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gehoben, war vor dem Altar aufgestellt. Se. Majestät Der König, die Königlichen Prinzen und die sonstigen hohen anwesenden Personen näherten sich demselben und hörten stehend den Segen, der von dem katholischen Feld­propst Mencke unter Assistenz des Militär-Pfarrers Kraus gesprochen wurde, zu. Nach beendigter Feierlichkeit und nachdem Se. Majestät den Befehl zur Abführung gege­ben, traten 12 Unterofficiere vom Garde-Reserve-Jnfan- lerie-Regiment mit umflorten Helmen vor, nahmen den Sarg auf und trugen ihn herab zum Leichenwagen. Der Wirbel gedämpfter Trommeln gab dem Sarg den düstern Ehrengruß, und die vor der Kirche in der Neuen Fried- richsstraße und in der Burgstraße ausgestellten Truppen prücntirtcn das Gewehr. Die Allerhöchsten Herrschaften begleiteten den Sarg bis vor die Kirchenthüre. Hierauf setzte sich der Zug in folgender Ordnung in Bewegung: voran die militärische Trauerparade, commandirt durch den General-Major v. Kropff und bestehend aus dem Trompeter »Chor des Garve-Dragoner-Regiments, 1 Es­cadron Garde-Dragoner, 1 Escadron 2. Garde-Ulanen- Regiments, ferner "dem Musik-Chor des Garde-Reservc- Jnfanterie-Regimems und dem 1. Bataillon dieses Re­giments, dem "Musik-Chor des Garde-Artillerir-Regiments und 6 Geschützen desselben Regiments. Die chaine am­bulante war auS 200 Mann vom Garde-Schützen-Ba­taillon gebildet. Diesen zunächst folgte der Leichenwagen, vor welchem der Oberst-Lieutenant v. Holleben, Adjutant der General-Jnspection des Militär-Erziehungs- und Bilvungsmesens, unter Assistenz von 2 Officieren resp, von der Kriegslchule und dem Cadettencorps die Orden deS verewigten Generals trug. Der Leichenwagen war mit sechs Pferden bespannt; auf ihm befanden sich die Epaulettes, die Schärpe, die Handschuhe, der Degen und der Helm des Verewigten. Ein Chorknabe mit dem Crucifix in den Händen ging dem Leichenwagen zunächst voran. Zwei andere Chorknaben folgten unmittelbar dem Sarge. Hinter demselben wurde das Leibpferd deS Ver­storbenen geführt. Hierauf folgte der Feldpropst Mencke mit Pfarrer Kraus nebst Küster; die katholische Geistlich­keit, dann die Söhne deS Verewigten, geführt von dem General der Cavallerie von Wran'gel und des Herzogs Wilhelm von Mecklenburg Hoheit. Es folgte die Gene­ralität, die Officiere der Garnison, corpsweise nach der Anciennetät ihrer Truppentheile, die Officiere der Kriegs­schule, der Artillerie- und Ingenieur-Schule, sowie die Cadetten und die ganze große Zahl aller Derjenigen, die sich der Trauerseier angeschlossen hatten, sämmtlich zu Fuß. Hieraus eine bedeutende Anzahl von Trauerwagen, welche dem Zuge folgten, voran die Equipage Sr. Maj. des Königs, die Sr. Königl. Hoheit des Prinzen von Preußen, so wie die der übrigen Prinzen KK. HH.ZDer Zug nahm seinen Weg z_übcr die Neue Frredrichsbrücke am Dom entlang über die Schloßbrücke, die Linden hin­unter bis zur Wilhelmsstraße, in diese einbiegend biö zur Anhaltstraße uuv dem ASkanischen Platz. Um die Passage möglichst frei zu halten, waren in den genannten Straßen

und auf den Plätzen Schutzleute postirt. Auf dem Aska- nischen Platze angekommen, marschirte die militärische Cortege auf. Der Sarg wurde wieder wie früher, von 12 Unter officieren in Empfang genommen und durch das Thor links nach dem Bahnhöfe in einen daselbst bereit stehenden, mit Trauerflor und Mousselin decvrirten Wa­gen, der die Chiffre v. R. trug, gebracht, während die Truppen wieder wie an der Kirche unter gedämpften Trommelschlag präsentirten. Der Sarg wurde noch mit dem Zuge um 6^ Uhr nach Erfurt gebracht, wo die An­kunft um 3 Uhr Morgens erfolgen sollte. Die Beerdi­gung mit militärischen Honneurs sollte von Seiten der "dortigen Garnison am 5. d. M. Vormittags 10 Uhr erfolgen. (N. Pr. Ztg.)

Erfurt, 5. Januar. Heute Morgen um 9 Uhr verkündete das Domgeläute mit der großen Glocke den Beginn der Leichenfeierlichkeiten für den verewigten Ge­neral-Lieutenant v. Radowitz. Die Leiche war Mor­gens um 3 Uhr auf dem Bahnhöfe angekommen und eine Ehrenwache, welche das Artillerie-Regiment gab, dort aufgestellt. Seil 6 Uhr war der Sarg in den Königs- zimmern ausgestellt, wo der Militär-Geistliche, Dom- Pfarrer Crone, die Erequien hielt. Um 9 Uhr fand die Kirchen-Parade vor dem Bahnhof statt. Die Parade commandirle der Brigade-General, General-Major von Willisen. Den Leichenzug eröffnete eine Schwadron vom 6. Ulanen-Regiment, dann folgte das 1. Bataillon 31. Infanterie - Regiments und eine Batterie des 4. Ar­tillerie-Regiments. Dem Leichenwagen, der von Unter- officieren geleitet wurde, ging die gesummte katholische Geistlichkeit voran. Zwei evangelische Militär-Geistliche folgten hinter denselben. Der Platz-Major, begleitet von zwei Officieren der Garnison, trug die OrdenszeichenZws verewigten Generals auf einem schwarzsammetnen Kissen. An der Spitze des langen Zuges der Leidtragenden führte der General-Lieutenant von V. den Sohn des Ver­storbenen ; ihm folgten alle Regiments-Commandeurs und das gesammle Offizier-Corps, alle Civilbehörven und viele Andere. Adjutanten Sr. K. H. des Großherzogs von Sachsen-Weimar und Sr. H. des Herzogs von Sachsen- Koburg-Gotha gaben im Namen ihrer Souveraine dem verewigten fGeneral das letzte Geleite. Der Zug ging über den Anger durch die Krämpfncrstraße nach dem Augustiner-Kirchhofe, wo das Grab bereitet war. Die Rede am Grabe hielt der Dompfarrer Crone. Das 1. Bataillon des 31. Infanterie - Regiments gab die Ehrensalven über dem offenen Grabe, während der Don­ner der Geschütze vom Wall herüberlcholl.

Vermischtes.

Prag. Ein aus Sachsen gebürtiger, schon seit längerer Zeit in Böhmen ansässiger, in der Eisengießerei des Herrn Breitfelo istDobrzisch angestellter Schlosser- gesell hat mit seinem noch in Sachsen lebenden Bruder