Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich, Montags ausgenom- ân. Vierteljährlicher Abonnementspreis 24 Sgr. Einzelne Nummern in der Er-

pebition (obere SdatngaRt Nr. 132)' zu 6 Hlr. Durch alle Postämter zu bezieh«'. Inserate die dreppaltige Petitzettr 8 Hlr.

M 239

Ka ssel, Sonnabend den 12. Oktober

4

183©

Thu« wir recht oder unrecht?

- WaS die Hand eines Fürsten berührt, ist entweiht, ist unrein, ist gottlos. Das war der Gesichtspunkt, von dem die Demokratie in den letzten Jahren auSgegangen ist, den sie nicht aufgeben durfte, ohne sich selbst auszugeben.

Hat die Demokratie recht gethan oder unrecht? War sie im Un­recht, als sie der Nationalversammlung von dem Augenblick an das Wehe, wehe" zurief, wo dieselbe, statt in der reinen Luft des Volks­lebens zu bleiben, in die Vorzimmer der gekrönten Herren stieg, durch- lauchtige Sippschaften an ihre Spitze stellte, königliche Hanswürste zu Exekutoren ernannte? War sie im Unrecht, jedes Machwerk, daâ die Gnade der Gesalbten dem Volke für die zertrümmerte Nationalversamm- lung unterschieben wollte, Verrath zu heißen, Lüge, Betrug, schmach­volle Verspottung des Volkes? Hat die Demokratie gefehlt, daß sie für Schleswig-Holstein keinen Trost und keine Rettung sah, weil der Kampf für uraltes Recht von den ewigen Verräthern, die manVäter der Kinder" nennt, protegirt wurde, weil die Fürsten ihre meineidige Hand mitten in die heiße Schlacht gestreckt hatten?

Haben wir unrecht gethan, wie? WaS ein Fürst berührt, ist vom Aussatz berührt. Wo der Athem eines Fürsten geht, welken die Blüthen, verdorrt daS Gras, stirbt alle Lust und Liebe, alle Hoffnung und Begeisterung. WaS bedeutet hier eine Ausnahme, wir sprechen hier von der Regel. Wir sprechen hier davon, daß es keine von den Fürsten geschenkte Freiheit gibt, daß eS thöricht ist, gemeinsam mit den Fürsten daS Land der Zukunft zu bebauen.

Man hat uns diese unsere Ueberzeugung zum Vorwurf gemacht, man hat unâ verworfen, gelästert, verleumdet. Die Demokratie fragt nichts nach Lästerungen , sie weiß, daß die Zeit den großen Streit zwischen ihr und ihren Gegnern entscheiden wird. Schon jetzt, schon jetzt steht die Demokratie als Prophetin da, deren Sprüche man ver- drehen kann, deren Weissagungen aber in Millionen Herzen einge­schrieben sind, als ewige Mahnung an die Schmach, die wir seit Jahren erduldet haben, an den Verrath, den man an unö begangen hat, an die teuflische Kälte, damit er verübt wurde.

Die Demokratie läßt sich vcrläumden, weil sie eine Zukunft hat, von der sie rein gesprochen wird. Aber einen Vorwurf hat sie fort und fort abzuweisen, den der Inkonsequenz. Die Konsequenz ist die Lebenskraft der Demokratie, ohne dieselbe eristiren wir nicht.

Worin sollen wir gefehlt haben? Darin, lautet der Vorwurf, daß wir für eine ReichSverfaffung eingetreten sind, deren Inhalt wir verurtheilt hatten, daß wir den Kampf der Herzogthümer unterstützt, daß wir endlich der kurheffischen Bewegung nicht den Rücken gewandt haben. ,

Haben wir recht gethan oder unrecht? Die Demokratie ist für die ReichSverfaffung eingetrete», als dieselbe vom Volke als feierlicher Protest gegen fürstliche Frechheit auf den Schild gehoben wurde, als sie nur die Volkâfouveränetät im Gegensatze zur fürstlichen Anmaßung bedeutete, als eS sich nicht mehr um ihren Inhalt, sondern um ihren Ursprung handelte. Thaten wir unrecht?

Die Demokratie hat dem Kampfe der Herzogthümer zugejauchzt, damals, alS er der Kampf um Deutschlands Einheit war, als Deutsch­lands Zukunft in den Händen deö deutschen Volks lag. Sie hat ihn abermals einen heiligen Kampf genannt, als die Herzogthümer von den Fürsten verrathen, verlassen, den Krieg auf sich selbst, auf die Macht eines freien Volkes stellten. Die Demokratie hat aber ihre Hand sinken lassen, so oft und sobald der Krieg der Herzogthümer sich in daS Gewebe fürstlicher Intriguen verlor, so oft und so bald daS Volk sich selbst verrieth, sich leichtfertig von fürstlichen Ränken berücken ließ. Hatten wir recht gethan? Wißt ihr nicht, daß die Demokratie ihre bittersten Thränen geweint hat, wenn sie abseits siehe» und ein verblendetes Volk verbluten sehn mußte?

Die Demokratie hat auch der kurhessischcn Bewegung nicht de» Rücken gewandt. Nein, nein, nein. Wo der Verrath einer Regie­rung so brennend ist, wie hier, da hat die Demokratie Ursache, auf ihrem Posten zu stehen und dem Fall der Würfel zu lauschen. Aber lassen wir das, lassen wir daS.

Die Demokratie hat Recht gehabt, wo sie geschwiegen, und Recht, wo sie geredet hat. Und um deswillen wird sie, trotz der Schwere der Zeit und dem Ernste der Dinge, ihre Ehre zu wahren, ihre Lau­terkeit zu erhalten wissen.

Die Demokratie ist für die ReichSverfaffung, für Schlesmig-Hol- stein, für Kurhessen eingetreten, sie wird aber und daS ist der Punkt, auf den wir kommen wollten nun und nimmermehr für die Union eintreten, für den König von Preußen. Mit Entrüstung weist sie die Künste gewisser Menschen zurück, die, eben in dem Glauben, die Demokratie habe doch schon ihr Prinzip verrathen, wähnen, die gefallene Tugend werde auch den zweiten Schritt nicht scheuen. Die Demo­kratie steht rein und heilig, wie sie gestanden hat, sie wird auch fer- ner so stehn. Sie wird sich weder von schönen noch von bösen Wor­ten beirren und bcthörcn lassen, sie läßt sich weder durch die Schrecken noch durch die vorgespiegelten Herrlichkeiten der Zukunft verführen.

Diese Künste und Bennungen sind umsonst. Gegen fürstliche Anmaßung zu stehen und fier dieselbe zu kämpfen, das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, wie Himmel und Hölle. Das HauS, das wir als ein Haus der Pest und der Banditen geflohen haben, wird unS nicht darum zum Asyl, weil ringsum der Donner rollt und die Blitze regnen.

Die Werke der Fürsten sind gottlos, die Union ist daS Werk deS Obersten der Fürsten.

Daß wir der Union gegenüber auch jetzt noch recht thu», braucht der Demokratie nicht gesagt zu werden, euch lehrt eS vielleicht die Zeit.

* General Willisen, welcher nun auch die Belagerung Friedrich­stadts vollständig aufgegeben zu haben scheint, proklamirt wieder in f 3Hauptquartier Rendsburg, den 6. Oktober. An dre Armee! Die Tage vor Friedrichstadt sich nicht glücklich gewesen, aber sie sind Ehrentage für die Armee geworden. Der Sturm am 4. auf de» von Natur und Kunst gleich festen Platz -st e.ne so schone Waffenthat, wie irgend eine Arme sie aufzuweisen hat. Alle Waffen haben -hre Pflicht gethan. Der Oberst v. d. Tann hat daö ganze Unternehmen mit gewohnter Thätigkeit und mit kühnem Uuternehmungöge-st geleitet. Das 1 JägerkorpS hat seinen alten Ruhm bewährt, daS 11. und 15. Bataillon haben sich ruhmvoll benommen; daS 6 Bata,llon aber hat zwei Drittheile seiner Offiziere auf dem Platze gelassen. DaS Ba- taillon darf mit Stolz den NamenFriedrichstadt" in feine Fahne» schreiben Die Artillerie hat sich, wie immer, ausgezeichnet betragen. Die schwierigen Einleitungen, durch daS sehr schlechte Wetter ungeheuer erschwert, sind von ihr mit der größten Umsicht angeordnet und mit größter Standhaftigkeit durchgeführt worden. Die Pionire siud vor keiner Schwierigkeit zurückgetreten. Nur unüberstetgliche Hindernisse konnten solcher Tapferkeit Schranken setzen. Zum zweiten Male haben wir gesucht, durch weitliegende, gewagte Unternehmungen den F«nv zum gleichen Kampfe aufs freie Feld herauSzulocken; eS hat auch ^es- Li iit gelingen w>-°». Sir muffen, f» M*"1. 'V*'"^ duld inte». $«* du- A-fg-b-n d°« «»,-.f - # «^ freiere Sage Rich» »erbten. Unser Serluff iff Kjr ? .2 A aaA du« SEst,«, d-r A«. Inn, nur ,».-»--- »«"s ± »et fetten schweren und gefaireoOen Unlerneimungen, ^s g z-i-dnchft-dl, nitt jnrirtgeireten, ffe , ;ief Tag.» nicht glücklich, bestanden. Jeder, welcher d 6aBfe

gesehen, wird ihr die vollste Anerkennung nicht vers J