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das Lager nur verlassen, weil blind eifernde Kotteriemenschen daS Werk eines zwanzigjährigen Muhens an einem Tage zerstört haben, um einen unbeugsamen Rivalen herauszuhetzen. Man liest es auâ dem Briefe heraus, daß er ihn mit dem Blute seines Herzens geschrieben hat. Der Schmerz über den Verlust seiner liebgewordenen Illusionen über­wiegt bei weitem den Schmerz, sich verkannt und verläumdet zu sehen. Es darf uns nicht wundern, wenn Larochejaquelin demnächst als socia­ler Republikaner wieder auf dem politischen Kampfplatze erscheint.

Persigny, welcher bekanntlich eine Mission nach London erhal­ten hatte, um daselbst für den Präsidenten eine Privatanleihe zu kontrahiren, ist unverrichteter Sache heimgekehrt. Die Krämer der City sind vorsichtige Leute.

Der Justizminister hat an die Generalprokuratoren ein Circulair erlassen, in welchem er sie auffordert, die Departementalpresse aufs Strengste zu überwachen. — Montalembert hat an den Erzbischof Franzoni sogleich nach seiner Ankunft in Frankreich ein Condolenz­schreiben abgesandt.

England.

L London, 3. Okt. — Die Königin ist noch immer in Bal­moral, wo sic sich im Interesse ihrer „Unterthanen" so gut als mög­lich amüsirt. Die Herren Minister treiben sich zwar nicht wie die ab- Händen gekommenen kurhessischen in Badeorten, wohl aber ebenfalls auf dem Lande umher, wo sie sich gegenseitig Visiten abstatten. Die Parlamentsmitglieder reisen entweder auf dem Kontinente oder sie machen auf ihren Yachten kleine Wasserparthicn, wenn sie nicht dem edlen Waidwerk nachhängen. So ist die gesammte politische Welt nach allen Himmelsgegenden zerstreut, und eâ kann natürlich von einer laufenden Politik gar nicht die Rede sein. Ocffentliche Meetings, sonst so häufig als Soldatenerzesse, StandrechtSoktrvyirungen und Fürstenversprechungen in Deutschland, gehören jetzt zu den Seltenhei- ten. Die Herreu Cobden, Bright, Walmesley, Thompson rc. rc., die Reformhelden und Thee-Enthusiasten, diejenigen, welche den Staat und die Gesellschaft durch ausgedehntes Wahlrecht und die Entsagung von alle» Spirituosen retten, d. h. die Europäer zu Chinesen machen wollen, sind gleich unsichtbar geworden. Auch der moderue Don Quixote d'Jsraeli läßt Nichts von sich hören. Nur die Chartisten halten ihre regelmäßigen Wochen-MeetingS ab, um der politischen Er­schlaffung unter den Arbeitern, welche bei den jetzigen guten Geschäf­ten unausbleiblich ist, entgegen zu arbeiten. — Wo sollten die Herren Bourgeois auch jetzt die Zeit hernehmen, um Politik zu treiben? — Die Geschäfte blühen, der Handel florirt wie noch nie; die Millionen Spindeln von Manchester, LeedS, Bradford und Glasgow, die hun-

derttaufeude mechanischer Webstühle schnurren und rasseln von Sonnen- aufgang bis in die Nacht, und trotz der halben Stunde, um welche die gesetzliche Arbeitszeit in der letzten Parlamentösaison verlängert wurde, können sie nicht genug spinnen und weben; Sheffiield schmiedet nicht Stahlwaareu, Staffordshire nicht kurze Waaren und Schußwaffen genug für den Weltenmarkt. Färbereien, Druckereien, Bleichereien sind überaus beschäftigt; die Schiffe,' kaum im Hafen eingelaufen, kön­nen nicht rasch genug auSladen, nm neue Ladung einzunehmen; die Spediteure, Kommissionäre und Zwischenhändler haben alle Hände voll zu thun; die Prosite steigen und selbst bis in die bescheidenen Räume der Kleinkrämers und SchnittwaarenhändlerS sind die Wirkungen der Prosperität gedrungen, da die Arbeiter, vollauf beschäftigt und erträg­lich bezahlt, Einkäufe gegen baar machen können. Die Kaufleute in der City, die eigentlichen Geldwölfe sind in Verlegenheit, waâ mit ihren Kapitalien anzufangen, so schnell sind die Profite gestiegen. Sie werden sich wahrscheinlich bald wieder, alâ natürliche Folge, in die tollsten Spekulationen stürzen, dem nur ein jämmerliches Ach und Weh folgen nuß. Die Prosperität muß eineâ schönen Morgens ihr Ziel erreichen, und den Fabriken Birmingham'ü wird der Athem, d. h. der Dampf auSgehen, die Schiffe werden verlassen in den Häfen liegen, die Kaufleute werden wieder Politik treiben, und die Spediteure und Kommissionäre werden den ganzen Tag Federn schneiden; die Profite werden fallen wie sie gestiegen sind und die Waaren werden unver­käuflich sein. Der Jubel der Prosperität wird verdrängt werden durch daS Heulen und Zähneklappern der Handelskrisis. Was alsdann daâ ausgepreßte und wie Orangen auSgesogene, auf daö Pflaster geworfene Proletariat in der Krisis thun wird, daS wird sich seiner Zeit finden.

In Glasgow ist ein öffentliches Meeting abgehalten worden, des­sen Zweck die Abschaffung des Sclavenhandels war. Die M- lantrophen, die in diesem Meeting ihre tugendhafte Entrüstung über die Mißhandlung der armen afrikanischen Neger aussprachen, gestanden diesmal, daß es sich im Grunde bei allen diesen philantrophischen Phrasen doch nur um Befriedigung der englischen Kolonisten in West­indien handele, die von der Konkurrenzier Cubaer und Brasilianer seit Abschaffung der Differenzialzölle auf Zucker vollständig erdrückt werden. —

Daö neue österreichische Anlehen von 100 Mill. Lire, welches den Titel lombardisch-venetianischeS Anlehen führt und dem die Ein­künfte des italienischen Königreichs verpsändet sind, ist auch hier aus­geschrieben. Trotz deâ UeberflusseS an Geld werden die Geldwölfe doch nicht recht anbeißen. — Oesterreich ist um allen Kredit, und mit feiner klugen Nase hat der Engländer längst berechnet, daß es zum Bankerott kommen muß. —

Bekanntmachung e A.

[1875] Bei der Meuterei Großenlüder ist die Stelle eines 1. Gehülfen vacant.

[1864] In eine auswärtige, lebhafte Kolonial-Waaren- Handlung ein junger Mensch als Lehrling, welcher gleich eintreten kann. Wo? sagt die Erp. b. Bl.

[1895] Zwei Großknechte und ein Kleinknecht auf ein Landgut in der Nähe von Kassel, für 30 und 21 Thlr. Lohn. Das Nähere in der Erp. b. Bl.

3 » vermiethen:

[1889] St. Martinsplatz Rr. 781, in der Meßner'- schen Behausung, eine mobilste Wohnung.

11836] Paulistraße Nr. 880, in der ersten Etage, Stube und Kabinct mit Möbeln, billig.

tl873] In der Wilhelmshöher Allee Nr. 15, mehrere möblirtc Wohnungen, sogleich.

[1897] Friedrich-Wilhelmstraße, Nr. 285, im Seiten- flüget, zwei Treppen hoch, Stube und Kabinct mit Möbeln. ' '

bl863] Am Markt Nr. 375 die dritte Etage; sowie gleicher Erde Laden und Stube, sogleich, oder auf Cyristag.

Verloren:

[1899] Am 6. b. M. ist eine goldene Ohrglocke mit mehreren blauen und einem weißen Steinchen verloren worden. Der ehrliche Finder wird aufgefordert, die­selbe gegen eine Belohnung in der Erp. b. Bl. abzu­geben.

[1903] Den Hrn. Jakob Stengel, Sohn des früheren Landbereilerè Stengel in Sababurg, fordere ich hiermit auf, mir binnen 4 Wochen seinen Wohnort anzuzeigen, widrigenfalls--

Fra nz Noll, in Karlshafen.

[1894] Bei verschiedenen Gelegenheiten sind in hiesiger Stadt la Thlr. 5 Sgr. für Schleswig-Holstein einge- sammelt und an den Herrn Bibliothekar Dr. Bern­hardi abgegeben worden.

Großallmerode, am 1. Oktober 1850.

E. Heppe,

Lehrer an der dallgen Stadtschule.

[1898] Große Weidenkörbe, zur Aufbewahrung von Kartoffeln und Obst sich besonders eignend, werden billig abgegeben bei

H. W. Victor Koch.

[1893] Die ersten Frankfurter Würstchen sind angekommen und nun fortwährend frisch zu haben bei M. I. Feldstein, __Marställerplatz Nr. 334.

[1136] Sehr schöne neue sächsische Linsen

erhielt

W P. Hopf.

[1896] Die der Ehefrau des Baumwollenzeug-Fabri­kanten R einm old bisher zugehörigen, am s. g. kleinen Felde in è Wilhelmshöher Allee zu Wehlheiden gele­genen drei Wohnhäuser, welche eine schöne und gesunde Lage haben, sollen, nebst dem hinter denselben befindlichen Garten, weicher mit Obstbäumen vor­züglicher Sorten versehen ist, entweder im Einzelnen lobet im Ganzen aus der Hand öffentlich meistbietend verkauft werden.

Bietungstermin ist daher auf

Montag, den 14. Oktober d. I., Nachmittags 4 Uhr,

an Ort und Stelle anberaumt worden, wovon Kauf- liebhaber mit dem Bemerken hierdurch in Kenntniß ge­setzt werden, daß die Kaufbedingungen im Termine ein- zuschen sind und bei annehmbaren Gebote alsbald der Zuschlag ertheilt werden kann.

(1905) Borräthig bei

^. C. ^. n<i<ibè H' Comp »

Buch - und Kunsthändler, in Kassel (Steinweg Nr. 190).

Haß - ^- Fluch

Spitzbubenroman aus Deutschlands Gegenwart.

Preis s^ Sgr.

Gallcric berühmter IcitgcnoUcn.

Vt. Hessenfl uch.

Höchst ähnliches Portrait mit pikantem Text. Preis 4 Sgr.

Spitzkugeln Sfr. 1 Enthaltend: Trost für 1848 und 1849. — Ans einer englischen Erholungsreise — Wanderleben eines Ministerprä­sidenten.

Preis 4 Sgr.

[1904] Bei Ho ffmann und Campe M Hamburg ist erschienen und bei Raa 4* Comp. zu bekommen : .

Platt von Arredrlchstait.

Preis 4 Sgr.

Zum Westen der Nothleidcndcn in richstadt. _

Kassel. - Verantwortliche Herausgeber: H. Heise und Dr. Kellner. — Druck der Estieune'scheu Buchdruckerei.