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davon würde sein, daß wir mit Auftrag meineidige Schurken sein dürfen, und daß eö an solchen Aufträgen nicht fehlen würde, dafür bürgt der Name Hassenpflug zur Genüge. Außerdem macht Hr. Obermüller bei dieser Gelegenheit die überraschende Entdeckung, daß „der Offizier Aussprüche von Gerichten (also auch Auditoratö - Erkenntnisse u. s. w.) durchaus nicht anders als eine Privatmeinung zu be- achten habe." Denn, heißt es weiter unten, „das eigne Urtheil wird entscheiden müssen und daS: Selbst ist der Mann, sollte besonders für den Offizier gelten." Wenn das nicht die gotteslästerlichste Anarchie ist, welche je gepredigt wurde, dann wollen wir Hrn. Hassen- Pflug in Zukunft für einen rechtschaffenen Mann und Hrn. Obermüller für einen politischen Charakter halten. Unsere Offiziere aber mögen daraus erkennen, waS sie von einer Regierung zu erwarten hätten, die sich nicht entblödet, ihnen durch ihr offizielles Organ derlei Niederträchtigkeiten anzumuthen.
Hieran schließen sich sehr uninteressante Kammer- und Hofartikel auS Stuttgart, natürlich in Frankfurt fabrizirt, in denen der Steuerbewilligung gebührende Rechnung getragen und die am 10. erfolgte Abreise deâ Königs nach Bregenz zum Rendezvous mit dem Kaiser von Oesterreich und König von Baiern gemeldet wird. — Darauf geht es an Kassel, und zwar faustdick. Hr. Obermüller, welcher sich trotz der polizeilichen Ausweisung einige Tage vagabondirend hier herumgetrieben, hat in aller Eile bemerkt, daß sich bei uns Bürger und Landleute haufenweise nm die öffentlichen Kassen schaaren, ohne mit dem besten Willen ihrer Abgaben loS zu werden." DaS heißt doch gleich ordentlich gelogen. Nachdem sich nun noch die überflüssige Mühe genommen ist, den Steuerverweigern die Illusion der preußischen Hülfe darzuthun, verleumdet Hr. Obermüller unser Ofsizier- korpS weiter, indem er ihm nachsagt, daß diejenigen, welche ihren Abschied eingereicht „endgültig noch nicht auâ dem Dienste getreten seien, und hört man unter 4 Augen von gar vielen unter ihnen ganz andere Ansichten äußern, als die, welche sie aus mißverstandenem militärischen Ehrgefühl in Gesellschaft ihrer Kameraden zur Schau tragen zu müssen glauben." Welch' ein Grad von Gesinnungsgemeinheit gehört wü dazu, um solche Erbärmlichkeiten ehrenwerthen Män- nern zuzutrane»^/— AuS Marburg wird naiv genug über daS dürftige Abonnement' j^r,,Kassl. Zeitg." geklagt; „wenn nur die Regierung wieder in Kaffèk^rst-re^dann soll'S besser werden. Darauf etwas über den Sturm von Friedrichstâbr'a!w-d<L^Kreuzzeitung ", octrvyirteS Wahlgesetz aus Darmstadt, SchleSwig-hölstâsch^-Nachrr'ch- ten unter „Vermischtes" und einer von den 4 Briefen der Hornisse an Se. königl. Hoheit!!! Wenn Hr. Obermüller mit diesem Briefe für den Kurfürsten und Hrn. Haffenpflug glaubt Propaganda machen zu können, so liefert dies einen neuen Beweis für feinen publizistischen Unverstand. Mit diesem Briefe agetirt er für unS. UebrigeuS bedanken wir uns für die gütige Verbreitung, obgleich dieselbe kaum noch nöthig sein dnrfte, denn wir können den Zeitungsschreibern in Wilhelmsbad zu ihrer Beruhigung mitheilen, daß die sraglichen Briefe in 16,000 Exemplaren verkauft und vergriffen sind. — Sonst nichts. Und daö soll eine Zeitung sein!!
Ä Fulda, 11. Okt. — Wahrscheinlich haben Sie schon auf an- dercm Wege erfahren, daß sich daS hiesige Offizierkorps dem Schritte seiner Kollegen zu Kassel einstimmig angeschlossen hat. DaS ist passiver Widerstand! In einer Zeit, wo jede Stunde dem Manne der Freiheit neue Gefahr bringt, lohnt sich'S grade nicht der Mühe, lange zu kritisiren und zu hadern. Aber eS scheint uns nicht, daß daö ein Kampf für die Verfassung sei, wenn man den Degen wegwirst, der den Feind derselben vernichten sollte. (Die Offiziere selbst stellen diesen Schritt auch nur als einen Akt ihres Gewissens dar. Die Red.)
0 A«s Sberhesfen, 11. Okt. — Es wird von Interesse sein, wenn ich Ihnen aus dieser wegen ihrer Wühlerei so verrufenen Gegend melde, daß hier daS Muckerthum gewaltiglich sein Haupt erhebt. Die Burschen haben hier Samen genug gesäet, der durchaus nicht überall auf Sand oder auf Felsen gefallen ist. Ein Beleg für diese Behauptung sind folgende Thatsachen. In Kirchhain sind die Ordonnanzen angeschlagen, ohne daß der Bürgermeister es wagt, dagegen aufzutreten, in Rauschenberg, Gemünden und Frankenberg ebenso. In Frankenau und Rosenthal sind Bürgermeister und Stadtrath Hassenpflugisch. Der Bürgermeister von Rosenthal, der bekanntlich mit dem Kurfürsten im Gratulationsbriefwechsel steht, treibt es am luftigsten. Dieser Pascha ist zugleich Postverwalter. ES wurde ihm also äußerst leicht, dem Postverwalter, d. h. sich selbst sämmt- liche Zeitungen zu konfiöziren, und die bereits ausgegebenen auS den Wirthshäusern zu holen. Von diesen Heldenthate setzte er sofort den BezirkS-GenSdarmerie- Kommandeur in Kenntniß, der ihn jedoch eines Bessern belehrte. Neben diesen schwachen und reaktionären Bürgermeistern steht übrigens eine Bürgerschaft in den meisten Städten, na
mentlich in Wetter und Frankenberg, die diesem Treiben mit verhaltenem Grimm zuschaut und nicht von der Hoffnung läßt, allen Pascha'â und Oberpascha S den gerechten Lohn zu Theil werden zu lassen. Wan» diese Zeit kommen wird, weiß nur Gott — und nicht einmal der Czaar in Rußland. Diesem und seinen Satrapen wird eâ stets früher kommen, als sie erwarten.
Frankreich.
8. g. Paris, 9. Okt. — Es erregt einiges Aufsehen, daß der „Constitutionel", der sich seit einiger Zeit den Anschein gab, als wollte er den Aufruf an'â Volk der Majorität der Kammer auf die Brust setzen, um von ihr die Verlängerung der Präsidentschaft zu verlange», heute in einer langen Apologie deö neuen Wahlgesetzes die Leichtgläubigen enttäuscht, welche ihn schon, und zwar auö wohl kombinir- ten Gründen, zu den Verfechtern deS unbeschränkten allgemeinen Stimmrechts zählten. Man weiß sich diese neue Schwenkung nicht anders zu erklären, als indem man sie mit einem Vertrage in Verbindung bringt, den daS Elysee mit den Führern der Majorität abgeschlossen hätte, und worin die Aufrechthaltung des neuen Wahlge- setzeS, das bekanntlich nahe an 4 Millionen Wähler von den Liften gestrichen hat, als eine der Hauptbcdinguugen enthalten sei.
Daö Gesetz, welches die Journalisten zur Unterzeichnung ihrer Artikel verpflichtet, wird nun selbst von der „Gazelle des Tribunaur" angegriffen. Sie ist der Meinung, daß sich dies schlechte Gesetz, wie sie eS nennt, durch dessen strenge Anwendung von Seiten deö Generalprokurators sehr bald abnützen würde. Dieses Journal, welches die berühmtesten RechtSgelehrten zu seinen Mitarbeitern zählt und durchaus konservativ ist, wirft die Frage der Kompetenz für die Ab- urtheilung der angeregten Kontraventionen auf und weist in einer lan- gen Abhandlung nach, daß die gegen acht Journale eingetretenen Prozesse nicht vor daS Zuchtpolizei-, sondern vor daö Geschwornengeaicht Halten gebracht werden sollen Fast alle Organe der Presse stimmen dieser Ansicht bei. Jedenfalls ist es zu wünschen, daß eine klare Definition des Gesetzes durch einen richterlichen Ausspruch festgestellt werde, damit den sich widersprechenden Auslegungen ein Ende gemacht und den Richtern die Verlegenheit erspart wird, typographische Studien zu machen, um sich über die Bedeutung und Werth von Sternchen, dünren und dicken Linien und anderen Abtheilungszeichen aussprechen zu können.
Die „Patrie" erzählt, daß in dem Augenblick, als sich die Or- leansche Familie nach Ostende einschiffen wollte, eine telegraphische Depesche die Ankunft des Hrn. Thiers und Casimir Perrier in Claremont ankündigte. Der Herzog von Nemours und die Herzogin von Orleans kehrten sofort nach dieser Residenz zurück.
DaS Sekretariat deS Präsidenten sieht sich genöthigt, um der Fluth von Gesuchen um BilletS zu den Tribünen der Ebene Sartory für die morgende Revue Einhalt zu thun, bekannt zu machen, daß diese Tribüne Eigenthum der Gesellschaft für Pferverennen sind, die sich auch beeilt, anzuzeigen, daß die BilletS nur an Ort und Stelle, und zwar zu 5 Franken das Stück verkauft werden. (Viel Geld für eine Dummheit von L. Napoleon. Wir dächten, daß dieselben billiger zu haben seien).
Der Erzbischoff Franzoni ist am 5ten in Lyon angekommen und in einem Hotel abgestiegen, obwohl für ihn Gemächer im erzbischöflichen Pallast bereit gehalten wurden. Er will, wie man sagt, in Lyon seinen bleibenden Aufenthalt nehmen. — Die indische» Prinzen sind am 5ten in Marseille angekommen, wo sie sich zur Rückkehr in die Heimath einschiffen werden.
Viktor Hugo schließt heute einen Artikel im „Evenement", worin er auf die Gefahr deS stets drohenderen Einflusses Rußlands aufmerksam macht, mit folgender Bemerkung: „Im Jahr 1808 hatte daS Kaiserreich Napoleons die Weichsel erreicht, heute erstreckt sich die Macht deö Kaisers Nikolaus bis an den Rhein. Diese politische Fluth und Ebbe bringt mich auf einen Gedanken. Im Jahre 1813 und 14 war eö Deutschland, welches daS Signal zur allgemeinen Erhebung gegen Napoleon gab. Wer weiß, ob die Ereignisse in Hessen nicht eine Vorherbestimmung sind und ob der dort gehörte Ruf nicht weiter gehört wird. Wer weiß, ob nicht heute Deutschland berufen ist, Europa vor der russischen Unterjochung zu bewahren, wie eS im Jahre 1814 der französischen Einhalt gethan hat. Wir wollen hoffen und abwarten.
Zwischen dem General Changarnier und dem Elysëe ist wieder eine gewisse Kälte eingetreten, weil der Erstere bei den Interpellationen im Permanenzausschuß das Ministerium nicht unterstützte. — ES sind mehrere Polizeiagenten nach London geschickt worden, um angeblich die Reise deö Hrn. ThierS zu überwachen. Der General Lahitte hat Kouriere nach Deutschland und St. Petersburg, wie man sagt, mit sehr wichtigen Depeschen expedirt.