Dritter Jahrgang.
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23^ Kassel, Sonntag den 6. Oktober
Kurhessen — Voran!
Was soll'S werden? — In sich zerfällt ein Halt deö StaateS nach dem andern; rings an den Gränzen lagert daö Raubgezücht, um sich auf den edlen Volksleu zu stürzen, wenn er sich trotzig emporrichtet gegen seine Vergewaltiger, — um stolz feinen eigenen Weg zu gehen. — Daö Schicksal, daâ die Lerräther uns zugeschworen, rückt heran mit langsamem, aber sicherem Gange.
Hier liegt der Eckstein des Despotismus, aber auch der der Freiheit. — Hier liegt daö Opfer, daS die Raben gierig umkreisen, um über seinem rauchenden Blute ihre Versöhnung zu feiern. Hier steht der letzte Tempel der heiligen Freiheit, über dessen Trümmern sich daö Europa der Kosaken die Friedenshand reichen will.
Ueber dieses Landes edle Leiche soll sich der Neubau der neuen Zwingburg erheben. — Wohlan. — Wenn es so sein soll, — o möchte er sich dann nur über einer Leiche erheben, — erheben über den Todtenhügeln dieses alten tapfern Stammes.
Man will uns verrathen! — Man will unS verkaufen, nachdem wir uns von den eingeborenen Bütteln daö alte Joch der Schande nicht auflegen ließen. — Daö kann die vereinigte Despotie der Welt nicht ertragen. Sie hat unS eine schwere Züchtigung und den Völkern ein furchtbares Beispiel zugedacht. Da gibt es keine Rettung. Der Becher muß bis zum Grunde geleert werden.
Und sollten wir untergehen ohne Schwertschlag? — ohne Kampf gegen unsere Würger? — Sollte sich dieses Volk nicht wie ein Mann erheben, wenn die Stunde deö letzten Verrathö geschlagen, um den Völkern zu zeigen, wie man stirbt,'" wenn man leben soll nach dem Willen der Henker? —
O Volk von Kurhessen! Du kannst zu Großem erkoren sein, wenn Dein Herz voll Muth und Dein Arm voll Kraft ist. Du bist einig in Dir, die Machtgebote Deiner Dränger nicht zu erfüllen. Sei eben so einig gegen ihre Helfer von Außen. — Dein Land kann der Eckstein der Freiheit sein. — Sie zittern rings umher, die Gewaltigen, vor dem unterirdischen Beben, daS in stiller Nacht ihre Schlösser erschüttert; — mit Entsetzen sehen sie dem Augenblick entgegen, wo ein wilder Donner den Beginn der Explosion verkündet, die ihre Throne in die Luft schleudert. ' Volk von Kurhessen! — Wirf den zündenden Funken in diese verborgenen Minen, mit denen Europa unterwuhlt ist. — Und wenn der Boden unter Dir erzittert, und wenn Dich der Sturz der Länder begräbt, — Volk von Kurhessen, Du stirbst den schönsten Heldentod, den je ein Volk gestorben! — — • ,
Nennt unö Träumer! — schüttelt eure alten Zöpfe, ehrwürdige hochwohlweise Herren und Pedanten, belächelt mitleidig unsere heiligsten Hoffnungen und Wünsche. Du verstehst uns, thatendürstende Jugend, Held der Zukunft. — Und Dein stolzeö Herz ruft mit uns:
Hessen — Voran!
S ch l e ö w i g - H o l st r e N.
(ü Hamburg, 4. Okt. — Obgleich Friedrichstadt nun schon seit 4 Tagen bombardirt wird, ist auch mit dem heutigen Bahnzug noch nicht die Nachricht von der Einnahme der Stadt eingetroffen. Seit vorgestern sind 30 schwere Geschütze der Schl.-Holst. fortwährend in Thätigkeit. 4 Kanonenböte feuern von der Eider aus und vom diesseitigen Eiderufer die schwere Batterie Christiansen. Andere Artillerie arbeitet vom jenseitigen Ufer auö, so wie von der Chaussee und dem Milderdeich (Ziegelhof). Von den letzten beiden Punkten her wird häu- fig lebhaftes Gewehrfeuer vernommen und scheinen sich die Schl.-Holst. bis auf Schußweite der Stadt genähert zu haben. Zum Sturm ist ist Alles bereit, doch fürchtet man wahrscheinlich maökirte Batterien in oder dicht vor der Stadt. Die Stadt brannte an mehreren Stel- len; das Eiland ist ganz abgebrannt, auch mehrere der ersten Häuser
1850,
reihen theilweise. Jedenfalls steht den Schl.-Holst. noch ein schwerer Kampf bevor. Wenn auch die Außenwerke demolirt sind, bietet die vom Wasser umgebene Stadt den Dänen noch immer treffliche Ver- theidigunöpunkte.
Bei Tönningen sind sechs dänische Kanonenböte angekommen, wahrscheinlich von der Hewer und sind dort mit den Schl.-Holst. im Gefecht. Eine Comp. vom ersten Jägerkorps und eine Abtheilung des Sten Bataillons liegen am diesseitigen Ufer von Tönningen.
Die Schl.-Holst. beginnen den Uebergang nach dem Friedrichstädter Fahrhause vorzubereite«, und soll, wie eö heißt, heute gestürmt werden.
d.
noch immer in Haft.
N ist
** Kassel, 5. Okt. — Hr. Oetker .
Der Hi Hapnau wär freilich sehr froh, feinen Gefangenen auf eine anständige Manier loS zu werden, indessen verbietet ihm ein deßhalbiger Befehl seine Idee vom „allmächtigen Gott".
△ Kassel, 5. Okt. — Aktiv oder passiv? — DaS ist die Frage. Wehe unS, daß diese Frage bei unS so lange in der Schwebe geblieben ist. Wehe Denen, die die sittliche Entrüstung deS Volks durch dialektische Künste niedergehalten haben. Ihr werdet's seh», ihr werdet's sehn. Wo ein ^anM_Vü1k-auu--^-»»-èsnhl hat, wo ein ganzes Butt^vrn^hMmëlschreicnden Frevel seiner Herrscher nrcht mehr verwinden kann, — — da ist daö absichtliche „Beruhigen" keine rettende That, sondern eine Demoralisation, ein Verbrechen. Ein Volk, daS seinen heiligsten Gefühle» keinen Ausdruck zu geben weiß, ver. liert seine heiligsten Gefühle, es gibt sich selbst auf, eö mordet sich selbst. Oder war eS nicht wahr, daß in Kurhessen nur ein Gedanke in allen Köpfen lebte, nur ein Wille alle Gemüther bewegte? Und warum keinen Ausdruck dieses Willens, warum keinen Widerstand gegen die vereinzelten Werkzeuge der Verbrecher in Wilhelmöbad? Künste, Künste! Ihr glaubt daS Volk zu retten und ihr mordet daS Volk, ihr glaubt zu gewinnen und ihr verliert. Gebt Acht, gebt Acht! Oder war das Maas noch nicht voll? Mußte noch mehr geschehn, um alle Schichten deS Volks zu vereinige«? Noch mehr, noch mehr? Wehe diesem Volke, wehe einer Zersplitterung, die trotz aller Missethaten unserer Feinde noch fortdauert. DaS ist kein Volk für eine Rebellion, daS ist eine gemachte Kraft, eine krankhafte Opposition. Oder leiden wir an der Kleinstaaterei? Nein, nein, nein, selbst nach eurer Ansicht nein! Ihr rechnet ja auf Preußen! Wenn Preußen verlangt, daß wir solche Schandthaten, wie sie bei unS geschehn, ruhig dulden, daß wir solche Verbrecher, wie sie unS gegenübcrstchen, nicht beseitigen sollen, dann dürft ihr, dann könnt ihr Preußen nicht wollen, dann ist Preußen eben so unmoralisch, dann ist eö eben so herzlos als jene sind. Wahrlich, wer Preußen als Freund der Freiheit erklärt, der muß die Revolution, den aktiven Widerstand in Kurhessen fordern, denn Preußen im Gegensatz" zu einer kurhessischen Revolution wäre der Complice Hafsenpflugö, der Freund der Mißhandlungen, die wir erduldet haben, der Freund der Volks- bedrückung, deS VerfassungöbrucheS, deö Standrechts. Wenn Preußen unser Freund ist, so müßte es wünschen, uns im offenen Aufruhr, «icht im passiven Widerstand zu finden. Wehe euch, daß ihr daS mcht begreift! Preußen will euch nicht als Männer, sonder» als ^tta- ven! Wollt ihr unter solcher Bedingung preußisch werde«?
•M'M, 5. Oft. - s» «t™ läßt d-M-»«;E* Hartwig an den Straßenecken verkünden, zur S(' J J J deö Volks, daß das OberappellationSgerM ba5
den Kurfürsten gesandt habe, um Seine ^^fmerffatn zu machen. Verfassungswidrige feiner Schritte nochmals aufmerksa ^^«hTb«.’- NN ^'«Hth’ftrtt» «<»<»« sich m Kassel emtge hundert Hofarverrer