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zogen sind, nicht umsonst vergossen werde. Daß das Resultat unseres Kampfes nicht eine neue Despotie werde an der Stelle der alten. Wir rechnen darauf, daß unsere Vertreter in einer so entscheidenden Zeit, wie die gegenwärtige, ihre Pflicht thun.

Wir sehen jetzt Männer im Kerker schmachten, welche mehr als Diejenigen, welche sie in den Kerker warfen, die Begeisterung des Volkes für Unabhängigkeit und Freiheit zu erwecken wußten; Mänuer, welche daS Volk achtet und durch deren Zuchthausstrafe es seine eigene Ehre angegriffen fühlt. Wir sehen Männer politischer Ansichten wegen verfolgt, welche die Rechte deS Volks vertheidigten, während dieje­nigen, welche durch Nichtanerkennung deS Staatögrundgesetzcö die Rechte des Volkes verhöhnten, unangefochten blieben. DaS Volk in seinem unbefangenen Sinn kann in solchen Thatsachen unmöglich etwas An­deres erblicken, als eine Verfolgung der Demokratie zu Gunsten reak­tionärer, die Unabhängigkeit unseres Landes bedrohender Gelüste.

Wir fordern daher die Deputaten unserer Landesversammlung auf, doch endlich einmal nicht bloö durch Worte, sondern durch die That zu beweisen, daß eS ihnen Ernst ist mit der Beseitigung der Hindernisse, welche unserer Unabhängigkeit und Freiheit im Wege stehen, wir fordern sie auf, die Statthalterschaft aufs Schleunigste zu veranlassen, allen denen, welche wegen politischer Vergehen bereits verurtheilt sind, mit Ausnahme natürlich der Spione, Kriegs- und Landesverräther, die Freiheit wiederzugeben, sowie ebenfalls die Pro­zesse derjenigen niederzuschlagen, welche wegen sogenannten politischen Vergehen sich noch in Untersuchung befinden."

Diese Adresse hat unsere famose „Nordd. freie Presse" nicht gebracht; ebensowenig nachstehende von Bürgern Altona'ö eingesandte: „Hohe LandeSversammlung!

Neben der Verwerfung deS allgemeinen Wahlrechts und neben der Aufhebung wichtiger persönlicher Rechte ist von Ihnen ein Regie- rungSantrag gebilligt worden, welcher in die Hände der Verwaltungs­behörden eine kaum zu kontrolirende Gewalt legt. Wir erwarten nun wenigstens, daß Sie durch Beschließung einer Amnestie den ungünstigen Eindruck aufheben, welcher im Gefolge von jeder Beschränkung von Volksrechten ernteten muß.

DaS Volk will vereint gegen den Feind stehen und war bis jetzt bereit und wird es auch ferner sein, ein jegliches Opfer zu bringen unserm Recht, aber auch um seine Freiheit zu erringen und zu befe­stigen; diesem Willen des Volkes gegenüber hätten wir von Ihnen, hohe Landesversammlung, erwartet, daß Sie denselben mehr berücksich­tigen würden.

Die Opfer, welche wir bringen zur Erkämpfung unserer Freiheit und Unabhängigkeit sind groß, aber wir bringen dieselben freudig und gerne, daS Gefühl der Pflichterfüllung ist unser Lohn.

Aber das Volk will vereint kämpfen, eS will nicht, daß durch politische Verfolgungen ein Parteikampf erregt werde; eS will keine Kraft, welche gerne mit im Felde stehen, oder durch Wort und Schrift die Freiheit und Unabhängigkeit vertreten möchte — unbenutzt lassen. Machen Sie daher durch einen Amnestiebeschluß den Parteiungen ein Ende und rufen Sie durch denselben eine erneuerte Einigkeit, einen erneuerten KampfeSmuth inS Leben; — daS ist daS Wenigste, was wir von Ihnen erwarten.

6 Hamburg, 5. Okt. — So eben 8^ Uhr bringt der Abend­zug von Rendsburg die Nachricht, daß Friedrichstadt gestürmt ist und die schleSwig-holsteinschen Truppen bis auf den Marktplatz vvr- gedrungen sind.

Ueber die Erstürmung derselben ist eS schwer, sichere Nachrichten zu haben, der Sturm begann gestern Abend; 60 gleich im Anfang desselben Verwundete kamen hier an; dieselben wissen aber nur mitzu- theilen, daß die Stadt um jeden Preis genommen werden sollte; an- dere 141 Verwundete sind in Neumünster geblieben. Soviel ist gewiß, daß eâ sehr blutig hergegangen ist. — DaS 6. Bataillon soll 14 Offiziere theils todt, theils verwundet haben; das 1. Jägerkorpâ hat gleichfalls sehr gelitten. Die große Zahl von Verwundeten ist noch nicht auzugeben, vielleicht 1500 Mann.

Auf dem Markte in Friedrichstadt ist ein Blockhaus, woraus die Däuen sich vertheidigten. — Der morgende Bahnzug wird wohl nähere Details bringen.

△ Scheslwig - Holstein, 5. Okt. (Abends). — Der so eben 8 U^r Abends von Rendsburg gekommene Bahnzug bringt nach Altona über 60 Verwundete vom Friedrichstädter BelagerungâkorpS, 140 Verwundete sind in Elmshorn geblieben. Man sucht dem Volke glauben zn machen, daß nur Kranke gekommen — aber dergleichen Unwahrheiten gehen nicht mehr durch — das Volk ist mißtrauisch und wohl ihm, daß eS dieses ist. Wir sahen mehrere dieser Kranken deS Hrn. Willisen forttragen ins Lazareth und sprachen mit einigen, welche bei dem heutigen Sturm noch mitgekämpft hatten; diese erzählten, daß der Sturm auf Friedrichöstadt viele Männer von unserer Seite ge­

kostet habe; zwei hölzerne Brücken, welche die Unsrigen passiren muß­ten, waren von den Dänen durchsägt, so daß viele inS Wasser fielen und nur wenige derselben gerettet sind. Die Straßen der Stadt waren von den Dänen verbarrikadirt und fielen bei der Einnahme der­selben manche unserer braven Jungen. DaS erste JägerkorpS und sechste Linienbataillon haben heldenmüthig gefochten und große Verluste erlitten; sehr viele Häuser sind niedergebrannt, so auch daS Friedrich­städter Fährhaus, wodurch die hinter demselben befindliche dänische Schanze freier geworden; ein dänisches Pulvermagazin ist in die Lust geflogen. — Nach einer von Helgoland gekommenen Nachricht, liegt 1 das dänische Dampfschiff Geyser vor der Eider, derselbe soll die sechs Kanonenböte, welche vor Tönning liegen, dahin bugsirt haben. Hätten unsere jetzt in Husum liegenden Kanonenböte in die .Eider kommen könn n, würden die dänischen Kanonenböte verlören sein. In Tönning sollen wieder viele Dänen sein.

Mittags 6 Uhr. So eben mit dem Bahnzug ankommende Rei­sende, welche gestern bei Friedrichstadt gewesen, erzählen, daß ihnen zwischen dieser Stadt und Rendsburg viele Wagen mit schrecklich aus- sehenden Verwundeten begegnet, sie waren mit Blut und Schmutz bedeckt, auch trafen dieselben Wagen mit Mörsern beladen, welche nach Rendsburg gefahren wurden. Vor Friedrichstadt ange­kommen, war der Sturm beendet und die Stadt nicht ge­nommen! Daö Belagerungsgeschütz wurde in Dampfschiffe und Ka­nonenböte geladen, um nach Rendsburg gebracht zu werden, denn man war, nachdem so viele brave Soldaten gefallen, zu der Ueberzeu­gung gekommen, daß Friedrichstadt nicht zu nehmen sei, nicht zu neh­men mit einer Armee wie die unsrige, mit so herrlichem Material und allem Nöthigen ausgerüstet! Die Unsrigen hatten schon die äußern Schanzen gestürmt und waren bis vor die Pallisaden vorgedrungen, wo ein furchtbarer Kampf mit dem Bajonette begann, da keine Partei weichen wollte; mit furchtbarer Todesverachtung ist gekämpft worden, unser Verlust ist sehr groß, es sind wieder viele Offiziere gefallen. Von den Bewohnern Friedrichstadts haben die Dänen nur die Männer zurückbehalten, welche im Kugelregen an den Schanzen arbeiten muß­ten , daher denn auch viele derselben gefallen. Auf dem Markte ist ein mit 20 Kanonen besetztes Blockhaus errichtet. Eine kleine Kirche ist nebst mehreren Häusern niedergebrannt. Die Besatzung der Dänen wurde jeden Tag abgelöst, dieselben waren im Besitz der Straße nach Husum und hatten bei Namstädt, nordöstlich von Friedrichstadt, 10,000 Mann stehen, in Tönningen befinden sich drei dänische Bataillone.

Die Erbitterung im Volke wächst immer mehr. — Dummheit oder Verrath werden dem Hrn. Willisen vorgeworfen, auch unsere braven Soldaten sind furchtbar erbittert, daß sie, nachdem sie so hel­denmüthig gefochten, sich zurückziehen mußten. Das 1. JägerkorpS, daS 3te, 6te und Ute Linienbataillon wurden zum Sturm verwandt und haben viel gelitten. Die 2te Kompagnie deS 6ten Bataillons hat alle Offiziere verloren. Hede, der Anführer unserer Turner im Jahr 1848, hat eine Hand verloren. Vielleicht morgen schon ein Näheres.

Deutschland.

** Kassel, 8. Okt. (Morgens 9 Uhr). - So eben werden die bisher unbesetzten Druckerein ebenfalls besetzt. Daâ Interessanteste dabei ist, daß statt eines Unteroffiziers jedesmal ein Genöd'arm die Mannschaft kommandirt. Wirklich, eine großartigere Demoralisation deS Heeres ist nicht denkbar.

* Kassel, 8. Okt. — Gestern und vorgestern war Waffenstill­stand. Hr. Haynau ward nicht verhaftet und Hr. Oetker blieb ver­haftet, ebenso blieben die Druckereien der „Hornisse", der „Neuhes­sischen" und deS Hrn. Hotop besetzt. Die Zeitungen erschienen dennoch. Am schlimmsten stand sich Hr. Oetker bei diesem status quo. Kastelkommandant steht direkt unter dem Kriegsminister, resp. dem Oberbefehlshaber. Hr. Oetker wurde nicht einmal binnen der gesetzt mäßigen Frist verhört, da sämmtliche Auditeure ihre Mitwirkung der dem permanenten Kriegsgericht verweigerten. Vergebens erließ da Obergericht ein unbedingtes Mandat auf Freilassung, vergebens stell der Staatâprokurator und der Generalstaatsprokurator, vergeben stellte der landständische Ausschuß dieselbe Forderung, der Letzter - weil Hr. Oetker ohne seine Genehmigung verhaftet ist. (Drese I bei der Verhaftung eines Ständemitglieds 6 Wochen nach der merauflösung nöthig, wenn die betreffende Person nicht auf verbregt - rischer That ergriffen ist.) — Hr. Oetker blieb verhaftet; eS wuro ihm eröffnet, daß er wegen Widersetzlichkeit in Haft und daS P manente Kriegsgericht sein zuständiges Gericht ser müsse also mit seinem Verhör warten, bis eS vollständig sei. - P dem werde er aufgefordert, dafür zu sorgen, daß seine Zeitung weiter erscheine - oder! - Hr. Oetker protestirte gegen alle d i Ungesetzlichkeiten und verlangte seine Freiheit. DaS Generalaud't