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die Kraft der. Reaktion zu zersplittern. Daß eö in beiden Ländern nur eines Anstoßes bedarf, um dasselbe Resultat wie in Kurheffen herbeizuführen, ist zweifellos, und kann bei einiger Lebendigkeit der Demokratie mit Leichtigkeit durchgeführt werden. Noch steht die Reak­tion im Augenblick unschlüssig da, wenn sie auch über ihren Plänen brütet. Niemals muß man verzweifeln, und so lange noch eine zit­ternde Planke da ist, auf der man sich retten könnte, muß man sie ergreifen! --

Ich habe Ihnen von dem Verlangen Manteuffel'S geschrieben, auS dem Ministerium der rettenden Thaten zu scheiden. Möglich, daß sein Verbleiben meine Nachricht noch für eine Zeit lang Lü-gen straft, ich beharre nichts weniger auf derselben. Sie werden sich erinnern, daß ich in allen früheren Ministerkrisen nichts als elendes Gaukelspiel erblickte; Sie werden deshalb nicht glauben, daß ich mich dieses Mal durch ein ähnliches Gaukelspiel hätte verblenden lassen. Manteuffel fühlt jetzt in der That, daß er überflüssig ist, und daß man ihn ent­fernen wird. Er möchte dem zuvorkommen, und hat wirklich seine Entlassung ein gereicht. Bei der allerdings etwas kritischen Lage, in der sich die Reaktion augenblicklich befindet, ist sie indessen nicht angenommen worden. Man will den Eklat jetzt vermeiden und dem Minister des Innern aus Gefälligkeit für feine geleisteten Retter- dienste Genugthuung geben, bei einem Kammervotum oder sonst einer Gelegenheit auf „ehrenvolle" Weise gemaßregelt zu werden. Die Kammern selbst werden am 8. November zusammentre­ten; aber nur auf kurze Dauer, wahrscheinlich nur, um eine neue Anleihe zu bewilligen. Weß Geistes Kind Nadowitz ist, zeigt er übrigens am Besten durch die Art und Weise, wie er seinen Mini­sterposten auSzubeuten sucht. Er wüthet gegen alle Korrespondenten und Literaten, die ihm nicht Weihrauch streuen, und will sie auöge- wiesen wissen. Selbst Hinkeldey ist liberaler, alö er, denn dieser fürchtet daö Aufsehen, daS eine so plötzliche Maßregel machen würde. Haym, der Redakteur der „Konstitutionellen Zeitung", ist nur mit Mühe einer Ausweisung auf Befehl des Hrn. Nadowitz entgangen!! Die Gefion soll nach Bremerhafen gebracht werden — wenn sie nicht unterwegs durch dänische Piraten fortgenommen wird!

si Frankfurt, 8- Okt. - Se. königl. Hoheit der Prinz von Preußen empfingen vorgestern Ihren Vetter Liebden von Kurheffen, und soll die Begegnung eine äußerst herzliche gewesen sein. Zum Be­weise, wie richtig die kurhessischen konstitutionellen spekuliren, wenn sie auf Preußen hoffen! Auch Se. Maj. der König von Würtemberg sind gestern Abend hier angekvnimen, um — wie man vermuthet — sich deö Bundtagsschutzcö gegen alle revvultionärcn Eventualitäten seiner getreuen Stände im Voraus zu versichern.

K r a n k r e i cy.

^ Paris, 6- Okt. — Für die große Revue am 10. d. M. sind bereits Vorkehrungen getroffen, welche deö Ochsen würdig sind. Bereits sind 100,000 Pasteten und 18,000 Hähnchen für dieselben bestellt, nebst den nöthigen Damen. Das „Tel. Corr. Bür." meldet: Nach dem „Moniteur hat L u c i a n Murat weder eine Mission erhalten, noch Paris verlassen. Mehr als hundert Repräsentanten sind hier ringe- troffen. Mehrere Generale werden als neue Adjutanten Napole­ons bezeichnet. Der „Abend Moniteur" bringt einen heftigen Arti- kel, worin gedroht wird, die Armee würde Napoleon gegen seine Gegner vertheidigen. Einem Gerüchte uach soll Soulvuque er­mordet sein.

B. g. Paris, 6. Okt. — ES unterliegt keinem Zweifel mehr, eS ist auf einen Feldzug gegen die mißliebigen Journale abgesehen, Außer der „Assemblee nationale", dem „Corsaire" und „Siecle" wer­den nun auch der „National", der „Peuple" und daS „Evenement" gerichtlich verfolgt. Der „National", weil er mehrere Artikel durch einen Stern getrennt, summarisch mit einer Unterschrift versehen hatte, während der Prokurator der Republik verlangt, daß jeder Artikel be- sonders gezeichnet wird. Der „Courier fran^aiö" ist wegen eines ähnlichen Versehens freundschaftlich gewarnt worden; der „National" aber muß vor dem Zuchtpolizeigerichte erscheinen!! DaS ist napoleo- deistische Gerechtigkeit! DaS „Evenement" wird vorö Gericht gezogen, weil eS einen Brief auS Rom und eine Korrespondenz auö Neuchatel mit dem Namen eines seiner Redakteure zeichnen ließ, während der Prokurator daö Tinguysche Amendement in der Art interpretirt, daß Nè auswärtigen Korrespondenzen, wenn sie nicht als blose Belege zu einem raisonnirenden Artikel gebraucht werden, mit der Unterschrift ihrer Verfasser versehen sein müssen. ES genügt also, die auöwär- rtigen Korrespondenten mit einer Reflexion einzuleiten, um zwar nicht ; dem Gesetze, aber der Interpretation des Hrn. Prokurators Genüge Izu thun, der in der Unterschrift eineS chinesischen Korrespondenten, der Tschintschin heißen kann, mehr Garantie gegen die Uebergriffe der Presse findet, als in der Unterzeichnung eines verantwortlichen Redak­

teurs. Daß hierbei offenbar andere Motive verwalten, als die Sorge um gewissenhafte Befolgung der bestehenden Gesetze, geht auS dem leitenden Artikel des „Pouvoir" hervor, der den französischen Jour­nalismus mit einer Leidenschaftlichkeit und in einer Sprache angreift, die den Edikten der Inquisition Ehre machen würden.

Das Elysëe antwortet endlich in einem Artikel, der gleichzeitig im „Moniteur du foir" und im „Pouvoir" erscheint, auf die Angriffe der Journale gegen die Bewirthungen der Soldaten. „Zu allen Zei­ten", heißt cs darin, war eö gebräuchlich, nach den Manövern den ermüdeten Soldaten Wein und den Offizieren Erfrischungen zu reichen. Das ganze dem Präsidenten vorgeworfene Vergehen besteht darin, daß er diesmal die Offiziere mit den Soldaten theilen ließ." Be- sonders bemerkenöwerth ist der herausfordernde Schluß des Artikels: „Ihr möchtet gerne glauben machen, daß der ganze Enthusiasmus, mit dem der Präsident ausgenommen wird, von einem Glase Wein herrühre; gesteht denn offen euere Feindschaft und euern Haß gegen den Präsidenten ein, und da euch seine Popularität Qualen verur­sacht, da ihr seine Feinde seid, so habt doch wenigstens den Muth, einen offenen Krieg gegen ihn zu führen. Ihr werdet sehen, wie auch die nüchternen Soldaten, ihrer Ehre unv ihren Pflichten einge­denk, eure aufwieglerische Angriffe gegen den Neffen Napoleon mit ihren Bajonetten beantworten werden.

Morgen wird eine außerordentliche Sitzung der Permanenzkom- Mission gehalten werden, über deren Verhandlungen es jetzt sehr schwer wird, etwas Genaues zu berichten, seitdem sie sich durch einen Bewachungöcordon von den vertrauten Lauschern abgesperrt hat, weil sie, wie einige behaupten, sehr Wichtiges, oder weil sie, wie Andere meinen, gar nichts zu verhandeln hat.

Der Minister des Auswärtigen erklärt heute im „Moniteur", daß Hr. Lucian Murat nicht nur keine Mission nach Italien erhalten, sondern Paris bis jetzt noch gar nicht verlassen habe. Merkwürdiger­weise enthält aber heute noch ein sonst wohlunterrichtetes Blatt meh­rere Details über diese Mission, eS muß also doch wohl die Rede davon gewesen sein. — Privatbriefe haben heute die Nachricht von dem Tode der Königin von Belgien hierher gebracht. (Unser Brüsse­ler Korrespondent weiß noch nichts davon. Die Red.)

Der erste Minister von Abbas Pascha, Artim Bey, der mit Hinterlassung eineS Defizits von 2| Million Franken aus Aegypten geflohen ist, wird in Marseille erwartet. Die Regierung soll den âsehl ertheilt haben, ihn nach seiner Ankunft zu verhaften. — Seit wenig Tagen sinv über hundert Repräsentanten in Paris angekommen.

* Paris, 7. Okt. — Der Marineminister hat dem Admirali- tätörath eine große Arbeit in Betreff der Eintheilung der Flotreusta- rionen zugewiesen. Eö soll eine neue Schule, unter dem Namen Eisenbahnschule, für Mechaniker und Ingenieure eingerichtet werden.

Die drei Führer der Majorität, die HH. Berryer, Mole und Thierö sollen sich gestern in einer langen Konferenz für die sofortige Revision der Verfassung und für die Verlängerung der Präsidentschaft auf wenigstens 5 Jahre erklärt haben.

Lola Montez soll sich nach Spanien zurückziehen wollen, um dort ihre Tage, fern von Präsidenten und sonstigen Potentaten, in Ruhe zu verleben.

I r a l t e n.

— na Aus Sardinien, 2. Okt. — Die Kirchenverhältnisse in den sardinische« Staaten sind jetzt auf einem Punkte angelangt, wo der offizielle Bruch mit Rom nicht mehr zu vermeiden ist. Die TranS- portirung Franzoni'â nach Sriancon (franz. Gebiet), wie auch die Maßnahmen gegen Moravguin, haben nun auch noch einige Bischöffe zur Erklärung gegen die Regierung veranlaßt, gegen welche daS Mini­sterium, wenn es nur im Geringsten konsequent verfahren will, mit gleicher Energie auftreten muß, so namentlich gegen den Bischoff von Tvrtvna, welcher mit noch etlichen Andern gegen die Adresse der sechâ Bischöffe (von Villanvretta) protestirte. Es wird daher hier bald ebenso wie in Venedig im Jahre 1806 nnd 1807 gehen, wo auch der damalige Papst Paul V. den Bann — ohne Erfolg aber — schleu­derte und daS Volk sich von ihm lossagte. Da alle Dokumente, ver­möge deren Franzoni verhaftet wurde, laut der „Gaz. off." veröffeat- licht werden, so ist anzunehmen, daß die Sympathien für denselben im Volke, wenn man noch deren vermuthen kann, schwinden werden, trotzdem, daß die „Armonia" die Richter Franzooi'S „RobcSpierre'â" nennt und ihnen den gleichen Tod wie diesem prophezeit. Alle Habe deS ErzbischoffS ist konfiSzirt, seine Zimmer versiegelt. Die Reguli- rung der Kirchengüter beginnt nun auch in Alexandria. Auch für die armen Cares soll jetzt gesorgt werden, waS erst nach Entfernung ^ran« zoni'ö möglich wurde, da dieser dagegen war. Ueberhaupt strebt man darnach, alle alterthümlichen Formularien, die an die Abhängigkeit von