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1850

Kassel, Mittwoch den 9. Oktober

Wie Willisen das angestammte Necht der Her zogthümer vertheidigt?

C Hamburg, 6. Okt. Nachstehend einige Details über den Angriff auf Friedrichstadt.

Nachdem vorgestern den ganzen Tag die lebhafteste Kanonade unterhalten, hat der Sturm Abends 6 Uhr begonnen. Derselbe währte bis gegen 11 Uhr, also fast 5 Stunden. Die Dänen haben den Tag über nur vereinzelt das Feuer der Schlesw.-Holst, erwidert, aber mit einem Male, als letztere von Seeth her im Sturmschritt heran­rückten gegen die Schanzen und das Blockhaus am Greveschen Hofe, wurden überall in den Gärten, den Verschanzungen und Verhauen die Dänen sichtbar, Tausende standen, wie aus der Erde gewachsen, plötzlich da, um den Sturm abzuschlagen. Im ersten Anlaufen ging das 6. Ba­taillon bis auf den Markt vor, wurde aber durch das mörderische Feuer der starken (2000 Mann!!) dänischen Besatzung zum Rückzüge gezwun­gen; das 11. Bataillon wiederholte den Angriff, aber mit keinem besse­ren, Erfolge. Um 11 Uhr ertönten die Signale zum Zurückziehen, die Dänen waren zu stark, dabei gedeckt in ihren Schanzen, in den Gärten und äußeren Häusern, sie konnten noch nicht zum Weichen gebracht wer­den. Einige Schanzen sind von den Holst, genommen, und haben dieselben in der Nacht ihre bisherige Stellung behauptet. Der Ver­lust auf Seiten der Holst, ist groß, namentlich hat das 6. Bataillon beinahe sämmtliche Offiziere verloren. Beim Beginn des Sturmes brach eine Brücke, die vorher von den Dänen eingesägt war, auf welcher sich das 6. Bataillon befand, zusammen, und viele fanden hier ihr Grab. Die Stadt hat sehr gelitten, ein großer Theil derselben liegt in Asche.

Der kommandircnde General von Willisen spricht in einem Be­richte vom 4. Okt. an die Statthalterschaft seine Ansicht dahin aus: daß der Sturm bei der so ausgezeichneten Tapferkeit der Truppen, unter einigermaßen günstigeren Verhältnissen sicher von Erfolg gewesen wäre und ist der Meinung, daß diese Begebenheit auf die Kriegfüh­rung keine entscheidende Einwirkung ausüben wird. Er gibt den Ver­lust auf 2 bis 300 Mann an.

Der heutige Abendzug von Rendsburg bringt die Nachricht, daß die Belagerung von Friedrichstadt fortgesetzt wird.

Das 6. Bataillon ist, noch 950 Mann stark, nach Rendsburg zurückgekeht, und das 5. Bataillon an dessen Statt ausgerückt.

Schleswig Holstein, 7. Okt. Wie bereits gestern gemeldet, der Sturm auf Friedrichstadt ist abgeschlagen! unsere braven Truppen haben sich zurückgezogen und ihre vorige Stellung, d. h. etwa 800 Schritt von der Stadt wieder eingenommen. Die folgenden Be- richte sind eingegangen:

Die vom 6ten Bataillon beim Zurückgehen hinterlassenen Ver­wundeten sind von den Dänen mit Kolben und Bajonett getödtet wor­den , dafür ließ aber auch dieses Bataillon die 400 Mann starke Be­satzung des Fährhauses über die Klinge springen, nur 10 Mann blie­ben am Leben. Der Kampf ist mit furchtbarer Erbitterung geführt worden; auf beiden Seiten hat man sich mit ausgezeichneter Tapfer­keit geschlagen. DaS 6te Bataillon hat von seinen 20 Offizieren 16 verloren, eS ist jetzt abgelöst und bereits in Rendsburg eingerückt.

Der Feind hat einen freien Zugang nach Westen und Norden, gegen Tönning und Husum, und zieht daher immer die nöthigen Ver- stärkungen an sich, namentlich von Ramstadt und Winnert, wo die Hauptmacht seines rechten Flügels steht. Auf dem Thurme der Me- nonitenkirche befindet sich beständig ein Posten, der unsere Stellungen und Bewegungen genau übersehen kann, so daß ihm nichts verborgen bleibt.

Gülich, Soldat in unserer Armee, wurde bei Idstedt schwer verwundet, kaum genesen, wird er auf Requisition deâ holsteinischen Obergerichts verhaftet, weil er früher den König von Dänemark be­

leidigt, denselben Herrn, dessen Soldaten ihn verwundet! Alâ unsere Landesversammlung dieses vernahm schwieg dieselbe! Den Auf­ruf derselben werden Sie erhalten haben, morgen darüber mehr.

Die Unternehmung gegen Friedrichstadt hat leider den erwar­teten Erfolg gehabt. Der am 4. d. M. mit großer Tapferkeit und Ausdauer unternommene Sturm auf die Stadt ist auf unüber­windliche (?) Hindernisse gestoßen und von der mit Ruhe und Entschlos­senheit kämpfenden dänischen Besatzung abgeschlagen worden. DaS schleswig-holsteinische AngriffS-Corps, dessen Rückzug von der Artil­lerie unter Christiansen gedeckt wurde, hat darauf, wie heute am 6., mit dem Vormittagszuge eingegangenen Berichte melden, seine frü­here Stellung wieder eingenommen. Nachfolgend die Detail­berichte über den Angriff und den Verlust der Truppen, so weit die­selben bis jetzt bekannt sind.

Auszug auS einem Berichte deS kommandirenden Gene­rals v. Wilisen an die Statthalterschaft auS dem Hauptquartier zu Süderstapel, vom 4. Okt.

Nachdem von dem kommandirenden General über die Vorbereitung zu der Expedition gegen Friedrichstadt und über den bisherigen Erfolg derselben berichtet worden, heißt es weiter:Dennoch (trotz der Schwierigkeiten) glaubte man Alles so weit vorbereitet daß zum Sturm geschritten werden durfte. Dieser hat denn heute gegen Abend statt- gefunden und ist von den Truppen mit so ausgezeichneter Tapferkeit ausgeführt worden, daß er unter einigermaßen günstigen Verhältnissen sicher von Erfolg gewesen wäre. So aber stießen die Truppen theils auf Gräben, welche erst im feindlichen Feuer überbrückt werden mußten, theils auf noch nicht völlig zerstörte Werke seitwärts oder rückwärts, so daß eS trotz der glänzendsten Tapferkeit nicht möglich wurde, den Ort in ihre Gewalt zu bekommen. Der Feind führte seine Verthei­digung mit Ruhe und Unerschrockenheit. Leider hat eS nicht vermieden werden können, daß ein großer Theil der unglücklichen Stadt nieder­gebrannt ist. Auf die Kriegführung wird die Begebenheit keine ent­scheidende Einwirkung auSüben. Unsern Verlust schätze ich auf unge­fähr 200 bis 300 Mann an »Torten und Verwundeten. Ich werde später die Verluste genauer angeben. Doch ist auch diesmal der Ver- lust an Offizieren verhältnißmäßig groß; daS 6. Bataillon hat alle seine Hauptleute todt oder verwundet auf dem Platze gelassen. Auf den Geist der Truppen hat dies Ereigniß in keiner Weise nachtheilig eingewirkt, und ich hoffe, daß cs eben so wenig im Lande geschehen wird. Der kommandirende General v. Willisen.

Kiel, 5. Okt. So eben trifft hier ein Schreiben ein von einem im Hauptquartier Angestellten, welches folgendermaßen lautet:

Süderstapel, 5.' Okt. Morgens 3 Uhr. So eben komme ich von Eiderdeich zurück. Gestern hat den ganzen Tag eine lebhafte Kanonade mit großem Erfolge stattgehabt. Der Grewehof und Gooöhvf geriethen in Brand. Es sollte um 54- Uhr des Nach­mittags gestürmt werden. Der Sturm ist auch, leider aber erfolglos, auSgeführt. In drei Colonnen am Eiderdeich, auf ver Chaussee und am Treenedeich rückte die Infanterie vor, doch kam eS nur am Eider, deiche zum eigentlichen Stürmen. Beim Anrücken, daS mitSchleS- wiS- Holstein" erfolgte, begann auf der ganzen Bertheidigungölinie ein mörderisches Kleingewehrfeuer. Unsere Truppen gingen gut vor, namentlich daS sechste Bataillon, daâ schon hinter dem Deich, ehe eS zum Kampfe kam, den Hauptmann Eckard verlor, zeichnete sich aus. Nun stieß aber auf solchen Widerstand, daß man die bereits genommene Schanze wieder aufgeben mußte; das 15. ^ta'uon wich zurück, als dessen Munitionskarren in die Luft flog. Schlimm war es, daß die anderen Colonne» daS 15. Bataillon nicht un er* stützen konnten, weil die Sturmbrücke über den Graben, der a ein noch die Chaussee vom großen Blockhause trennte, einbrach ( nach einem späteren Berichte war die Brücke von den SDänen 2^9f 9 worden) und nicht gleich hergestellt werden konnte. D '

feuer wurde auch während deS Stürmens unterhalten und ein g ß