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vier Mächten über die Bedingungen zur Wiederherstel­lung des Friedens zu unterhandeln.

Wien, 1. Januar. Nach vei lässigen Nachrichten aus Konstantinopel vom 24. Decbr. sind die Vorschläge der Mächte acceptirt. Die Pforte willigt in einen Waf- fensiiUstanv und Absendung eines Bevollmächtigten. Die Flotten sind ausgelaufen.

Man will hier von einer Schlacht bei Batum triften.

Krajova, 19, Decbr. In und um Krajova ist Alles Kriegsgelümme; die Vegsamkeit, die bisher nur in den höheren Militärs eisen sich kundgegeben hatte, er­füllt seit einigen Tagen die ganze, hier und in der Um# gegend lagernde Heeresmasse. Es ist für Niemanden mehr ein Geheimniß, daß für die nächsten Tage ein ent­scheidender Schlag gegen die rings umKalafai sich fort­während verstärkenden Türken vvrbereilct wird. Lpital- requifiten sind in großen Mengen herbeigeführt worden, und die geeigneten Näume zur Unterbringung von Kran­ken und Verwundeten werden bereits vollständig herge­richtet. Gestern wurde der Namenstag Br. Majestät des Kaisers von Rußland hier auf's Festlichste, man darf sagen, auf das Feierlichste begangen.

Die jüngste «KarLostelern-Le und -as Maschienenwefen.

(Fortseßung.)

Die Erfahrungen des täglichen Lebens sowohl, wie die Offenheit, mit welcher die vorhin erwähnten Ertaste, Aufforderungen unv Darstellungen der Behörden, den allgemeinen WrlbftanD betreffend, gegeben werden, lassen leider keinen Zweifel darüber zu, daß die Anzahl derer, welche öffentliche Unterstützungen in Anspruch nehmen, sich fortdauernd eben so mehrt, wie die Mittel zu die­sen Unterstützungen sich mindern. Diesem ungemein wichtigen Umstände gegenüber darf man aber, ja man muß mit vollem Rechte die Frage aufwersen:sind denn nun auch Alle, die dergleichen Unleistützungen bean­spruchen, deren vollkommen würdijg und wirklich be­dürftig?" kaum zu reden davon, ob sie Das, was mit so vieler Fürsorge von den Staats- und den Gemeinde- Behörden, wie überhaupt von der öffentlichen und pri- vatlichen Mildthätigkeit, für sie geschieht wenigstens dank­bar anerkennend Wir sind in der Lage, das Eine, gleich dem Andern, in Abrede zu stellen; und damit man uns nicht beschuldige, wir sprächen von der Sache wie der Blinve von der Farbe so wollen wir unsere Behauptung gestützt auf zahlreiche Wahrnehmungen, auf Erfahrungen aus dem Alltagsleben, wie sie sicher nicht jedem Andern zur Seite stehen durch folgende, nur kurze, aber völlig wahrheitsgetreue, Darstellung begründen.

Unter der großen Masse Derjenigen, die überhaupt

als Hülfsbedürftige gelten, giebt es zu Stadt und Land eine stark nummerine Classe von Menschen, die zwar auch, gleich allen klebrigen, weder säen noch ernoten, die sich aber von diesen absonderlich dadurch unterschei­den, daß sie mit einer gewissen Anmaßung, ja meist in Welse, als ob sie das größte Recht' dazu hätten, verlangen, daß man sie dennoch ernähre. Ihrer gar viele sind noch recht gut arbeitsfähig, mit seltenen Ausnahmen aber arbeitsscheu; und zur Entschul­digung oder förmlichen Wegläugnung dieser Arbeitsscheue geben sie vor, sie könnten 'keine Arbeit bekommen. Nicht einmal für sich selbst mögen sie etwas thun; lieber bum­meln sie müßig und bettelnd entweder in den eigenen Wohnorten umher, ocer sie ziehen mit Tagesgrauen nach den benachbarten, häufig in weit entlegene Dörfer und Flecken aus, um die Bauern zu contribuiren. Auf die­sen Ausflügen insbesondere muß man sie nun beobachtet haben, wie sie sich in ihren Reden gehen lasten, um zu der Ueberzeugung zu gelangen, welche Ansichten und Begriffe dieses Völkchen von den Verpflichtungen hegt, die Staat, Gemeinde, und die bemittelteren Privaten, gegen dasselbe, zu erfüllen haben sollen. Daß, wenn 'seine Subsistenzmittel zur Neige gehen oder schon dahin gegangen sind, der Staat oder die Gemeinde für sein weiteres Fortkommen sorgen müßten, dieses ver­steht ft$_bet ihm ganz von selbst. Vor allem aber ist es der «taat, welchen diese Leute als ihren wahren Sünvenbock betrachten; und wäre eS möglich, sie würden nichts Geringeres verlangen, als daß er aus Steinen Brod mache, oder mindestens dafür sorge, daß ihnen der nöthige Bedarf an Nahrungsmitteln rechtzeitig ins Haus geschickt werde. Steigern letztere im Preise, so soll der Staat sofort ein schreiten; er soll dendicken" Bau­ern geradezu verbieten, ihre Früchte rc. theuerer alS etwa in besseren Zeilen zu verkaufen; er soll, wenn der Laib Brod 8 oder 9 Sgr. kostet, den Bäckern kurzer Hand eine Tare von 5 Bgr. geben re. Wo es herkom­men, unv wie das Alles möglich gemacht werden soll, das kümmert jene Leute natürlich nicht im Entferntesten. Noch viel weniger aber ist bei ihnen jemals von irgend einer Gegenleistung ihrerseits die Rede; und'wer es in dieser Hinsicht nur zuweilen mit dieser oder jener selbst leichteren Arbeit mit ihnen versucht hat, der wird uns sicher vollkommen Recht geben. Am schlimmsten gehen sie übrigens mit den Bauern um, weil sie in den Dörfern den Arm der Polizei eben nicht fürchten. So lang man ihnen da giebt, sind sie ganz artig, fromm und freundlich, ja meist die Demuth selbst; werden sie aber abgewiesen, dann heißt es:ver reiche Dickkopf", »wer Filzdrache",die langhärige Pudelmütze",die alte Setzwaage" rc.,?ie fliegen auch noch ihren Lohn, daß sie der Armuth das Herz nicht ansehen",den fressen die L..se auch noch"; und was dann dergleichen Com« plimenie mehr sind, die sich immer sehr vernehmlich hören, und in der That gar nicht selten noch einen Anstrich aus den 1848er Jahren ei kennen lassen, in de-