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äußerster Verzweiflung sümpfen. Dort wird jene Macht vernichtet, so baß kaum Einige übrig bleiben, um die unerhörte Nachricht zu verkünden."

Eine andere alte Prophezeihung sagt: Der Fürst, der jene große Schlacht schlagen wird, wird von Bremen (Dorf bet Wer!) nach der Haar (Anhöhe bei Wer!) rei­ten; dort wird er sein Ruhekissen fordern und mit seinem Fernrohr nach der Gegend des Birkenbaumes sehen und vie Feinde betrachten. Darauf wird er bei Hollum (Dorf bei Wert) »orbeireilen. Bei Hollum steht ein Crucifir zwischen zwei Lindenbäumen; vor diesem wird er nieverknieen und eine Zeitlang mit ausgestrecklen Ar­men beten. Darauf wird er seine Soldaten, die weiß gekleidet sind, in'ö Treffen führen und nach blutigem Kampfe Sieger bleiben. An einem Bache, der von Abend nach Morgen fließt, wird das Hauptmorden sein. Wehe, wehe Bucberg und Sondern in diesen Tagen! Nach dem Kampfe wird der siegreiche Feldherr in der Capelle zuSchaffhauscn an der Haar eine Anrede halten."

[Die Beilage zur Elberfelder Zeitung vom 8. Fe­bruar berichtet dieselbe Geschichte, als von einer Masse von Zuschauern bestätigt, fügt aber hinzu, der Recior Dencke zu Weil habe die Erscheinung für eine fata morgana erklärt. Dann hat wohl ein Militairmanöver irgendwo stallgefunken? da bei einer Luftspiegelung und das nur ist unter fata morgana zu verstehen roch offenbar ein sich abspiegelnder Gegenstand vorhanden sein muß.)

Rußland und Europa.

(Aus der Neuen Preußischen Zeitung.)

III.

Es bleibt noch übrig, von den Aussichten auf Er­folg zu sprechen, welche ein gegen Rußland zur See gerichteter Angriff darbietet. Begreiflich ist davon der schon berührte Fall ausgeschlossen, daß ein Hülfs-Eorps der W estmächte etwa bei Barna landet. Denn die Aufgabe desselben wäre nicht der Angriff (wozu es unter allen Umständen zn schwach), sondern lediglich die Unterstützung der Bekenner des Islam.

Rußland bietet nur zwei Punkte dar, wo ein solcher Angriff möglich: das L>chwarze Meer und der Finnische Meerbusen. Auf beiden kann nicht davon die Rede sein, dauernde Eroberungen zu machen, sondern f nur davon, in kürzester Zeit möglichst vielen Schaden anzurichten, was das Fortschleppen einiger gewonnenen Schiffe u. s. w. natürlich nicht ausschließl.

Bekennen wir von vornherein unsere Unwissenheit hinsichtlich der örtlichen Verhältnisse und Zustände am Ufer des Schwarzen Meeres. In welchem Grade die Etablissements für die Flotte desselben zu Seba- . stopol dem Feinde zugänglich sind, ob Landtruppen in beträchtlicher Zahl dabei ersotdert werden, ob ein Bom­bardement zum Zwecke führen kann, muß der Schreiber dieses Artikels dahin gestellt sein lassen. Wegen des

großen Anreizes, welchen aus cffenlicgcnden Gründen das Unternehmen für die Britische Regierung hat, erscheint eS sehr denkbar, daß sie ihre Streitmittel dazu verwendet. Sogar vie unmittelbare Unterstützung der Türken würde dagegen in zweiter Linie stehen, während diese das Einzige ist, was Frankreich vernünftiger Weise bezwecken kann.

Bekanntlich bildet im Finn ischen Meerbusen Kronstadt die Schutzmauer von Petersburg. Hier sind wir besser orientirt, denn sachkundige Ausländer haben es gesehen, so Latz wenigstens ein allgemeineres Bild seiner großen Widerstandsfähigkeit zu gewinnen ist. Rus» sischer Seus erachtete man von jeher den Platz unüber­windlich, wobei jedoch ein Zwischenfall eingetreten sein soll, dessen buchsiäbliche Wahrheit allerdings nicht ver­bürgt werden kann. Englische Flotten-Offiziere hatten angeblich einen Angriffö-Entwurs ausgearbeitet, mit ge­nauer Berechnung der erforderlichen Zeit und unvermeid­lichen Opfer, um die Eroberung herbeizuführen. Dieser Entwurf so versichern Wohlunterrichtete ferner, ward mit Absicht in die Hände des Russischen Monarchen gebracht und von ihm einigen Sachverständigen zur Prüfung über* geben, deren Gmachten dahin aussiel, daß nichts Wesent­liches dagegen cmzuwenmn sei. Freilich würde die Er­oberung von Kronstadt gewiß nicht die der Russischen Ostiee-Floue gewähren, denn wir sind fest überzeugt, daß äußersten Falles die Regierung oder der Nattonalstolz sie eher den Flammen Übergabe. Aber die Schöpfung Peter's des Großen wäre dann den Geschossen leichter Dampfboote bloßgestellt.

Manches Jahr ist seitdem verstricken und wahrlich nicht unbenutzt für die größere Wahrhaftigkeit des Platzes *), so daß dahinsteht, ob jener Entwurf heut noch ausführbar sei. Nehmen wir indeß daS Schlimmste an und fragen: was dadurch erlangt werbe. Zunächst ein empfindlicher materieller Nachtheil für Rußland und zugleich ein moralischer von kaum kleinerem Gewicht, denn die thcilweise Verwüstung der Hauptstadt würde im ganzen Reich den peinlichsten Eindruck machen. Da­mit sind aber auch die Folgen des Unternehmens er­schöpft, und man gedenkt der Worte:Doch dieses Un­geheuer hat zweimal nie gedroht", denn von einer blei­benden Stätte für den Sieger kann begreiflich nicht die Rede sein. Die Engländer würden absegcln, die Russen wieder ausbauen und der Kaiser seinen'Weg nach wie vor gehen.

Betrachten wir schließlich einen Augenblick lang die Kehrseite, das Mißlingen des Unternehmens, noth­wendig mit höchst bedeutendem Verlust deS Angrcisenden verknüpft. Eine Lection, welche die ganze Welt dem übermüthigen John Bull von Herzen gönnen würde, die ganze Welt, mit Ausnahme unserer bornirten Russenfresser.

) Im Jahre 1852 näherte sich der Bau eines mitten im Meere fundamentirten Vorwerks seiner Vollendung.