— 1026 —
wir auch nur den Mutb deS Schweigens gehabt hätten, so bestände gegenwärtig in Kurhessen weder eine demokratische, noch eine konstitu- Novelle Presse, und wir standen und stehen nicht blos einem Dalwigk- schen Slrafcodex gegenüber, sondern der Wiükühr des Standrechts und eines vkiioyirten K r i e g s geri ch t S.— Wenn die darmstädtische Demokratie nicht auf Alles, selbst auf einen ehrenvollen Untergang verzichten will, dann hat sie keine Zeit zu verlieren und mehr Muth zu nöthig, als den des Schweigens. Unsere Partei hat ein Recht, zu fordern, daß auch die Demokratie deS Grofh.'rzogthumS Hessen ihre Schuldigkeit thue.
** Staffel, 10. Okt. Nachmittags 4 Uhr. Noch immer Alles in der Schwede. Die Bedenkfrist, die Hr. Haynau gestern gegeben, ist um 41 Uhr heute' abgelaufen. Eâ steht nun in der Hand unseres Alda, die Entlastung zu geben; es scheint jedoch , daß es dem Grauen im Bellcsueichlvste vor diesem Schritte zu grauen beginnt. Bis setzt ist N-chlS erfolgt. Alles steht jedoch auf dem Sprung. Die Soldaten sind in den Kajernen konsignirt; die Unteroffiziere haben gestern eine Leisammlung gehalten und den für ehrlos erklärt, der unter diesen Umstand» n eine Oisiziercharge annehmen werde, an Stelle irgend eines entlassenen Osizie,o. — Daß der General ohne Soldaten und Ofsi- ziere wukl-ch einige Bedenken trägt, ersieht man daraus, daß er gestern Jordan zu sich kommen ließ, um diesen über die Haffenpflugische Denkichlist, wo Jordan zmrt wird, zu hören, mit der Hoffnung, Hrn. Jordan selbst zu belehren. Jordan soll dagewesen sein, ohne jedoch überzeugt worden zu iein, noch überzeugt zu haben.
— Heul um 42 Uhr rückten zwei EökadronS deS 2. Husaren- regiments aus ihren Quartieren vor dem Weserthor (WolfSanger rc.) duich Kassel in andere näheiliegende Quartiere vor daS Frankfurter uuo Wilhelmshöher Thor (nach Wehlheiden re.) Ob Hr. Haynau auf diese Truppen rechnet? Er möchte sich täuschen.
ZA u a«sei , 10 Okt., AbendS 46 Uhr. — Die Gerüchte von rillt, rautivinfh^enoen Abreise Hrn. Haynauö vermehren sich. Der Graue faul, auch bleien Weg nehmen, um die Armee aufzulösen, er laß» sie ohne Oberhaupt. Es gibt kein anderes Mittel, wenn man Nicht von Urmn a flö en w>ll.
* haflti, 11. Okt.— (Blumenlese auS der kursürstlich-hassen- tflu^schru Llano, tmlSpit sst). Die „Kaff. Ztg.", mit Respekt zu reden, bringt in ihi.m amtlichen Theile zu ist die Entlaffung des Staatâ- p i ol Ui al 0t S Möll von der Stelle eines OberaudileurS. — In ihrem nla,lau Uichin Theile fabu^ut sie zwei Korrespondenzen aus Kassel, von i.Krt, e». eure tu n bi saunten Bescheid des GeneralauditoratS ex- tummuuiciit und unter vielen anderen absichtlichen Lügen auch behaupte:, die geirudten Exemplare desselben entbehrten der Angabe deS Druck--s. In der zweiten wird „des lächerlichen Antrags des ständi- tchen Au- s^astes auf Verhaftung Haynau's" gedacht und dann die E-teuUru.. gegeben, daß an die Stelle der zu entlassenden Ofsiziere Unteroffiziere und einige darm städtische Offiziere treten wu.ceii, Wilden ja seh-n!— Weiter werden in den Wilhelms- bader Minist. > ureaux zwei Korrespondenzen aus Wien fabriztrt, d. h. g e f a 11 en I, in teiln einer mit bekannter Virtuosität gelogen wird, daß um. z n uhatie noch nie irifhrt habe, „daS Prinzip der Volks- souverän- Illi .m zeistörences, hin schaffendes sei". Eine andere (Wien, 5.J lauitl:
..Wi, wir dö in, haben folgende österreichische Regimenter die Bistiu-mung -hauen, als Bun:,0lruppen an die hessische Grenze auf- zubr.chen: zm D-v sion des FML. v. Parrot, welche jetzt in Böhmen suhl m-l een Bilgavegeneralen Baron Horvath, Graf Leiningen und ^“‘vu St «lfried, zu dieser Division gehöien eie Regimenter Miguel, Ho ,.w v unD Weloen und daS 16. und 18. Jägerdataillon; dann das £.abvi Rig-ment König von Bayern und das Ulancn-Regiment ^^h"»o^ K^il, „ bst einer rettenoen uno zwei Fußbatterien. Die zweilc Division oll aus dem Vorarlberg kommen und steht unter Sr. Kuiirrl. Hop..- tim iâ »zh» rzvg Leopold; unter ihm kommandiren die Genc ale v EvU'iy, v Gviger und Baron Blomberg. Die drei zu d>eic, Division g' uo11bin Regimenter sind, Erzherzog Ludwig, Nugent und B> ued, t Nill d m 1. und 7- Jägerdataillon vom Kaiser-Regiment; veii ul-iltie, bu öu cazu das Chevaurlegers-Regimeul Fürst Windisch» b‘$0 und das Husaren Rament Prinz Coburg, dann eine reitende und zwei §u§bartnitn '■
Dann tikläil sie >e Austrommlung HastenpflugS aus dem Frankfurter Thlüter, deren Wah,h,,t uns übrig,no von Augenzeugen bestätigt wird, für eine lupne um.' ; warum nicht für ein Mißverstälidniß? Nachdem nun noch aus Toimst di das vktrvyirte Wahlgesetz mitbetbeilt mortm ist, leiht sich hieran würdig ein Artikel aus der Türkei, alo alleiniger Repräsentant der auswärtigen Politik. Und das füll eine Zeitung sein!
ZA Ai a 1)e I , 11. Okt. — Die „Neuh. Ztg." hält eâ für zeitgemäß , von Gotha aus mit „unglbührlichen" Ausdrücken über einen
Theil der hiesigen Bevölkerung herzufallen. Oder ist eS etwas anderes, wenn die „Neuh. Ztg." schreibt: „Immer lauter lassen sich einzelne Stimmen vernehmen, welche in einem an sich wahrlich sehr zu entschuldigendem Gefühl die Schmach des fortgetriebenen Rechtâ» und LerfassungSbruchs, die Hemmung des Verkehrs, die rohe Verletzung der persönlichen Freiheit nicht länger ruhig ertragen, sondern da, wo das Recht ohnmächtig seine Hülfe zu versagen scheint, die Gewalt mit Gewalt zurücklreiben wollen." DaS läßt sich noch hören ! Aber erbärmlich und ohne allen Verstand ist der Nachsatz, der sich daran reiht, und der da lautet: „Käme es zum Ausbruch, so würden diejenigen vielleicht eine Chance deS Erfolgs gewinnen, deren tolleS und wüstes Verfahren sich jetzt nothwendigerweise in sich selbst verzehren wird."
Der Augenblick ist wirklich günstig gewählt, um solche Betrachtungen anzustellen. — Wir, „die wir die ganze Schmach nicht bloS dieser, sondern aller Vorgänge seit 1848 in unser zornige Herz ausgenommen", werden zur gehörigen Zeit dessen gedenken und nicht bloS mit Worten.
""Kassel, 11. Okt. — Hr. Vilmar soll eine Garantie für eine bedeutende Zahlung durch Uebernahme auf die Hoskasse verlangt haben, ehe er das Finanzministerium annrhme.
Die Neuhcss. Ztg. meldet ferner, cS werde bei uns fortwährend zur Ruhe vermahnt. DaS ist eben der Unsinn dieser Menschen. Eine ruhige Bevölkerung, die Nichts, gar Nichts vornehmen will, ermahnen sie noch zur Ruhe, und der Erfolg davon ist die Muth- lo sigkeit. Diese Menschen kennen das Volk vorzüglich. - Ferner meldet die Neuhessische, daß die Bürgerwehr sich nicht bei Tumulten bctheiligen werde. Erstens: woher die Kunde von Tumulten? Zweitens: woher diese Kenntniß der Bürgerwehr? Drittens: wozu überhaupt diese erbärmlichen Luftschwätzereien?
8 ÄWilhelmsbad, 8. Okt. — Die Minister sind fröhlich und und guter Laune. Vrlwar macht den Tischprediger und Hofnarren. Vom Kurfürsten sieht und hört man nichts. — UebrigcnS richten sich die Herren ein, als ob sie ewig hier blieben. Thurn und Taxis hat eine Postcxpedition hier anlegcn müssen, um die StandrechtSukase portofrei schleunigst inS Land zu schleudern und ebenso die Lieferungen der Kasseler Küche und deS HofkellerS zu beziehen. Diese Herren wissen jedes Vortheilchen bestens zu benutzen.
K Kirchhain, 9. Okt. — Der Assessor Fulda, mit den Rich» tcrgeschäften dcâ JustizamleS Neustadt beauftragt, hat die Stirn,*) für den Monat September und Oktober Stempel zu verwenden. Der Advokat Engelhard remonstrirte deshalb bei dem PH Assessor, jedoch ohne Erfolg. Er erhielt die auf Stempeln effektuirlen Anfertigungen theils durch die Post zugesandt, theils wurden sie dem Justizamt Kirchhain zur Abgabe durch die GerichtSdiener übergeben. Er verweigerte natürlich die Annahme. Die Ausfertigungen sind zu den Akten genommen und dem Justizamte zu Kirchhain sämmtliche Nummern zur exekutiven Beitreibung verzeichnet worden, ohne jedoch den Grund der Verweigerung der Annahme anzugebcn. DaS Justizamt entsprach der Requisition, worauf der Anwalt dem Justizbeamten Gleim den Grund der verweigerten Annahme angab, jedoch wurde darüber eine Registratur nicht ausgenommen. Nach Ablauf der gegebenen Zahlungsfrist bestand derselbe um Ausnahme seiner Gründe wegen der verweigerten Annahme der verzeichneten Nummern mit der Bitte um Sistirung der Exekution. Die Pfändung ist bis jetzt unterblieben. Der Advokat Engelhard hat sich deshalb an Kurfürstliches Obergericht Civilkammer zu Marburg beschwerend gewendet und sieht der Verfügung entgegen. — Die Ehefrau des Konrad Friedhof zu GomS widersetzte sich der Pfändung und saß darüber sechs Tage im Gefängnisse zu Neustadt.
* Wetter, 9. Okt. — Heute ist von hier eine Adresse an den „permanenten Ausschuß" nach Kassel abgcgangen, welche dessen Schritte gegen „die Vernichtung der heilichsten Rechte eineâ deutschen VolkSstammeö durch den letzten Sprößling seiner Fürstenfamilie, für deren Einführung, Existenz und Bereicherung dieser deutsche Lolkestamm seil dem 13ten Jahrhundert Gut und Blut opferte," -7 billigt und zu weiterem, energischem Wiederstande auffordert, die Sympathien und den Beistand deS Volkes versprechend. Unterzeichnet ist die Adlksse von dem größten Theile der Bürger WetterS.
* Marburg, 10. Okt. — Gestern war der OberstandrechtS- pfaffe Vilmar hier und hat Hrn. Uloth, Oberbürgermeister, zum Staatöanwalt gemacht, sodann zum Staatsprokurator und endlich zum GeneralstaatSprokuraior. ObergerichtSrath Scheffer hat daö General« auditorat angenommen. Hallelujah! Von Marburg kommt und daS Heil! Die Philister agitiren hier für Preußen. Ganz unnöthig diese
♦ , Wir kennen die Stirn dieses Hrn- Assessors, dem die aUju frHbzeitige Manifestation seiner eidbrüchigen Serviliiiit denn doch noch etwas theuer ju ste en men konnte.