Dritter Jahrgang.
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N 237.
Kassel, Donnerstag den 10. Oktober
1SM
Der Krieg des Kurfürsten gegen sein Volk.
Hr. Vilmar sagt's in seinem „ Volksfreund" offen heraus, wie die Dinge Lei uns stehen. Danach hat der Kurfürst seinen Unterthanen den Krieg erklärt, nicht blos mit dem Worte, sondern der That nach. Danach soll der Soldat sogar eine Ehre darin suchen, wenn's kom- mandirt wird, seine Mitbürger zu spießen und zu erschießen, zu büt- teln und zu standrechten.
So sagt der Mann Gotteö, der Lehrer vom Evangelium. Merk auf, was deine Lehre bedeutet, frommer Mann.
Die Kriegserklärung des Kurfürsten ist wider alles Recht und alle Gerechtigkeit. Sie ist gegen die heiligsten Verträge, gegen Eid und Ehre, gegen Gott und sein Gesetz. Der Krieg des Kurfürsten gegen sein Volk ist deS Teufels Krieg, ist Plünderung, Raub und Mord. Kein Barbar, nicht die Gottesgeißel, welche die H-nnen gegen die Welt trieb, hat einen schlechteren Grund zu einer Kriegserklärung gehabt, als der Kurfürst.
Und der Kurfürst erklärt diesen Krieg, diesen Krieg deâ Unrechts und des Meineids, nicht an eine fremde Nation, oder ein Volk ohne Sitte und Bildung, sondern an seines eigenen Landes Söhne, gegen Männer, deren Treue und Nechtösinn daö Erstaunen der Welt auf sich zieht, die kein Verbrechen begangen haben, als zu fest gestanden zu haben an dem Worte der Verfassung, an dem Eid ihres Fürsten.
Nach der Verfassung gibt eö kein Krieg des Fürsten gegen sein Volk, sondern nur ein Kriegszustand im Interesse deS gemeinschaftlichen Wohles deS Fürsten und Vaterlandes, keine Kriegserklärung deS Kurfürsten, sondern nur deS Gesetzes.
Der Kurfürst hat also den Krieg nicht blos dem Volke, sondern auch der Verfassung erklärt, er hat sich außer daS Gesetz gestellt. DaS einzige Gesetz, was noch gilt, ist der Kriegsgebrauch.
Wohlan, Hr. Vilmar, lassen Sie unS den KriegSgebrauch zur Richtschnur nehmen! Aber bedenken Sie zuvor und bedenken Sie noch einmal, daß der Kurfürst die Offensive ergriffen hat, daß das kurhessische Volk wie ein Dieb in der Nacht überfallen, ,n seinem Eigenthum, seinem Hause, trotz der Heiligkeit beschworener Verträge überfallen ist, bedenken Sie, daß daS Volk deü Kurfürsten dem räuberischen Ueberfall wehrlos gegenüberstand, daß es keine Waffen hatte, als sein gutes Recht, seine treuen Richter, bedenken Sie endlich, daß der Krieg Ihres Herrn schließlich mit 'fremden Soldaten gegen daö gesammte Volk, fast ohne Ausnahme, geführt werden muß.
Wer wagt es, unter solchen Umständen auf den KriegSgebrauch zu pochen? Wer ist frech und tollkühn genug, unter solchen Umständen auch die letzten Banden zu zerreißen, die den angegriffenen Theil an den augreifenden fesseln? Sollen wir lediglich mit dem MaaS messen, mit dem uns gemessen wird? Und kann überhaupt einem räuberischen Ueberfall gegenüber von dem eigentlichen KriegSgebrauch die Rede sein? Ein KriegSgebrauch, wo kein Krieg ist?
Wohlan, Hr. Vilmar, bei dieser Rechnung stehen Sie und Ihre Partei sich am Schlechtesten. Sie wollen mit einem Raubzuge die alte Machtvollkommenheit Ihres Herrn wieder erobern, und Sie schlagen sie vermessen in die Schanze, Sie wollen dem Vater seine Kinder wieder gewinnen und Sie zwingen die Kinder, den Degen gegen die Brust deâ Vaters zu zücken. Frommer Mann, wenn das Volk die Kriegserklärung Ihres Herrn aufnimmt, so sehen Sie den Kurfürsten von Hessen nicht wieder, oder Sie treffen ihn auf irgend einem Eiland.
Nach KriegSgebrauch soll verfahren werden? Nun gut, was dem Einen Recht ist, ist dem Andern billig. Und wenn nun daS Volk feine Dreschflegel nähm und schlüge auf Hrn. Vilmar ein, und wenn eâ Hrn. Vilmar nun als Spion und Verräther an den ersten besten Baum knüpfte, wenn eS sich nun auch eine Ehre daraus machte, Wegelagerer zu spießen und zu erschießen? Wie dann, wie dann?
Von einem Kriege deS Kurfürsten gegen sein Volk reden, heißt den Kurfürsten von seinem Volke loSsagen, heißt ihn vogelfrei erklä
ren, ist Majestätsbeleidigung, Hochverrath. Sehen Sie das ein, Hr. Vilmar? Sehen Sie es ein? Und sieht der Kurfürst ein, daß er nicht von seinen vermeintlichen Feinden, sondern von seinen Freunden in den Tod, ins Verderben getrieben wird?
Wenn Hr. Vilmar nichts gegen den Kriegsgebrauch einzuwenden hat, wir unsererseits haben nichts dagegen zu erinnern.
Erklären Sie sich, Herr!
* Schleswig-Holstein, 5. Okt. — Die Landesversamm- lung hat eine Proklamation „an das deutsche Volk" erlassen. Die gewöhnlichen Phrasen von Ehre, Recht und Nationalität, aber keine Spur von revolutionärem Muth, der allein retten könnte. Es ist das alte Lied vom Kampfe nicht gegen, sondern für den legitimen König-Herzog. „DaS tapfere Heer harrt mit Ungeduld" — „ein Volk von 40 Millionen vermag Großes " u. s. w. — Hr. Wil- lisen vermag noch Größeres in Verbindung mit dem preußisch-gothaer Verrathe. Bezeichnend für diese Proklamation ist, daß Dr. Lafaurie allein dagegen stimmte. ,
Zur richtigen Würdigung dieser Proklamation gehört auch die Rede, welche der Departementschef des Aeußern, Franke, vor Schluß der letzten Sitzung an die Landesoersammlung richtete. Derselbe beschwert sich darin, b^ bei dem s. g. Bundestag die Unsicht vorwalte, „die unreinen (will im Munde dieser Herren natürlich nichts anderes, als entschiedenen, demokratischen sagen) Elemente Deutschlands hätten sich nach Holstein geflüchtet. „ Laut rufe ich's auS, eS gibt kein Land, wo in höherem Grade Ordnung, Loyalität u. si w. herrscht, als daS unsrige." — Gut, an dieser Ordnung und Loyalität wird Schleswig-Holstein zu Grunde gehn. Was soll e,n Aufruf an das Volk, welches man mit Fußtritten und Polizeibutteln auâ dem Laude^treibt.
Flensburg, 3. Okt. — Die (dänische) „Flensb. Ztg. theilt mit, daß biâ heute ungefähr 40, meist Leichtverwundete, worunter zwei Offiziere, auS Friedrichstadt hier eingebracht seien und m Husum ungefähr eine gleiche Anzahl liege. Auch spreche man, schreibt das erwähnte Blatt, von 40 Einwohnern Fnedrrchstadt S, worunter Nicht wenige Frauen und Kinder, die bereits als Opfer gefallen sne».
Altona, 8. Okt. — Ueber die Frierichstädter Affaire berichtet die hiesige lithogr. Corresp. Die Berichte von Friedrichstadt her lanten sehr widersprechend. Nach dem telegraphischen Berichtevon gestern Abend wird die Belagerung fortgesetzt, nach ^lttheUungen von Reisenden dagegen soll die Belagerung ganz aufgehoben uno auch Hauptmann Christiansen mit dem schwerenGeschutzseiuePosiUon verlassen haben. Hauptmann Christiansen, welcher den Ruckzug deckte, soll gleichfalls auf die Positionen Seeth und Süderstapel zuruckgegangen sein? Daâ G. Bataillon ist 900 Mann stark fast ohne Offiziere in Rendsburg eingerückt, der Einzug war ein sehr trauriger und die Stimmung der Stadt eine sehr triste. Gleich dem 6- B°taillon hat das 11. und das 1. Jägercorps bedeutend gelitten. StaU-deSb. Ba- taillonö ist das 5. von Rendsburg suSgeruckt und nimmt die Stellung bei Drage ein; daS 5. Bataillon stand bisher bei Wohlde, ^n Fr»ed- richstadt sollen 11 Bürger während der Beschießung getodtet worden sein, eine junge Dame soll einen Schuß in die Lende bekomme« haben, in den letzten Tagen war aber die Stadt leer von den Bew h • Die Stadt ist nach allen Mittheilungen halb vernichtet, obgleich die Kirchen zu schonen suchte, sind doch 2 Kirchen zerstört. > gestriger Angriff der Dänen auf daâ Centrum be. Cropp weiter als eine RecognoScirung. — ErwahnenSwerth ,st 4 ^ einer Besichtigung unserer Position vor Fr.ednchst-dt Donnerstag mandirenden General und den Obersten v. d. Taun J »
die dänischen Schützen diese hohen Offiziere foß1^ i „tet(ft und nahmen. Ganz in der Nähe de- Generals fiel ein W dem Obersten v. d. Tann fuhr eine Kugel durch daâ P