Dritter I ahrg ang.
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M^ 2ZA. Kassel, Dienstag den 8. Oktober FGIO.
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Au<H noch ein Brief an Seine König!. Hoheit.
Königliche Hoheit!
Der Mann, der eS „gut mit Ihnen meint", hat Ihnen einen Brief mit der Bitte zugesandt, Sich wieder der Union zuzuwenden.
Königliche Hoheit! Wie die Dinge stehn, haben Sie allerdings keine Wahl mehr. Entweder quittiren Sie Ihr Land oder Ihr Land quit- tirt S t e. Ob Sie Sich an die Union oder, den deutschen Bund anschließen, ob Sie es mit den Welfen oder den Weiblingen halten, — das sind kleine Namensverschiedenheiten, die in der Hauptsache nichts ändern.
Königliche Hoheit! Sie wissen, daß wir entschiedene Gegner der Union sind. Wenn es einmal sein soll, so wollen wir lieber gar keine Einheit, als jene Erfurter, deren Inhalt der Bürgerkrieg, deren Ende das Ende Deutschlands ist. Aber der Mann, der eS „gut mit Ihnen meint", muß als Mitglied der Ständekammer, als Mitglied desselben Ausschusses, der nach Ihrer Ansicht die Rebellion fortgesetzt hat, auch wissen, daß seine Bitte um die Union dermalen keine Bedeutung mehr hat, daß sie wenigstens nichts mehr bedeutet, als die Sehnsucht Ihres ganzen Volkes, Sie, Königliche Hoheit, unter ein Regiment zu bringen, daS Sie in Zucht und Ordnung zu halten vermag.
Königliche Hoheit! Irren Sie sich nicht, täuschen Sie sich nicht. Sie Jönne» noch ein paar Jahr laug, was man so nennt, regieren oder herrschen, Sie vermögen eS nur durch den offenen LandeSverrath. Der Mann, der eS gut mit Ihnen meint, hat Ihnen gesagt, Sie wären bereits mediatisirt gewesen, das ist nicht wahr, Sie haben sich mediatisirt. Sie haben sich loSgerissen von dem Herzen Ihrer Unterthanen, empört gegen die Liebe Ihres Volkes, und deswegen verkauft an die Hand und daS Schwert, das Sie am meisten zu schützen vermag in Ihrer einsamen, verwegenen Stellung. Königliche Hoheit! Sie haben sich mediatisirt, weil Sie Lust verspürten, Ihr Volk mit Füßen zu treten.
Königliche Hoheit! Sie haben sich mediatisirt, weil Sie es sür nöthig hielten, die althergebrachte Ordnung in Ihrem Lande wieder herzustellen. Sie haben die großartige Rolle der Aufopferung für das monarchische Prinzip, d. h. für die Tyrannei, die Knechtschaft, den Mord und Todtschlag übernommen. Sie haben Sich aufs Spiel gesetzt, um Ihren Vettern die Bahn zu brechen.
Königliche Hoheit! Warum haben Sie die Rolle nicht einem Andern überlassen? Warum haben Sie gerade den Winkelried der Contrerevolution gespielt, und eine Gasse durch bas Vertrauen, die Liebe, die Hoffnung des deutschen Volkes „gemacht" ?
Man hat Sie schmachvoll hintergangen, Königliche Hoheit. Man hat Ihnen vorgespiegelt, Sie dürften die Unordnung in Ihrem Volke nicht länger dulden, und hat Sie auf diese Weise vermocht, die Unordnung, die Anarchie, die heilloseste Anarchie herbeizuführen. Man hat Sie zum Rebellen gemacht, um Sie als Rebell Jhreâ Landes verlustig erklären zu können. Verstehen Sie nun, daß Sie Sich mediatisirt haben?
Oder ist eâ nicht wahr, daß Sie die Ursache der kurhessischen Anarchie sind? Wenn noch Ordnung in Ihrem Lande herrscht, Sie, Königliche Hoheit, haben kein Verdienst daran. Sie haben Ihre Re- sidenz verlassen, um die Residenz in Verwirrung zu stürzen. Sie haben Ihren Beamten die Gehalte verweigert, um zu sehen, ob ein Diensteid heiliger ist als der Herrendienst. Sie haben, wie Ihr Priester Vilmar sagt, Ihrem Volke den Krieg erklärt, den Bruder gegen deu Bruder, den Bürger gegen den Bürger gehetzt;---Königliche Hoheit, wenn Ihr Reich, Ihr Thron in Flammen stünde: eS wäre nicht unser, es wäre Ihr Werk!!
Königliche Hoheit! Zwischen uns sei Wahrheit. Nicht die Union, nicht Hölle und Teufel rettet Sie vor dem Untergang. Den Rückzug haben Sie Sich abgeschnitten. Der Mann, der eS gut mit Ihnen
meint, sagt Ihnen dasselbe, aber er sagt eS Ihnen anders. Von jetzt an gibt es für Sie nur ein Weg, der der Verzweiflung, nur eine Hoffnung, die der steigenden Gewaltthaten. Fahren Sie also fort, wie Sie begonnen haben, Sie haben dann wenigstens noch kurze Zeit die Genugthuung, Ihr Volk seine bittersten Thränen weinen zu sehen.
Fahren Sie fort, Sich zu mediatisireu, Königliche Hoheit. WaS wir am Eingänge uuseres Briefes gesagt haben, wiederholen wir am Ende: „Entweder quittiren Sie Ihr Land, oder Ihr Land quittirt Sie!
Im Uebrigen treiben Sie, was Sie wollen.
Kassel, am 8. Oktober 1850.
A SHleswig-Hvrstein, 4. Okt. — Die Mehrzahl unserer edlen Landesphilister reitet noch immer auf dem verfaulten Rechtsbodeu. Der Antrag auf Einrichtung von Schwurgerichten ist verworfen, Ausnahmegesetze sind genehmigt, — und die vom Volke verlangte Niederschlagung der politischen Untersuchungen wird nicht genehmigt. Die Reaktion triumphirt! sie hat die Macht in Händen und benutzt dieselbe bestens. Es werden Viele in Deutschland fragen, wie eS möglich sei, daß eine so höchst jämmerliche LandeSversammlung habe zu Stande kommen können? Die Schuld lastet auf dem Hrn. Theodor Olshausen und seinem Anhang. Diese haben nicht und nichts organi- sirt, daß wenigstens die allgemeinen Wahlen im volksthümlichen Sinne auSfielcu, sondern haben auch da, wo ihnen mißliebige entschiedene Demokraten alâ Kandidaten auftralen, gegen diese intriguirt; ja, sich sogar nicht gescheut, mit unseren reaktionären Beamten und Priestern einen engen Bund zu schließen, um nur Menschen ihrer Art — d. h. Achselträger — in die Landesversammlung zu bekommen. Aber dieser Streich, den der Hr. Barthold Leisetritt und seine Klike dem Volke gespielt, fangt schon an, sich zu bestrafen. Von einigen Seiten sind schon Adressen abgegangen, die wohl daâ zarte Gemüth der noblen Maulhelden unangenehm berühren werden.
Von Kiel ist folgende Adresse eingesandt:
„Hohe Landesversammlung! ,, M H
Wir mochten von Anfang unserer Erhebung nicht anders glauben, als daß unser Kampf gegen den äußern Feind zugleich ein Kampf für die Freiheit deö Volkes sei. In diesem Vertrauen brachten wir mit Freuden alle Opfer, welche daâ Vaterland von uns zu fordern ein Recht hatte. Wir waren bereit, unser Gut und Blut zu opfern, in der Meinung, damit der Freiheit einen Dienst zu erweisen, leider müssen wir jetzt offen bekennen, daß wir unS getäuscht haben.
Thatsachen liegen vor, und in der LandeSversammlung selbst sind sie bereits erwähnt worden, welche in dieser Beziehung zu deutlich reden, als daß sie einer weiteren Erklärung bedürften. Ein System politischer Verfolgungen hat begonnen, wie wir eö selbst unter der Herrschaft unserer Erbfeinde, der Könige von Dänemarks nicht kannten. Urtheile stnd gefällt worden, die den Rechtssinn deâ Volkes auf daS Empfindlichste verletzen; Strafen sind zur wirklichen Anwendung ge- kommen, die, wenn sie nicht zurückgenommen werden, den Namen SchleSwig-HolsteinS schänden.
Hohe Versammlung! Wir mögen trotz der Nichtbewittlgung der Schwurgerichte noch immer nicht annehmen, daß unsere Vertreter for - fahren werden, einer Politik Vorschub zu leisten, welche die Erlttcnz deâ Staates selbst gefährdet, einer Politik, welche in dem Augen' , wo der Feind vor den Thoren steht, daö Volk ^ Partechasse -uf- stachelt; einer Politik, welche noch immer .n A cs lasse sich die Unabhängigkeit unseres Vaterlandes retten h
sorgen, daß daS Blut unserer Brüder, welche in die Schlachten ge