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hat auf Aufforderung des Ausschusses endlich dem Garnisonsgericht seine Freilassung aufgegebe», sofern sich die Verhaftung als illegal zeigt, dies ist dann gestern um 9 Uhr in einem Verhör konstatirt wor- den. Aber Hr. Oetker ist nach wie vor verhaftet.

* Kassel, 8. Okt. — Im Artikel -s 6 Okt. in der Sonntagâ- Nummer kommt der Passus vor: „Und was ist daS Anderes, wenn Hr. Seidler die Wachen nicht beziehen läßt." — Hr. Seidler würde die Wachen bezogen haben, wenn nicht Seitens der städtischen Be­hörde die nach dem^Gesetz erforderliche Requisition zurückgenommen wäre.

Gestern um 4 Uhr kamen die HH. Obristlieutenant Hillebrand und Hauptmann Zinke von WilhelmSbad zurück. Dem Vernehmen nach hat Hr. Hillebrand nur die Antwort mitgebracht, die Antwort werde folgen, Hr. Zinke dagegen wahrscheinlich die Antwort selbst. Außerdem kam um 1 Uhr eine telegraphische Depesche an Hrn. Haynau, die also später abgegangen war, alâ die beiden Herren. Ueber den Inhalt weiß man Nichts. Man erwartet nun weitere Rencontres zwischen Haynau und den Staaböoffizieren, rsp. dem Generalauditorat, da bis jetzt alle Aufforderungen des Ausschusses zur Verhaftung des Alten vom Berge als unnöthig zurückgewiesen. Vielleicht exploidirt der ver­haltene Streit über der Oetkerschen Angelegenheit, wenn daö Garni­sonsgericht die Freilassung verlangt und Haynau sie verweigert, und das eine zur Truppenrequisition schreiten muß gegen das Kastell. Dieses Vielleicht ist ziemlich möglich. Bis jetzt um 11 Uhr ist noch immer Waffenstillstand.

* * Kassel, 8. Okt. — Heute wird ein Regiment Preußen auf der Eisenbahn hier durchrücken. Die alte Etappenstraße wird ausge- frischt. — Wer weiß, ob dies Regiment nicht plötzlich morgen auch noch da ist?

O Berlin, 5. Okt. — Der bevorstehende Rücktritt Manteuffels wird von allen Seiten bestätigt. Ich vergaß, meiner gestrigen Mittheilung hinzuzufügen, daß natürlich auch Brau- denburg von seinem Posten, der ihm übrigens nicht sauer gewor­den ist, zurücktrete. Die Min isterprä sid e ntsch ast des Hrn. v. Radowitz scheint somit in naher Aussicht zu stehen. Wahrschein­lich wird Radowitz zu gleicher Zeit bad Ministerium des Aeußern be­halten. Für Manteuffel wird man im Augenblick keinen rechten Er- satzmann finden. Leute, wie Gerlach, Stahl u. s. w. will man noch immer nicht auf die Bühne treten lassen; man wird deßhalb fürâ Erste einen Strohmann wählen, den man nach Belieben ersetzen und zuletzt, wenn das wahre Stündlein gekommen ist, ganz bei Seite werfen kann. Man bezeichnet Hrn. Matth iS, früher preuß. Jn- terimökommissariuS in Frankfurt a. M., als künftigen provisorischen Minister des Innern. ES ist derselbe, der seinen Namen zu der fa­mosen Denkschrift hergegeben; für diese Aufopferung muß man ihn entschädigen. — Zu gleicher Zeit sind die Nachrichten von einem enge­ren Zusammenthun der süddeutschen und der nordwestdeutschen Re­gierungen hier eingetroffen. Ihre Leser besinnen sich, daß ich Ihnen vor sehr langer Zeit von einem Plane geschrieben habe, nach welchem man vier Gruppen in Deutschland bilden wolle, die über eine letzte definitive Einigung zu unterhandeln hätten. Ich kam auf diesen Plan zurück, als Hannover seine Aufforderung zu einem engeren Bund- niß an Oldenburg, Bremen und Hamburg ergehen ließ, und schrieb Ihnen, Sie möchten sich durch die balehnenden Antworten dieser Staaten nicht irre machen lassen, da die Sache im Geheimen dennoch arrangirt würde. Daâ ist auch wirklich geschehen, die vier Gruppen sind gebildet. Oesterreichs Länder bilden die eine, Baiern, Wurtem- berg und Sachsen die andere, Preußen mit den „Unionö"-Staalen die dritte und Hannover mit seinen Verbündeten die vierte nordwest­deutsche. Wenn die Unterhandlungen zwischen diesen vier Gruppen be­endet sind, werden auch die engeren Beziehungen zwischen den Staaten, die sie bilden, wieder aufhören. Daß sie nichts Anderes auâbrüten werden, als eine neue Auflage des Bundestags, ist klar. Wenn sie auch »icht wollten, Rn ß la n d verlangt eâ; Rußland hat zum letzten Mal und sehr energisch erklärt: man solle nun endlich zu den Ver- trägen von 1815 zurückkehren!! — Radowitz hatte die Entziehung deS Postdebitö für die „Konstitutionelle Ztg.", die ihn heftig, obgleich sehr albern, angriff, verlangt und Hinkeldey hatte die. selbe dekretirt. Manteuffel, darüber ärgerlich, soll noch einmal sei­nen Einfluß aufgeboten haben, die Maßregel rückgängig zu machen. Eö soll ihm gelungen sein — ein leidiger Trost für die „Konstitu­tionellen", denn ihr Beschützer liegt selbst in den letzten Zügen!

Frankreich.

* * Paris, 3. Okt. — Wir machen hier in deutschen Ange- legenheiten. Presse, Ministerium, Börse, Alles raisonnirt, schimpft und beräth über Deutschland und über sein Land der Mitte, über Kurhesse», diesen Stein deS Anstoßes in dem großen Friedenskampf, den bk Geldsäcke und die Männer der Gewalt über Europa mit so

viel Mühe ausgebreitet haben. Das „Journal des Debats" sieht bad Heil Deutschlands in einer Verbindung der kleinern deutschen Staaten gegenüber Preußen und Oesterreich; — ein ähnlicher Plan soll von Baiern aus dem hiesigen Kabinet mitgetheilt sein. — Wenn man bedenkt, daß die DebatS auâ österreichischen Quellen schöpfen, so kann man in solchen Plänen nur neue Schachzüge erblicken, um schleunigst in den Hafen der vollkommenen Bundesrestauration zu gelangen, ganz nach altem Styl.

Die „Assemblee Nationale" sucht die Bangenden über die Zustände in Deutschland zu beruhigen. Sie schreibt: „Man beruhige sich, die großen Cabinette sind alle vollkommen einig. Die Konferenzen von Ischl haben die ganze deutsche Frage bis auf die kleinsten Einzelnhei- ten geordnet. Zwischen Preußen und Oesterreich besteht über die ganze Organisation Deutschlands, trotz der Brandenburgischen Briefe, keine größere Meinungsverschiedenheit, alö zwischen dem Russischen und Oe­sterreichischen Cabinette über Ungarn bestanden hat. Die ernsten Staats­männer kennen die Gefahr, gegen die sie anzukämpfen haben. Das verhängnißvolle Jahr 1848 hat sie ihnen gezeigt; sie werden sich nicht trennen und im gemeinschaftlichen Accord zur Unterdrückung der Anar- chie schreiten. Die persönliche Stellung des Königs von Preußen er­fordert indessen einige Berücksichtigung und will geschont sein, er kann noch nicht mit einmal seine Antecedentien verläugncu, darum verthei­digt er noch einige seiner Lieblingsentwürfe, aber die Gewalt der Verhältnisse wird ihn zu den allgemeinen konservativen Ideen zurück­führen. Nehmen wir z. B. Hessen-Kassel. Ist es wohl möglich an­zunehmen, daß der König von Preußen, der bad Berliner Parlament mit Grenadieren auöeinanderjagte und ein ganzes Jahr lang seine Hauptstadt mied, die Maßregeln der Hessischen Regierung und die Abreise deâ Kurfürsten aus der Mitte der Rebellen für konstitutions­widrig hält? Hat Preußen, welches Baden noch besetzt hält, einen legalen Grund, sich einer Besetzung von Hessen zu widersetzen? Ich würde eher versucht sein zu glauben, daß, wenn Preußen rüstet, es zur Unterstützung des Bundescorpö geschieht, welches Hessen mit der­selben Energie zur Ruhe bringen wird, mit der es die Revolution in Baden unterdrückt hat. Alle deutschen Kabinette haben sich zu dem einen Zwecke verbunden, zur Ausrottung deS revolutionären Geistes in feinen drei Erscheinungen: In den volkSverführerischen Kammern, in der demagogischen Presse und in den aufreizenden Universitäten. Wenn alles Dies anch langsam von Statten geht, so wird es sich doch in dem bezeichneten Sinne erfüllen, man braucht nur auf Tos­kana zu sehen. Der Großherzog folgt, wie seine beiden letzten Edikte zeigen, dem Beispiele deö Königs von Neapel. Wer sieht nicht ein, daß dieâ Alles bad Resultat eines allgemeinen gemeinschaftlichen Pla­nes ist? und wenn der König von Sardinien bis jetzt noch einige Dissonanzen in diese Harmonie geworfen hat, so wird er schon zur Nachgiebigkeit gebracht werden, sobald er zur Ueberzeugung gekommen sein wird, daß dem Papste der Beistand von Oesterreich und Ruß­land zu Gebote steht."

* Paris, 4, Okt. — Einen Beweis von der gänzlichen Zer­fahrenheit des hiesigen politischen Lebens, von der Halt- und Ziel­losigkeit eines Staates, der aud einer halben Revolution hcrvor- gegangen ist, liefern die vielen Parteien, welche hier auftauchen und wieder verschwinden, aus immer neuen und neuen Fusionen hervor­gehe» und zu immer neuen und neuen Fusionen Gelegenheit bieten. Der Kitt, welcher sie zusammenhält, ist eben nur ein äußerlicher, ein Name, ein Prätendent, eine Kombination; aber kein tiefes, beleben­des, verbindendes Prinzip.

Die Zahl der politischen Parteien soll sich schon wieder um eine vermehren. Mehrere Koryphäen der VermittelungStheorie sollen sich bemüht, Rekluen für eine Partei ohne Prätendenten anzuwerben^ Die Gründer haben sich aud sogenannten gemäßigten Republikanern, aud Legitimisten, welche die Rechte der Nation nicht bestreiten, und auS Mitgliedern der konstitutionellen Opposition zusammengefunden, um nach Umständen entweder die Republik zu monarchisiren, oder die Mo­narchie zu Hsspublikanisiren. Die neue Partei will alle persönlichen Fragen vorläufig beseitigen, sie nimmt sich vor zu prüfen, nicht wer regieren, sondern unter welchen Bedingungen die höchste Gewalt auâ- geübt werden soll. DaS Journal „l'Ordre" kündigt die neue Partei mit einem vollständigen Programme bereits an. ES läßt sich natur- lich erwarten, daß die Stifter dieser „farblosen" Partei, wie sie die­selbe selbst nennen, bad LooS aller politischen Vermittler theilen.

Hr. Larochejaquelin veröffentlicht einen Brief an seine politischen Freunde, in welchem er sich über Niemanden so bitter beklagt, als über seine ehemaligen politischen Freunde. In einer würdigen Sprache motivirt er seinen offenen Bruch mit den Doktrinären deS göttlichen Rechts, und verwahrt sich gegen die ihm gemachte Beschuldigung, daß er auS Empfindlichkeit, oder aud Unmuth ein Lager verlassen habe, weil man ihn dort nicht als Kommandanten anerkennen wolle. Er hat