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Hersfelder Anzeiger.

Rr^ 6t Hersfeld, den 21. Januar. 1854*

Der »Hers selber Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expe« bitten (.Neumarkt No. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postausschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Ernennntigen und Beförderungen.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Generalmajor von Kaltenborn, Commandeur der 1sten Infanterie-Brigade, zum Generallieutenant und DivisionS- Commandeur der Infanterie, auch zugleich zum interimistischen ersten Commandanten der Residenzstadt Cassel zu ernennen,

den Kreissecretar Anton Huck zu Gclnhauscn zum Regie- rungs-Assessor und ordentlichen Referenten bei der Regierung in Marburg zu ernennen,

dem Phystkus Dr. Bauer zu Hers selb das erledigte Physt- cat für die Amtsbezirke NenterShausen und Sontra zu übertragen, den zu der Pfarrei Schwarzenborn in der Klasse Neukirchen präsentirten Candidaten Johannes Muhl aus Christerode zu be­stätigen,

den Mcdizinalrefercntcn der Regierung zu Kassel Geheimen Hofrath und Geheimen Ober - Medicinalrath Vr. Waldmann auf fein allerunterthänigstcs Nachsuchen wegen zurückgelegten 70. Lebensjahrs in den Ruhestand zu versetzen.

Den Landrath S ch effe r zu HofgeiSmar mit der Versetzung der Brunnen«Direktion am Bade HofgeiSmar zu beauftragen und

dem Ober-Finanz-Assessor Rommel zu Kassel die Stelle eines Brunnen-Direktors am Bade Nauheim als Nebenstelle zu übertragen.

Bm MontuS Euxinus. *)

Endlich sind die Flolten-Abtheilungcn Englands und Frankreichs in das Schwarze Meer eingelaufen. Darüber hoch erfreut, macht die Demokratie hinsichls ih­rer dortigen Zwecke und Aussichten mannichfache Con- jecturen, und allerdings lohnt eS der Mühe, zu erwägen, wohin dieser wichtige Schritt führen kann.

Sollen dieEscadren nicht abermals ein stillbeschau- liches Leben führen, wie in der Besika-Bai, so kann von ihnen Folgendes geschehen: 1) Man bestimmt eine Linie, welche von den Kriegsschiffen beider Parteien nicht überschütten werden dürfe.' 2) Man hindert die Russen am Angriff türkischer Häfen oder Küstenpunkte. 3) Man escortirt und vertheidigt die Seetransporte der Osmanen. 4) Man blokirr oder bewirft Sebastopel.

*) Pontus Eurinus, d. h. das gastliche oder wirthliche Meer, nannten die Alten das Schwarze Meer, seitdem es griech. Colonien an seinen Küsten gab, während es früher Axenos, wegen der häufigen Stürme und Seeräubereien, hieß. D. Red.

In jedem dieser vier Fälle scheint ein entschiedener Bruch mit Rußland unvermeidlich. Kaiser Nikolaus ist wahrlich nicht durch Drohungen einzuschüchtern, er wird sicher seine Flotte des Schwarzen Meeres anweisen, daß sie der Gewalt Gewalt^ entgegensetze, und ebenso sicher wird die Marine ihre Schuldigkeit thun. Möglich, daß die Uebermachl ihr den Sieg entwindet, aber gewiß mit empfindlich. n Opfern für die Sieger, welche dann allenfalls Sebastopel bombardiren. Das kann großen Schaden verursachen, jedoch unmittelbar kein militärisches ytefultat herbeiführen. Wichtiger wäre das mittelbare, baß die Russen beim Vorgehen südlich der Donau den Transport der vielfachen Armee-Bedürfnisse zu Wasser entbehren müßten.

Auch von Landungstruppen sprechen die Weisen der Tagespresse, und ihre kühnsten Geister sehen bereits 70,000 Franzosen tn der Bulgarei. Diese guten Leute wissen nicht, daß noch niemals ein so starkes Heer gleichzeitig eingeschifft worden ist, sie haben gar keine Ahnung davon, was es bedeutet, nur die Hälfte jener Zahl mit altem Zubehör von Toulon nach Santa zu bringen. Schwerlich werden im äußersten Falle mehr als 30,000 bewaffnete Vermittler dort erscheinen, schon weil England nicht davon abgehen dürfte, die Hälfte derselben zu stellen. Einstweilen kann aber das große Britannien nur höchstens 15,000 Mann entsenden.

Eine Reserve von 30,000 guten Soldaten ist im­merhin nicht zu verachten, obwohl'die gleiche Zahl Rus­sen den Kampf mit derselben gewiß nicht zu vermeiden braucht. Zndeß scheint unmöglich, Das dieses Hülfs- Corps vor Ablauf zweier Monate die Westküste des Schwarzen Meeres erreiche. Während dessen kann gar mancherlei geschehen, und es wäre Kannegießerei, jetzt bereits die sodann denkbaren Eventualitäten' zu erörtern.

(N. Pr. Ztg.)

Eagesbegsbenheiten»

Wien. Der protestantischen Gemeinde zu Also-Nana in Ungarn ist vom Kaiser zum Aufbau ihrer Kirche eine Unterstützung von 1000 fl. bewilligt worden. Man spricht, wie der Allgemeinen Zeitung geschrieben wird, von derMobilifirung eines Corps von'30-40,000