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Am andern Tage nach diesem Geständniß wurde er von dem Bürgermeister verhört, vor sdem er einfach erklärte, er habe seine Aussagen vor Zeugen gemacht, man solle diese hierüber vernehmen. Sofort wurde er verhaftet und die weiter angestellteN Nachforschungen sollen das Verbrechen bestätigen. Schreckliche Gewissensbisse folterten den Geständigen, und bei der neulich in Konstanz vollzogenen öffentlichen Hinrichtung der Gattenmördcrin soll eeren reuemüthigcr Sinn einen besonderen Eindruck auf ihn gemacht haben.
Paris, 5. Jan. Die Localblätter bestätigen die Unterdrückung des Jesuiten - Collegiums Saint Michel. Die Schüler hatten sich legitimistische Demonstrationen und die Direction den Fehler sich zu Schulden kommen lassen, nicht eingegriffen zu haben und trotz der Aufforderung der Behörden nicht eingreifen zu wollen. — Bei dem Empfange in den Tuilericen waren neulich von 800 eingeladenen Damen nur etwa 200 erschienen; als Haupt- Ursache giebt man den als unerläßlich vorgeschriebenen Schleppmantel an. — In den Tuilerien fand ein Kaiserliches Familien-Diner statt, bei welchem alle Prinzen, auch Prinz Murat, zugegen waren. Man erlaubte einer großen Anzahl Personen, an der Kaiserlichen Tafel vorder zu gehen und die Majestäten speisen zu sehen. Es ist das erste Mal, daß diese Hofsitte erneuert wird. — Man spricht abermals von Absendung eines Truppen-Corps von 60,000 Mann nach der Türkei unter den Befehlen des Marschalls St. Arnaud. Gleichzeitig würde dann auf Candia unter den Befehlen des Generals Canrobert ein Reserve-Corps sich anfstellen. (?) — Zu Dijon sind die Mitglieder eines vorgeblichen Bundes, der sich den Bund der „wahren Rächer der Demokratie" nannte und in den Grotten von Asnieres heimlich zusammenkam, lauter 18- bis 20jährige Bursche, zu mehr oder minder bedeutenden Gefängniß- oder Geldstrafen vcrurlhellt worden.
— 7. Januar. Der heutige „Moniteur" enthält ein Kaiserliches Decret, wodurch die zweite Hälfte der Mili- tairpflichtigen von 1852 unter die Muffen berufen wird, um die Zahl der vorhandenen Mannschaften mit den dringenden Bedürfnissen des Dienstes in Einklang zu bringen. (40—50,000 Mann etwa.)
— Das Interesse, das hier zunächst in katholischen Kreisen der Badische Kirchenstreit erregt, ist groß und warm. Die Adressen der Bischöfe und anderer geistlichen Gewalten an den Erzbischof von Freiburg dauern fort, die Sammlungen für ihn und für die Priester steigen; diejenige des Univers beträgt bereits mehr als 14,000 Fr.
Madrid, 5. Januar. I. Mau die Königin von Spanien ist von einer Prinzessin glücklich entbunden.
Asien. Auf die Autorität des „Christian Jntclli- genccr" hin veröffentlicht „Allan's Jnvian Mail" eine seltsame Geschichte, die ein Offizier von einem Missionar erfuhr: „Ein Mann swar nach Peschawer gekommen, welcher erklärte, er gehöre zu einem christlichen Volke, etwa 18 Tagereisen von Kabul. Es bewohne
12,000 Dörfer, von denen jedes 200 Soldaten stelle, und habe Kirchen, Geistliche, Bischöfe und die Schrift; das Volt sei so hellfarbig wie Europäer. Der Mann war ausnehmend begierig nach Streitschriften gegen die Moslems, mit denen sein Volk im ewigen Kriege lebe." Die Zahlen sind augenscheinlich übertrieben, aber es ist nicht unwahrscheinlich, daß eine der nestorianischen Kirchen noch im Innern der Tartarei vorhanden ist.
Bom ruffifch-türkischen «Kriegsschauplatz.
Odessa. Dirccte Nachrichten aus Tiflis vom 13. December bestätigen die Bedeutung der letzten Siege der Russischen Waffen in Asien. Nach dem letzten Bericht des Fürsten Bebutoff wird der Verlust der Türkischen Armee an Todten, Verwundeten und Ausreißern auf 12,000 Mann angegeben, während der Rest nach allen Seiten in wilder Flucht begriffen war. Nachdem der Seriasker Abdi Beg nach seiner Niederlage sich nach Kars begeben hatte, übernahm anstatt seiner der Pascha Reis Achmed das Commando. Die benachbarten muselmänischen Stämme eilen, den Russischen Befehlshabern ihre Unterwerfung anzubieten und sich ihren Unternehmungen anzuschließen. So haben sich im Laufe der letzten Zeit außer dem Sand- schak Poshof-Tschai auch jene von Arvagan und Tschildir den Russen unterworfen. Nachträglichen Berichten aus Konstantinopel entnimmt man, daß auch Mustapha Pascha, der Commandant der Türkischen Landungs- Truppen, bei der Seeschlacht von Sinope umgekommen ist, und daß der Verlust der Türken bei dieser Katastrophe im Ganzen größer sei, als er anfangs angegeben wurce; denn nach ziemlich authentischen Berichten wird derselbe in Konstantinopel selbst auf 6000 Menschen geschätzt.
Leichenfeier für Den General v. Radowitz»
Berlin. Am 4. Jan. Nachmittag halb 3 Uhr wurden die sterblichen Ueberreste des General-Lieutenants v. Ravo- witz von der Garnisonskirche nach dem Anhaltischen Bahnhöfe geleitet, um von dort aus, nach dem letzten Willen des Verewigten, in Erfurt zur Ruhe bestattet zu werden. Ueberaus zahlreich war die Betheiligung bei dem Trauerzuge, bei welchem die Armee, die Diplomatie, die Legislatur, die Wissenschaft und die Kunst in gleich glänzender Weise vertreten waren. Se. Majestät der König, alle hier anwesenden Prinzen des hohen Königlichen Hauses, die Führer des Heeres, die Minister als ehemalige Amtsgenossen des Verewigten, fremde Gesandte und Officiere, so wie höhere Staatsbeamte aller Branchen, Männer der Wissenschaft und Kunst, unter ihnen Alexander v. Humboldt u. A., und Viele, die nur die innigste Theilnahme herbeiführte, waren in der Garnisonkirche, wo die Leiche eine vorläufige Beisetzung gefunden, versammelt. Se. Majestät der König hatte dem Verstorbenen zu° Ebren die Artillerie-Uniform angelegt. Der einfache schwarze Sarg, vorher aus dem Gewölbe