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Deutschland.

* Kasse!, 9. Okt. Nachmittags 3 Uhr. Hr. Haynau soll ge- stern bereits geäußert haben, daß man österreichische Offiziere holen würde, wenn die hiesigen abdankten. Uebrigens sind die Entlassungs­gesuche im Augenblick noch nicht abgegangen, sondern nur beschlossen.

Kassel, 9. Okt. Bekanntlich hat Haffenpflug eine dickleibige Denkschrift in Frankfurt drucken lassen über die kurhessischen Wirren mit einer ebenso dicken Dokumentenanlage. Bis jetzt haben nur die Augs­burger und die Neue Preußische Zeitung daraus Auszüge gebracht. Die Denkschrift ist nur in wenigen Exemplaren gedruckt und für die Regierungen bestimmt. Das verhindert jedoch nicht, daß in dieser Zeit der Oeffentlichkeit, die trotz Galgen und Schwert diesen ihren wesentlichsten Charakter beibehält, auch an beschränkten Unterthanen solche Dinge gelangen. Ich kann Ihnen zwar keine Exzerpte daraus mittheilen, aber doch einige interessante Notizen. Die Denkschrift zer­fällt in zwei Theile, eine historische Sachdarstellung und eine RechtS- ausführung. In dem ersten Theil wird ausgeführt, wie in Kurhessen Alles danach gedrängt habe, dem Fürsten alle Souvcränctät zu ent­reißen und sie in den Händen der Landstände zu konzentriren. sei denn auch das Ziel durch die Gesetzgebung seit dem März vollständig erreicht durch ein freisinniges Wahlgesetz, Geschwornengericht re. Man habe kein Mittel mehr gehabt, auf friedliche Weise die Monarchie zu retten; daS Heer sei auf eine beinahe republikanische Berfassung beeidigt; die StaatSankläger hätten sich geweigert, gegen die politi­schen Missethäter einzuschreiten; die Beamten hätten sich mehr vor der Presse wie vor ihrer Obrigkeit gefürchtet. Auch habe die Regierung nicht einmal anklagen mögen oder können, da doch nur eine Freispre­chungals Belohnung" hätte erwartet werden müssen. So gab eS denn kein anderes Mittel als den Kriegszustand, raisvunirt der Er- fälscher, um die Monarchie hier in Deutschland, ja in ganz Europa zu retten. Nikolaus, bedanken Sie sich! Eine Stelle der Denkschrift lautet ungefähr folgendermaßen:Hierzu kam ein Zustand der Presse, wie er selbst in den erregtesten Zeiten von 1848 in Wien oder Berlin unerhört war. Man hat in größeren Städten vielfache Beispiele einer umstürzenden Presse gehabt, alle Ausschweifungen der Art wurden aber von der Produktion der Hornisse übertroffen, eines in Kassel erscheinenden Blattes, durch offene Anreizung zum Hvchver- rath". Und zum Beweis dieser Behauptung findet man unter den Anlagen Nr. 22 d ie vier offenen Briefe an seine Kön. Hoheit. Hornisse, bedanken Sie Sich! Hr. Haffenpflug kolportirt Ihre Briese in Europa. In den Anlagen findet man sämmtliche Dokumente biö zum 28. September, ausgenommen d i e unbedingten Mandate des Obergerichts in Sachen der Presse. Wahrlich, Hr. Hassenpflug bleibt konsequent, bei seinem al en Leibspruch: üb immer Treu und Redlichkeit bis an dein kühles Grab, und weiche keinen Finger breit von deinem Bortheil a b.

"Kassel, 9. Okt. Sämmtliche Mitglieder des Generalau- ditoratS sind abgesetzt. Die Zuristen dabei kümmern sich nichts um diese Absetzung, dagegen halten die Offiziere ein solches Auftreten für der Disziplin nicht entsprechend. Selbst von den Offizieren der Kurfürsthusaren sollen nur 2 nicht ihren Abschied gefordert haben, von der Garde in Hanau 5. Die Wuth der Soldaten auf die Kurfürst­husaren ist furchtbar. Und Alles, weil daS Generalauditorat nicht die Verhaftung deS einen Mannes aussprechen wollte. Hahnau hat Vollmacht, die Abschiede zu geben; die Gesuche gehen also nicht nach Wilhelmöbad. Haynau hat den Offizieren 24 Stunden Bedenk- zeit gegeben, indem er ihnen mit österreichischer Intervention drohte.

Werden die Konstitutionellen endlich glauben, daß sich nicht blos um einen Bersassun gSbruch, sondern um offenen LandeSverrath und Staatövernichtung han­delte, alö jene Schurken nach WilhelmSbad flüchteten? Jetzt bleibt nur eine Frage. Sollen wir gegen den Feind von Außen stehen wie Männer oder nicht? Offiziere, die uns führen, haben wir!

, Haynau hat Iordan zu sich geladen; er sollte die Offiziere bekehren. Jordan ist nicht erschienen.

^^ Kassel, 10. Okt. In Folge der fast vom gesammten Offizierkorps eingereichten Entlassung hat der kurhessische VerfassungS- kampf eine so kritische Wendung genommen, daß kaum vorauözusehen ist, waS uns die nächsten Tage bringen werden. Die Ansprache, welche gestern derOberbefehlshaber ohne Soldaten", im mißverstan­denen Interesse für seinen HerrnFriedrich Wilhelm ohne Land", an die kommandirenden Offiziere gehalten, beschreibt folgenden Cirkel: Executiren Sie die StandrechtSverordnungcu, sonst rücken Oesterreicher ein unddarauf können Sie sich verlassen, daß die Oesterreichcr eine so freie Verfassung, wie die unsrige ist, nicht werde» bestehen lassen", d. h. vernichtet selbst die Verfassung, damit sie nicht Andere vernich­

ten. Bei solcher^ Logik sind die fromme Excellenz, welcher nach der SachlageGewissensscrupel unbegreiflich", überzeugt,daß die Offi­ziere von ihrem Irrthum und Gewissensscrupel zurückkommen werden". Das Entlassungsgesuch, welches von sämmtlichen Offizieren nnterzcich- net ist, mit Ausnahme von 14, welche jedoch bis auf 4 nachträglich nnch ieigetreten sein sollen, lautet:

Die unterzeichneten Offiziere erklären Angesichts deâ Konflikts von Pflichten, welcher ihnen einerseits durch die Pflicht deS Gehör- somS, anderutheils durch die eidlich übernommene Verpflichtung auf Beobachtung der Verfassung bevorsteht, und in der durch die Entschei­dung kurfürstl. Gcneral-AuditoratS noch mehr befestigten Ueberzeugung von der Verfassungswidrigkeit der Verordnungen vom 7. und 28. Sep- ^mbcr d. I., daß sie sich gedrungen fühlen, nunmehr den Abschied zu nehmen, wobei sie zugleich den dringenden Wunsch auSsprecheu, so lange bei den respektive» KorpS und Kompagnien belassen zu werden, bis im Interesse der Disziplin, sowie namentlich zu Verhütung einer etwaigen freiwilligen Auflösung des Regiments AllerhöchstcnortS Vor­sorge getroffen worden ist, wobei sie jedoch noch schließlich die Erklä­rung abgeben müssen, daß sie in der Zwischenzeit der Eingabe des Abschieds und der Stellung desselben einer jeden Anordnung die Folge versagen müssen, die sie für einen Ausfluß der Verordnungen vom 7. und 28. September halten."

Der Oberbefehlshaber hat nun bereits gestern den betreffenden Offizie­ren eröffnet, daß er Vollmacht zur Bewilligung des eingereichten Abschieds habe, jedoch noch 24 Stunden Bedenkzeit gewähre. Zur Befruchtung dieser Bedenkzeit wurde dann die oben erwähnte sinnlose Rede gehal­ten. Und dann? Wenn nun diese Bewilligung erfolgt ist? Nun dann ist die Auflösung deS Armeekorps erfolgt und die Oesterreichcr rücken ein. Dann sauve qui peut! Dann geht es anS Standrechten, das Konstitutionelle, Demokraten und verfassungstreue Offiziere mit glei­cher Unerbittlichkeit treffen wird. Das ist der Anfang vom Ende. Hr- v. Brede überbringt einen eigenhändigen Brief seines Königs nach Wilhelmsbad, worin sich Preußen zur Aufrechthaltnng der landesherr- lichen Autorität (d. h. doch im Hassenpflugschen Sinn) für alle Fälle erbietet. Also auch die preußische Illusion, welche vielleicht noch für wenige Tage Trost bereitet hätte, müssen die Konstitutionellen nun fahren lassen.

Nach Absetzung des Gencralaudidvratö ist nun auch der neue Stadtkommandant Bardeleben bereits wieder abgesetzt. Haffeu- pflug will das Finanzportefeuille au Bvlmar abgeben; dieser soll jedoch noch Bedenken haben.

§ Homberg, 8. Okt. Am Wilhelmsbader Hofe muß wahr­scheinlich eine Muckerversammlung staltsindcn, denn der Hr. Amtmann Harbort ist schon am G. d. dorthin beordert worden und abgercist. Dieser Herr ist übrigens für seinen Prinzipal Haffenpflug so dienst­eifrig , daß er dem Aktuvriat aufgibt, Stempel anzulegen, während der andere Richter, Hr. Warsdorf (Ehre diesem Manne wegen seiner Verfassungstreue), gerade daS Gegentheil thut. Wie mit dem Hrn. Amtmann, so sieht es auch mit unserm Hrn. Rentmeister aus, der treibt seinen ungesetzlichen Stempelverkauf nach wie vor.

O Äerlin, 8. Okt. ES ist eine eigenthümliche Spannung, mit welcher man hier der Lösung der Dinge in Kurhesseu entgegen- sieht. Wie die Sache enden soll ist unerraihbar wie ein Räthsel der Sphynx. So viel ist gewiß, » die Potentaten von Gottes Gnaden sich das Wort gegeben haben, nichts zu unternehmen, als bis daS Bolk in Kurhessen sich nicht selbst zu Grunde gerichtet habe. Denn daß der fortgesetzte passive Widerstand nicht endlich doch zu irgend einem Zusammenstoß führen solle, ist unmöglich. Eben so uumöglrch ist, daß Haffenpflug im geringsten nachgebe. Nachdem daS Militär sich schwierig gezeigt, spekulirt man sogar auf dessen Insub­ordination, und findet in derselben den Grund, aufzulöscn und durch Truppen anderer Länder zu ersetzen. ES dürfte nicht schwer werden, diese Maßregel, die man in der That beabsichtigt, auch wi"- lich durchzuführen. Sie haben früher allerdings gesagt, daß Kurhesjen keine zweite Auflage der badenser Vorgänge machen wolle, aber wa wird am Ende übrig bleiben, wenn man die Kurhessen dazu zwing ES ist eine ernste Sache, die sehr wohl überlegt sein will. Kurhell ist nicht allein, daö sich jetzt in einer solchen Lage befindet. Darmstadt geschieht fast dasselbe; in Würtemberg bereitet cIelt lu^ vor. In Thüringen und den Herzogthümern stehen die kaum auderü. Wenn auch Mecklenburg und Dessau ihre Aufgabe verfolgt hätten, würde halb Deutschland sich jetzt in der tur^cfl1^ Lage befinden, nnd im Norden Deutschlands, daS darf man »ich gessen, lebt ein Krieg, von dem man noch nicht weiß, wohin er 1 Schärfe wenden wird. So trivial es klingen mag, eS wird das sein, die Dinge gehen zu lassen, wie sie sind, und «awcntuw Darmstadt und Würtemberg, wo ohnehin die kurhessischen Zupano wiederholen müssen, den Gang derselben zu beschleunigen und d