Dritter Jahrgang.
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Kassel. Sonntag den 13. Oktober
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Preußen und Oesterreich gegenüber dem Kurstaate.
Seit dem letzten Stadium deö Hassenpflug'schen Skandals hat die konstitutionelle Partei mit doppeltem Feuer ihre Idee vom „ge- funden Bürgerkriege" wieder ausgenommen, — der gesunde Bürgerkrieg ist indessen auSgeblieben. Man hat keine Anstrengung gescheut, um Preußen abermals an der Ambition, am Ehrgeiz zu fassen, Tag für Tag hat man daS alte Lied getrommelt:
„Komm doch, komm doch, holde Schöne" — — Wochen sind vergangen, das dreifarbige Haus Hohenzollern ist noch immer nicht erschienen, der harrende Bräutigam sitzt noch immer und trommelt sein ewiges Lied.
Die kurhessische Frage hat bislang zu nichts geführt, als zu Denkschriften und Bundesbeschlüffen, zu Noten und Gegennoten, zu Protesten und Gegenprotesten. Unterdessen blutet daS hessische Volk nach wie vor, wird eö von einem Hassenpflug geschunden, von einem Haynau kommandirt und kujonirt. Während Oesterreich durch den von der Fälschung freigesprochenen Mann deS fortgesetzten VerfassungS- bruchs seinen Einfluß in dem ehemaligen Unionsstaate zur vollendeten Thatsache gemacht, sich in den Besitz deS Landes gesetzt hat, wagt Preußen kaum, die Rolle dLs, lamentables Klägers über sich zu nehmen, schreibt es höchstens freundschaftlich schmollende Wünsche a« Se. Königliche Hoheit den Kurfürsten.
Und ihr glaubt, daß trotz dieser absichtlichen Lotterer und Zieherei, trotz allen vollendeten Thatsachen Preußen und Oesterreich sich noch ernstlich in die Haare gerathen würden? Thoren, die ihr seid! Preußen wird allerdings durch Drohungen und Demonstrationen wegen Kurhessenâ noch einige billige Preise, noch einen kleinen Profit von Oesterreich herauSzuschlagen suchen, daS Alles ist aber sicher der Gegen- satz von einem Grund zur gegenseitigen Fehde.
Die kurhessischen Wirren sind expreß zu Nutz mnd Frommen der Leiden Großmächte arrangirt worden. Nicht, daß beide Großmächte alle Details der Kontrerevolution vorauSberechnet hätten, tn der Art aber, daß man sich gegenseitig das Spiel leicht, daß man sich gegenseitig Courage macht.
Wenn Ihr Preußen mit der Verachtung der Welt, mit dem Ein- büßen all seines RenomeS, seines KriegöstolzeS, seiner Weltstellung rc. -c. droht, so könnt Ihr Überzeugtsein, daß Preußen Euch eben so sicher auSlacht, als eS Rußland in solchem Falle thun wurde. ~ te Stimme deS Volks ist solch mächtigen Herren eine Faselei , sic wollen keine Anerkennung vom Volk, sie wollen nur von solchen Herren Dank verdienen, die nach ihrer Ansicht lediglich und allein ein kompetentes Urtheil über sie haben, die ihnen ebenbürtig sind, in deren Gesellschaft sie ihre Zeit hinbringen müssen. WaS geht solchen Herren daS ordinäre Bürgerpack an?
So gewiß Preußen und Oesterreich wegen KurhessenS im Wort- aefecht liegen, eben so gewiß reiben sie sich im Stillen die Hände und denken nicht daran, den Säbel zu ziehen. Wozu auch? Ist etwa ein Unterschied zwischen der „landesherrlichen Autorität" und dem „nionar- chischen Prinzip", wovon jene durch Preußen und dieses durch Oesterreich angebetet wird? Wird Preußen für die Aufrechthaltung einer Verfassung in die Schranken treten, die nach seiner Ansicht auf Wind und Wellen gebaut ist? Mrd,Hr. v. Nadowitz sich für die Rechte der Landstände echauffiren, Äb er der Union die parlamentarijche Zuthat gestrichèm wünscht?
Es ist traurig, über solch e^^cheAllnge so oft reden zu müssen. Kurheffen wird für Ergüßen und Oesterreich kein scheide- sondern ein Bindemittel geben, eâ wird die Gelegenheit bieten, sich über daS letzte Ziel der Contrerevvlutiow zu einigen, über die letzte gemeinsame Maßregel zur Unterdrückung der'„Rebellion", über die Grenze der
VolkSbedrückung, der Menschenschinderei, deS Seelenhandels. Die Grenze wird weit genug hinausgesteckt werden.
Die kurhessischen Wirren lassen vollkommen Zeit zu solchen hochfürstlichen Verhandlungen. Man braucht sich nicht zu übereilen. Hr. Hassenpflug redet zwar von revolutionären Massen, Hr. Haynau von anarchischen Banden, diese Herzensergüsse sind aber nur von symptomatischer Bedeutung, sie lassen nur einen Blick in das System thun, wornach die europäischen Völker für die Folge maltraitirt werden sollen. Rebellen sind in Zukunft Alle, die nicht unbedingt Ordre pariren.
Oder gehört die hessische Sache doch zu den eiligen, gefährlichen? Möglich, daß sie früher in diese Katbegorie gestellt werden konnte, seitdem die Offiziere ihren Abschied genommen haben, ist sie durchaus harmlos, gebrochen. Mag der Abschied eine noch so große That heißen, gewiß ist, daß damit die Armee anS dem Kampf geschieden ist. DaS OffizierkorpS wollte nicht bis zur letzten Consequenz vorschrei- ten, es salvirte sich, indem eS ging. Fortan gibt eS keine oppositionelle Armee mehr, keine bewaffneten Hände für die Verfassung, es krankt die Sache dahin, als wär ihr Jemand gestorben, als hätte sie einen Theil ihres Herzens verloren. DaS OffizierkorpS hat mit dem besten Willen von der Welt eine kecke Diversion gegen seine Bundesgenossen gemacht. Eine weitere energische Opposition muß die Auflösung deS gestimmten Heeres, muß die Revolution nach sich ziehen. Wollt ihr das, wollt ihr? Ihr wollt nicht.' Nun wohl, so mag die kurhessische Frage noch ein paar Wochen in der Schwebe bleiben, bis dahin werden-sich „das monarchische Prinzip" und die „landesherrliche Autorität" vollkommen ausgesöhnt haben.
Ob wir hernach noch ein Kurhessen, ob wir einen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. haben werden, ist eine Frage, die für unS kein Interesse hat.
Die absolute Tyrauucy haben wir gewiß!
S ch l c ö w i g - H o l st e i n.
C Hamburg, 10. Okt. — Ein Privatschreiben, welches die am 29. Sept. erfolgte Einnahme von Tönning schildert, enthält u. A. Folgendes:
Am Sonntag Morgen als wir den Kanonendonner von Friedrichstadt her hörten, setzten wir über die Eider zum Angriff auf Tönning. Die dänischen Posten schlugen auf uns an, als wir noch auf dem Wasser waren, allein ein gut gezielter Kanonenschuß brachte sie vom Schießen ab und sie zogen sich in eine gedecktere Stellung zurück. Nach unserer Ankunft entspann sich indeß ein hitzrger Kampf, welcher mehrere Stunden dauerte. Außer mehreren Verwundeten hatten wir 3 Todte, unter ihnen auch der Abg. von Norderdithmarschen Vollertsen von Freienwillen. Er stand hinter einem Holzpfosten, durch den die Kugel hindurchschlug, ihm den Kopf durchbohrte und seinen Hintermann noch leicht am Kopf verwundete. Jetzt bemächtigte sich Aller eine schmerzliche Wuth: es galt den braven Mann des Isten Jägercorps zu rachen; ohne Comniando gingen mehrere Freiwillige mit gefälltem Bajonnet darauf los, jagten den Feind in die Flucht und machten 77 Gefangene. Einige Jäger verfolgten ihn noch nach Garding , wo sich der seltene Fall ereignete, daß 26 Dänen von 6 Jägern gefangen genommen wurden. Die 6 umstellten nämlich ein Haus, worin die 26 Dänen geflüchtet waren. Diese, wie cs scheint, in Unkunde über die Zahl der Feinde, streckten die Waffen. 2llâ jte nun aus dem Hause traten, waren sie sehr überrascht über die kleine Zahl und der Ofsicier bat, es nicht weiter zu erzählen, daß er nebst 25 Mann von 6 Jägern gefangen genommen seien — gegen 5 Uhr Morgens blieben wir in Tönning. Dann aber marichirten einige tausend Mann Dänen mit einer Batterie heran, und mit leien anzubinden, wäre doch von unserm kleinen Häuflem zu tollkum g- wesen. — Wir gingen also ohne Gefecht über die Eider zuruc .