücken versteht und die er täglich redet. Die Pflichten der Eltern und Hausväter erlauben uns nicht mehr, stillschweigend diesen der Verbreitung und Befestigung des Glaubens hinderlichen Neuerungen zuzusehen, wodurch die Kirche und Schule zu Werkzeugen politischer Parteien herabge- würdigt würden." In ihrem Kirchspiel sei, so lange das Christenthum hi^r geherrscht, kein Dänisch gepredigt, noch in den totalen gelehrt und selbst von den Wenigen in der Gemeinde verstanden, die bei ihrem Viehhandel mit den Jüilänvern die Sprache des täglichen Lebens derselben redeten.
Paris.— Die Nachricht, daß Louis Napoleon einen eigenhändigen Brief an den Kaiser Nikolaus gerichtet habe, wird jetzt von allen Seiten bestätigt. Die „Assemble nationale" theilt aus dem Inhalte desselben Folgendes mit: „Rußland und die Türkei unterhandeln ohne Vermittelung und Einmischung der vier Mächte, diese aber garaniiien der Pforte den eventuellen Vertrag zwischen ihr und Rußland, und die Donau-Fürstenthümer und daS Schwarze Meer werden zu gleicher Zeit geräumt. — Zu dem künftige» Erpedilions-Corps (für die Türken) wird die Armee in Algerien zehn Bataillone stellen. —
Rußland. — Die Russischen Garden werden in den nächsten Tagen aus Petersburg ausmarschiren.
— Nach zuverlässigen Nachrichten befinden sich die Türkischen Lanvestheile, in welchen die Griechische Bevölkerung überwiegend ist, wie Epirus, in vollem Aufstanve gegen die Türken.
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Amtliche- Bekanntmachungen»
Mehrere Gemeinden des Kreises sind bei der großen Anzahl von Armen und den jetzigen Theuerungs-Verhältnißen nicht in der Lage, ihren llaterstützungsbedürf- tigen so kräftige Hülfe zu leisten, als dies dringend er» forderlich er>cheint.