Hcrsfelder Anzcig er.
Nr. 12. Hersfeld/ den 11. Februar. 1854.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Referendar Freiherr« Ernst von Dörnberg, zum Legations-Sekreiar bei der Kurfürstlichen Gesandtschaft am Kai- serlich Königlich Ocsterrcichischen Hofe zu ernennen, — den bisherigen HülfS - Expedienten Theodor Günther zum Kanzlisten bei der Kurfürstlichen LundcSmgS-Gesandtsebaft zu ernennen, — dem Kammerrathe von Start, zu Horzowiß den Rang in der 5. Klasse der Rangordnung zu ertheilen.
dem KönigliUt HannovcrsLen Geheime Regierungsrath Dr. Nie per das Ritterkreuz des Kurfürstlichen Wilhelms-Ordens zu verleihen,
den Ooerstlieutenant Bxandau, Plastmajor zu Hanau, zum Commandanten des Jnvalidenhauses zu CarlShafen zu ernennen, — den Haupimann von Bardeleben vom 2. Infanterie-Regiment zum Leibgarde-Regiment zu versehen, sowie — den Haupimann Hornung, aggregirt dem 2. Infanterie-Regiment, in demselben einrangiren zu lassen.
Die jüngste KarLoffelernHte und -as Mnfchienenwefcn.
(Fortsepung.)
In dem letzt besprochenen Punkte, die gediegenere Verbesserung der schon bearbeiteten Ackerstücke, und die möglichste Vermehrung derselben durch neue zu cultivirende (urbar zu machende) betreffend, sind wir wohl etwas ins Einzelne gegangen; und es könnte dieS hier und da für Kleinigkeüökrämerei gehalten werden. Vergißt man aber hierbei nicht, an die Zukunft zu den» ren, und blickt man den ganzen Sachverhalt auch nur emlgerwaßcn tiefer durch, so wird man leicht zu der Ueberzeugung gelangen, es sei nicht ein Wort zu viel gesprochen. —
Nehmen wir nun an, die erforderliche, nachdrücklichere Verbesserung, sowie die erreichbar gewesene Vermehrung des tragbaren Bodens sei wirklich erfolgt, so wird es sich hiernach um die andere Frage handeln: welche Gewächse sind in g ^vßerer Menge darauf zu ziehen, die nicht nur im Stande sind, den zu befürchtenden Aussau an Kartoffeln am ersten zu ersetzen, sondern Überhaupt eine Mehr-Ausbeute an gesunder und fräs» itgei Nahrung zu gewähren? Diese, gleich der oben berührten ersten Frage (über Melioration rc.) wird zunächst und am geeignetesten von den landwirthschafllichen und
Oeconomen-Vereinen in die Hand zu nehmen sein. Den Vereinen dieser Art, die sich nach der in 1848 erfolgten Aufhebung des Staals-Landminhfchaflsvereins mehr pri- vattm auch im Kurstaate constiluirl haben, würde dadurch namentlich die sicherste Gelegenheit gegeben werden, die oft genug gehörte Ausstellung: von dem Wirken dieser Vereine j ü r das Allgemeine, insbesondere aber für den eigentlichen Bauernstand, sei bis dahin noch wenig oder gar nichts kund gcwoiden", thatsächlich zu widerlegen. Selbst die unausgesetzten Bestrebungen ocS Staates zur Unterstützung der Armen und Hülfsbedürsligen würden sie dadurch wesentlich fördern. Von welch großer Bedeutung der fragliche Gegenstand durchweg bleiben wird, so lange die Karwffelkrankheit nicht gänzlich verschwunden ist und die früheren vollen Ernelen' wieder da sind, geht unter andern auch daraus hervor, daß nach ganz neuerlichen Ermittelungen von Verwaltungs- Bedörven in verschiedenen Slaaien über die vorhandenen Borrälhc, eine sehr große Anzahl von Familien, ja mit Ausnahme weniger Hauöhälie, sogar ganze Ortschaften, schon seit Weihnachten gar keine Kartoffeln mehr haben! (z. B. in dem K. Pi russischen LandrathSbezük Schleu- ßlngcn, am Thülinger Walce.) Wir mietet holen deshalb, Jeder, der hier irgend zu wirken vermag, der Halle damit nicht zurück!
WaS unsere bescheidene Meinung betrifft, so würde sie dahin gehen, daß für die hiesigen und die benachbarten Gegenden absonderlich die Zucht der Wurzel- und Knollen-Früchte, der eßbaren Rüben jeder Art, der Bohnen und vergl. noch ungemein zu erweitern und zu fördern wäre. Die Einen wie die Andern liefern wegen ihres Schleimzuckers, Stärkemehls :c. bekanntlich eine nahrhafte und sättigende Speise; unv erst vor Kurzem noch machte die Dorfzeitung auch wiederholt auf die Bereitung eines aus zwei Theilen vieler oder jener Rüben- Art, und aus einem Theil Kornmehl bestehenden BroveS aufmerksam. Wirklich wird dieses Brod längst schon, so in einigen Gegenden Frankens, in vielen HauShälten zubereitel, und von manchen Leuten, vornehmlich von Kindern, häufig noch lieber gegessen, als das reine Kornbrod. Hinsichtlich der Bohnen dürfte wohl vor Allem eine vielfältigere Pflanzung der so nahrhaften Busch-, Lauf- oder Grupv-, und dann noch der kleinen Zucker- Bohnen zu empfehlen sein; in welcher Zucht sich gewisse Orte, z. B. Witzenhausen, Erfurt, Ba.tbergZw. so vor-