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Anstrengung, preußische Hiebe werdet ihr auch ohne daS zu schmecken bekommen.

* Berlin, 8. Okt. — Allen ehrbaren Konstitutionellen zu Nutz und Frommen theilen wir auS der L. C. folgende Räubergeschichte auö den Staaten Sr. Majestät, deS angeblichen Reiters von Deutschland und namentlich von Kurhessen, mit.

„Bei Beginn des russischen FeldzugeS gegen Ungarn engagirten sich zwölf tscherkessische Edelleute alâ Freiwillige. Sie kehrten mit Orden dekorirt nach Warschau zurück und wünschten nun in ihre Hei- math zurückzukehren. Aber man hielt sie zurück und stellte sie in gleiche Kategorie mit den in der Armee befindlichen gemeinen Tscherkeffen. Auf alle Bitten, alle Vorstellungen bis zum Kaiser hinauf ward ihnen keine Antwort. Am 29. Sept, flohen sie aus ihrem Garnisonsorte in Polen, aus Skiermevice, und überschritten am 30. die preußische Grenze. Die sämmtlich berittenen, mit Flinten, Pistolen, Säbeln re. bewaffneten Flüchtlinge erklärten bei ihrer Vernehmung, in preußischen Militärdienst treten zn wollen. Man stellte ihnen das Unthunliche der Ausführung dieses Vorsatzes und die Nothwendigkeit ihrer Ausliefe­rung in Gemäßheit der bestehenden Kartelkonventjon vor. Hierauf gaben sie die Erklärung, freiwillig nach Rußland zurückkehren zu wollen. Als man ihnen aber bemerkte, daß sie vor Allem ihre Waffen ab» geben und sich militärisch eskortiren lassen müßten, weigerten sic sich, Folge zu leisten, und als darauf der Rittmeister von Jlow mit einem Theil der in Jnvwraclaw stehenden DragonereSkadron ankam, um zur gewaltsamen Entwaffnung der Deserteurs zu schreiten , ergriffen diese die Flucht, die Bromberger Chaussee entlang, wobei sie zugleich ihre Gewehre abfeuerten, einen Dragonerunterofsizier tödteten und mehrere Dragoner verwundeten. Das Militär erwiederte nun daö Feuer, wo­durch zwei Tscherkeffen sielen und einer verwundet wurde; zwei wurden eingefangen. Die übrigen fünf begaben sich nach dem Vorwerk Kruâlewice und setzten sich dort fest, indem sie ein lebhaftes Feuer auf daS nach­rückende Militär unterhielten, wobei mehrere Einliegerhäuser des Vor­werks cingcäschcrt wurden. ES wurde nun ein Jnfanterickvmmando vom 4. Regiment von Bromberg geholt, mit dessen Hülfe vier der Flüchtlinge schwer verwundet gefangen genommen wurden, wahrend der fünfte in dem ^rwerkShause , wo die Tscherkeffen sich zuletzt festge­setzt hatten, und welches sic endlich selbst in Brand steckten, tobt zu­rückblieb. Von den Infanteristen ist leider ebenfalls ein Mann ge­fallen und einer leicht verwundet. — Die Angaben sind, nach der „Const. Corr.", aktenmäßig.

Der edle Landrath wird für diese Schandtthat erhalten 1) einen russischen und 2) einen preußischen Orden (auf Kommando von Petersburg!) — Auf, ihr Herren vou der Union! in die Arme der Hohenzollern, d. h. in den Cartelvertrag mit Rußland.

Die auf diese, selbst nach der Darstellung des offiziellen Organs empörende Weise gemordeten 10 Tscherkeffen — so berichtet die „Po­sener Zeitung" — mit silbernen Medaillen dekorirt, stark bewaffnet und kostbar bekleidet, hatten in dem Städtchen Kru>chwitz gastfrcund- liche Aufnahme gefunden; und daß sie nach Berlin gehen wollten, um dem König ihre Dienste anzubieten, erregte die Freude des Publikums auch in Jnvwraclaw.

0 Ber in, 9. Okt. — Mit Ungeheuerer Spannung sieht man der Entscheidung der Ereignisse in Kurhessen entgegen. Alle Welt ist von der Fruchtlosigkeit des ferneren passiven Widerstandes überzeugt. Aber Niemand weiß, ob es frommen wird, zum aktiven zu greifen. So etwas muß sich selber machen; vorausbestimmen läßt sich da nichts. Angelegt ist eS doch einmal darauf, Sie biS auf'ö Blut zu peinigen. — Auf seine letzte Depesche hat Preußen eine sehr schnöde Antwort aus Wilhelmöbad erhalten. Man habe erst gar nicht antworten wollen, heißt eS darin, auS Höflichkeit habe man cs aber dennoch gethan. UedrigenS wolle man auf dem eingeschlagrnen Wege verharren. Daß Depesche und Antwort nur Gaukelei sind, ist hinzuzusügen wohl über­flüssig. — Gestern brütete man im Ministerralhe ob dem Schicksale der Union, deren Provisorium mit dem 15. Oktober zu Ende läuft. Ihre Zukunft ist natürlich schon vorausbestimml, aber man muß dem Dinge doch einen Namen geben. Man wird also wahrscheinlich an die zwei oder drei übrig gebliebenen Unionisten eine Anfrage richten, ob sie die Union noch ferner haben wollen, oder nicht, und diese werdenn dann wahrscheinlich mit einem lauten Nein! antworten. „An Preußen liegt es also nicht, wenn die Union nicht zu Stande gekom- men!" — Brandenburg wird den Kaiser von Rußland in War­schau beglückwünschen. Der Kaiser von Oesterreich wird ebenfalls einen Abstecher dahin machen. — Die „Urwähler-Zeitung" ist heute konfiSzirt worden, und zwar so gründlich, daß man kein Blatt derselben zu Gesicht bekommen konnte. WaS die Wuth deb Herrn V. Hinkeldey erregt, weiß ich also nicht.

* Berlin, 10. Okt. — Die „Deutsche Reform" giebt den

wesentlichen Inhalt des eigenhändigen Schreibens, welches der König von Preußen an den Kurfürsten von Hessen gerichtet. Der König spricht in demselben unter Versicherungen seiner freundschaftlichen Ge- sinnungen den Wunsch auS, daß der Kurfürst zur Beilegung der inneren Wirren den Weg des friedlichen Vergleichs betreten und sich sowohl mit Preußen, alâ den übrigen deutschen Regierungen über ein Vorgehen in Kuihessen ve,ständigen möge. Eine Verletzung der landesherrlichen Autorität deS Kurfürsten werde Preußen nie zugeben und mit seiner Macht dafür ein­treten, daß eine solche nicht erfolgen könne. Das Schrei­ben ist am Zlcn durch den G. L. Brese dem Kurfürsten überreicht worden. — Der letzte Punkt ist die Hauptsache, wenn dieselbe ohne Eclat erreicht werden kann, um so besser, wo nicht, so wird der König von Preußen dafür einstehen. Die „landesherrliche Autorität" ist ein sehr weiter Begriff und eS gehört nicht einmal die Feinheit der Radowitzschen Diplomatie dazu, um Hrn. Hassenpflug nebst Hrn. Haynau und den gesammten Stunbrechtöverordnnngen hinein zu best» nircn. Bei so bewandien Umständen ist es gauz in der Ordnung, wenn die letzte österreichische Antwort auf die jüngste preuß. Depesche in der kurhess. Angelegenheit, welche am 2. d. M. hier angekommen ist, erklärt, „daß die Regierung Seiner Majestät des Kaisers von Oesterreich sich in ihrer Auffassung des Sach, und Rechtsverhältnisses nicht werde beirren lassen uno daher vor wie nach fortfahren werde zu handeln, wi es ihr angemessen scheine." Oesterreich wird sich nicht beirren lassen und Preußen wird sich nicht beirren lassen, beide wer- den ihren Weg fortgehen; aber alle Wege unserer Polentaten führen zum Himmel, d. h. über die vernichteten Volksfreiheiten hin zur Eschenheimer Gasse. Liese Wahrheit, die nur die blindeste Selbsttäuschung zu verkennen vermag, kann nicht oft und nachdrücklich genug wiederholt werden.

Schtveriu, 7. Okt. Durch eine Verordnung des Großher­zogs vom 4. d. M wird nach erfolgter Zustimmung deS engern Ausschusses der Ritterschaft uno Landschaft zur Deckung der außer­ordentlichen LandeSbedürfnisse für den Zeitraum vom 1. Aug. d. J. bis zum 1. Febr. 1850 eine zweimalige Erhebung der außer­ordentlichen Kontribution verfügt, welche in der zweiten Hälfte d. M. stattfinden soll./

Außerdem ist am 5. d. M. folgende Verordnung wegen Auf­hebung der Grundrechte publizlit worden:

„Friedrich Franz re. Durch die Aufhebung deS Staatsgrundge- setzeS vom 10. Okt. v. I. haben auch die in dasselbe ausgenommenen Bestimmungen des SieicbOßeiegcs vom 27. Dec 1848, betreffend die Grundrechte des heutigen Volkes — Nr 2 des offiziellen Wochen­blattes von 1849 — als Bestandtheile jenes StaatSgrundgesetzes ihre Kraft verloren. Da eS jedoch zweifelhaft erscheinen könnte, ob nicht bem gedachten Reichâgesctze dessenungeachtet noch eine selbst­ständige Gesetzeskraft verblieben sei, dasselbe aber nur als ein Theil der beabsichtigten, demnächst nicht zu Stande gekommenen Reichsver- fassung im Voraus verkündigt worden ist, daher seine Bedeutung ver­loren hat, so wird dasselbe yierburch außer Wirksamkeit ge­setzt. Gegeben durch Unser Gelammt Ministerium. Schwerin, 5. Okt. 1850. Friedrich Franz. - Giaf o. Bulow, v. Schrö­ter. v. Brock.

* +* Darmstadt, 9. Okt. Unser Großherzog meint's gut mit seinen getreuen Unterthanen. Allerböchstoieielben haben daher be» schlossen, „ getreue Stände wieder um siw zu versammeln ". Zu die­sem Behufe wird ein Wa hlgesetz oktrvyirt und im heutigen Re­gie, ungSblatt publizkrt, welches verhindern soll, daß Allerhöchstdero „treues Dock unter den Erschütterungen le-de, welche von der Partei deS Umsturzes selbstsüchtig herbeigefübrt und unterhalten werden". - Die auf diese Weise konstruirten Kammern sind aut, sehr gut. Die erste besteht auS 1 0, von b t n 50 höchstbesteuerten Grund­besitzern gewählten Abgeordneten, 2) auS 9 , in den gewöbnlichen Wahlkreisen gewählten Abgeordneten, 3) auS dem katholischen LandeS- bischvffe, 4) auS den evangelischen Prälaten, 5) aus dem Kanzler der Laodcsuniversität, 6) ,. au. benfeni^en Staatsbürger, welche wir da­zu berufen werden" (8 Mitglieder). Die Wahlen zur zweiten Kammer sind indirekt; Zahlung von Personalsteuer und ein Al­ter von 25 Jahr sind zum Wahlrecht, von 30 Jahren für die Wähl­barkeit erforderlich. Die Wähler in den Wahlbezirken werden in den einzelnen Wahlbezirken behufs der Wahl der Wahlmänner in die be­kannten königl. preuß. drei Vermögenaklaisen getheilt. Außerdem eine Menge Bestimmungen, welche die Wahl ganz in die Hand der korrumpirten Büreaukratie legen.

" Stuttgart, 10. Okt. In der gestrigen Sitzung der Lan- deSversammlung wurde der RegierungSantrag, die Steuern ^biS zum letzten Dec. d. I. fortzubewilligen, mit 55 gegen 3 Stimmen (Schweich-